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Erdbeben vor Indonesien: Verwirrung um fehlende Tsunami-Bojen

Arbeiter mit Tsunami-Boje in Indonesien (Archivbild) Zur Großansicht
REUTERS

Arbeiter mit Tsunami-Boje in Indonesien (Archivbild)

Keine der Tsunami-Warnbojen des Landes habe beim schweren Seebeben am Mittwoch funktioniert, beklagen indonesische Behörden. Deutsche Forscher verweisen auf die simple Ursache: Die Geräte sind längst nicht mehr da.

Die Sache ist noch einmal ziemlich glimpflich abgegangen. Als sich am Mittwoch rund 800 Kilometer südwestlich der indonesischen Stadt Padang an der Westküste Sumatras ein schweres Beben ereignete, lösten die Behörden auch einen Tsunami-Alarm aus. Doch wenig später zeigte sich: Eine gefährliche Welle war diesmal nicht zu befürchten. Das lag daran, dass sich der Meeresboden nur horizontal und nicht vertikal verschoben hatte.

Wie viel Glück die womöglich gefährdeten Küstenstädte bei dem aktuellen Erdstoß der Stärke 7,7 hatten, scheint eine Meldung vom Donnerstag zu belegen. Sutopo Purwo Nugroho, Sprecher der indonesischen Katastrophenschutzbehörde, erklärt darin, alle 22 Tsunami-Warnbojen seines Landes hätten zum Zeitpunkt der Erdstöße nicht funktioniert. Daran sei Vandalismus genauso schuld gewesen wie fehlende Mittel für Betrieb und Unterhalt.

Doch über welche Bojen redet der Mann eigentlich? Das fragen sich unter anderem deutsche Forscher. "Da schwimmen seit Jahren keine Bojen mehr im Wasser", sagt ein Wissenschaftler, der sich mit der Materie auskennt.

Lage des Bebengebiets vor Sumatra Zur Großansicht
DPA/ USGS

Lage des Bebengebiets vor Sumatra

Das Deutsch-Indonesische Tsunami-Frühwarnsystem für den Indischen Ozean setzt jedenfalls seit 2010 nicht mehr auf Bojen. Sie waren zuvor häufig gestohlen oder zerstört worden. Stattdessen kommt hier nun andere Technik zum Einsatz, zum Beispiel Seismometer an Land und am Ozeanboden. Mit ihrer Hilfe lässt sich ein Erdbeben genau lokalisieren. Eine Software berechnet daraus das konkrete Tsunamirisiko.

Deutschland hat mehr als 50 Millionen Euro in das System gesteckt, inzwischen wird es von Indonesien allein betrieben. Nach deutschen Angaben arbeiten im Warnzentrum in Jakarta das ganze Jahr mehr als 30 Personen im 24-Stunden-Schichtdienst.

Fehlende Bojen sind nicht das Problem. Sie sind für die Warnungen unnötig. Als größte Schwierigkeit gilt stattdessen, dass Nachrichten von nötigen Evakuierungen die Menschen vor Ort auch tatsächlich erreichen.

In der Region kommt es oft zu schweren Beben. Die Erschütterungen kommen normalerweise aus dem Gebiet des Sundagrabens. In diesem mehr als 2000 Kilometer langen Bogen taucht die Australische unter die Eurasische Platte.

Am 26. Dezember 2004 löste ein Erdstoß im Indischen Ozean einen verheerenden Tsunami aus. Dabei kamen insgesamt mehr als 200.000 Menschen ums Leben. Allein in Indonesien starben 170.000 Menschen, die meisten davon in der Provinz Aceh.

chs/AP

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Erdbebenstärken
Die Richterskala
Die Stärke eines Erdbebens wird mit Hilfe der Richterskala und anderer Skalen beschrieben. Der jeweils angegebene Wert, die Magnitude , kennzeichnet dabei die freigesetzte Energie.

Mittels Seismografen werden die Maximal amplituden (also die Ausschläge der Nadel) bestimmt, die umgerechnet von Erdbeben in 100 km Entfernung erzeugt worden wären. Der dekadische Logarithmus der gemessenen Maximalamplituden ergibt die Magnitude. Die Erhöhung der Magnitude um 1 bedeutet dabei eine 33-fach höhere Energiefreisetzung – ein Erdbeben der Magnitude 5,0 ist also 33-mal so stark wie eines der Magnitude 4,0. Die Skala wurde 1935 von Charles Francis Richter und Beno Gutenberg am California Institute of Technology entwickelt.

