Energiewaffe US-Marine schießt mit Laser Boot in Brand

Die US-Marine hat erstmals einen Hochenergie-Laser auf See abgefeuert - und bei dem Experiment ein kleines Boot in Brand gesetzt. Schiffe sollen sich künftig mit solchen Energiewaffen verteidigen, doch der Praxiseinsatz dürfte Jahre in der Zukunft liegen.

US NAVY

Was sollten Energiewaffen nicht schon alles leisten: kleinere Raketen und sogar Granaten vom Himmel holen, Demonstranten mit Hitzestrahlung in Schach halten oder - eingebaut an Bord eines Jumbojets - sogar Interkontinentalraketen abschießen. Bisher wurde keine dieser Waffen regulär eingesetzt - was die US-Streitkräfte aber nicht davon abhält, mit großem technischen und finanziellen Einsatz weiter an den futuristischen Strahlenkanonen zu forschen.

Jetzt soll wieder einmal ein Durchbruch gelungen sein: Die US-Marine hat erstmals einen Hochenergie-Laser auf See eingesetzt. Ein Video des Office of Naval Research (ONR), der Forschungsabteilung der U.S. Navy, zeigt ein kleines Boot, dessen Außenbordmotoren langsam Feuer fangen. Der Brand sei das Resultat des Beschusses durch den Maritime Laser Demonstrator (MLD), heißt es in einer Mitteilung des ONR.

Der Festkörperlaser war an Bord des ferngesteuerten ehemaligen Zerstörers "USS Paul Foster" montiert und beschoss das Zielboot aus einer Entfernung von etwa anderthalb Kilometern. Die Leistung soll 15 Kilowatt betragen haben. Der Laser brauchte offenbar mehrere Minuten, um den schwarzlackierten Außenborder zu entzünden.

"Ergebnisse extrem wertvoll"

In der Realität würde die Besatzung eines solchen Boots wohl versuchen, Ausweichmanöver zu fahren und aufkommende Brände zu löschen. Dennoch wertete die US-Marine den Test, der nahe der Insel San Nicholas vor der Küste Kaliforniens stattfand, als vollen Erfolg unter realen Bedingungen. "Das war das erste Mal, dass ein Hochenergie-Laser mit dieser Leistung auf ein Marineschiff montiert wurde, von dem Schiff mit Strom versorgt wurde und ein Ziel beschossen hat", sagte ONR-Mitarbeiter Peter Morrison.

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Laser: Energiewaffen für die Zukunft
Zudem sei es beim jüngsten Experiment auch gelungen, den Laser mit dem Radar und dem Navigationssystem des Schiffs zu koppeln. Auch das Abfeuern eines elektrischen Lasers von einer beweglichen Plattform und in einer Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit sei eine Herausforderung gewesen, die man bei dem Test gemeistert habe. "Alle diese Ergebnisse sind extrem wertvoll", sagte Morrison.

Zwischen der Vergabe des bis zu 98 Millionen Dollar schweren Auftrags an den Rüstungskonzern Northrop Grumman und dem Test des einsatzfähigen Prototypen seien weniger als drei Jahre vergangen. "Ich habe mein ganzes Leben auf See verbracht, und ich hätte nie gedacht, dass wir so schnell so erfolgreich sein würden", sagte Nevin Carr, Forschungschef bei der US-Marine, dem Onlinedienst Wired. "Wir nähern uns der Entscheidung, Schiffe mit Laserwaffen auszurüsten."

Abwehrwaffe gegen kleine Ziele

Bei den dreitägigen Tests, die vergangene Woche endeten, wurde der Laser nach Angaben von Northrop Grumman 35-mal eingesetzt. Dabei seien mehrere Ziele beschossen worden, deren Geschwindigkeit und Entfernung auch im Ernstfall zu erwarten seien. "Die Ergebnisse zeigen, dass alle entscheidenden Technologien ausgereift genug sind, um ein formelles Entwicklungsprogramm für ein Waffensystem zu beginnen", sagte Northrop-Grumman-Manager Steve Hixson.

Laser sollen auf Kriegsschiffen vor allem zur Selbstverteidigung dienen: Kleine Objekte wie etwa Raketen oder Schnellboote, die mit konventionellen Waffen schwierig zu treffen sind, gelten als bevorzugte Ziele. Spätestens seit dem Anschlag auf den Zerstörer "USS Cole" nimmt die US-Marine auch kleine Boote als Bedrohung ernst: Im Oktober 2000 hatten Terroristen sich dem 154 Meter langen Schiff genähert und ein Loch in die Bordwand gesprengt. 17 Seeleute kamen ums Leben, 39 wurden verletzt.

Die US-Marine hofft, bis zum Jahr 2020 Festkörperlaser auf Schiffen einsetzen zu können. Doch schon jetzt denken die US-Militärs über die nächste Laser-Generation nach. Das ONR arbeitet am sogenannten Freie-Elektronen-Laser (FEL), der in verschiedenen Wellenlängen funktioniert und extrem kraftvoll sein soll. Forscher halten es für theoretisch möglich, relativ kompakte FEL-Waffen mit Leistungen von vielen Megawatt zu bauen. So hat das ONR bereits im Juni 2009 dem Rüstungskonzern Raytheon eine Auftrag zum Bau eines 100-Kilowatt-Lasers erteilt. Boeing hat im März 2010 mitgeteilt, das Design für einen FEL-Prototypen für den Einsatz auf See fertiggestellt zu haben.

mbe



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