Genau genommen werden Erdbebenstärken jedoch heute in der Moment-Magnituden-Skala angegeben. Sie berücksichtigt neben der Energie auch die Größe des gebrochenen Gesteins. Die Bruchfläche lässt sich aus der Erdbebenmessung vieler Seismografen berechnen.
Die Auswirkungen
Grob lassen sich die typischen Effekte der Erdbeben in der Nähe des Epizentrums folgendermaßen beschreiben:
  • - Stärke 1-2: nur durch Instrumente nachweisbar
  • - Stärke 3: nur selten nahe dem Epizentrum zu spüren
  • - Stärke 4-5: 30 Kilometer um das Zentrum spürbar, leichte Schäden
  • - Stärke 6: mittelschweres Beben, Tote und schwere Schäden in dicht besiedelten Regionen
  • - Stärke 7: starkes Beben, das zu Katastrophen führen kann
  • - Stärke 8: Groß-Beben
Weltweit ereignen sich jährlich etwa 50.000 Beben der Stärke drei bis vier, 800 der Stärke fünf oder sechs und durchschnittlich ein Groß-Beben. Das stärkste auf der Erde gemessene Beben hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 in Chile .
Skala der Erschütterungsstärken von Erdbeben
Unterschied zur Richterskala
Die Skala der Erschütterungsstärken beziehen sich NICHT auf die RICHTERSKALA, SONDERN auf die zwölfstufige INTENSITÄTEN-SKALA. Die Richterskala ist ein Maß für die bei Erdbeben freigesetzte Energie. Die Intensitäten-Skala hingegen beschreibt die Einwirkung der seismischen Wellen auf Gegenstände - die Werte werden kleiner mit der Entfernung zum Bebenherd. Intensität 9 entspricht ungefähr einem Beben der Stärke 6,5 auf der Richterskala, das in der Nähe stattfindet. Das Japan-Beben hatte die Stärke 9, was Erschütterungen der Stärke 12 zufolge hatte.
I - Nicht gespürt
Keinerlei Wahrnehmungen durch Menschen.
II - Sehr selten gespürt
Nur von sehr wenigen Personen (< ein Prozent) in Ruhe und in sehr empfindlicher Position innerhalb von Gebäuden wahrgenommen.
III - Schwach
Von wenigen Personen in Gebäuden wahrgenommen als leichtes Schwingen oder Vibrieren.
IV - Weitgehend beobachtet
In Gebäuden von vielen, im Freien aber nur von sehr wenigen Personen wahrgenommen; einige wachen auf; leichtes Schwingen oder Vibrieren von Gebäuden, Möbel, etc., Rütteln von Fenstern und Türen, Knarren von Balken; hängende Objekte schwingen.
V - Stark
In Gebäuden von den meisten und im Freien von einigen wahrgenommen; einige rennen erschrocken ins Freie, viele Schlafende erwachen; starke Erschütterungen des ganzen Gebäudes, Raums und von Möbeln; hängende Objekte schwingen erheblich, labil aufgestellte können sich verschieben oder fallen um; Flüssigkeiten schwingen und können überschwappen, Türen und Fenster können auf- und zuschlagen; wenige Gebäude schlechter Bausubstanz können leichte Schäden aufweisen.
VI - Geringe Schäden
Viele Leute rennen verängstigt ins Freie. Einige Objekte fallen um, Möbel können rutschen. Viele Häuser erleiden geringe Schäden wie Haarrisse oder Abfallen kleiner Putzflächen.
VII - Schäden
Die meisten Leute rennen verängstigt ins Freie. Möbel können verrückt und viele Gegenstände aus Regalen geworfen werden. Viele gut gebaute gewöhnliche Bauten erleiden mäßige Schäden wie kleine Risse in Wänden, Abfallen von Putz, Abbrechen von Schornsteinteilen. Bei älteren Gebäuden können größere Risse in Wänden auftreten; nichttragende Wände können einstürzen.
VIII - Starke Schäden
Viele Leute haben Schwierigkeiten stehenzubleiben. Viele Häuser weisen große Risse in den Wänden auf. Einige gut gebaute, normale Bauten zeigen ernsthafte Versagensschäden von Wänden. Schwache ältere Gebäude können einstürzen.
IX - Zerstörend
Allgemeine Panik. Viele schwache Konstruktionen stürzen ein. Sogar gut gebaute, normale Bauten zeigen sehr schwere Schäden, z.B. schwerwiegendes Versagen von Wänden und teilweise auch strukturelles Versagen.
X - Stark zerstörend
Viele normale Bauwerke stürzen ein.
XI - Verwüstend
Die meisten gut gebauten, normalen Bauwerke stürzen ein, sogar einige mit guter, erdbebensicherer Bauweise werden zerstört.
XII - Totale Zerstörung
Alle Gebäude schlechter bis mittelguter Bausubstanz und die meisten mit guter Bausubstanz (holz-, stahl- oder stahlbetonverstärkt) werden zerstört. Maximale Schäden und Landschaftsveränderungen.


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