Erfindermesse Iena Darauf hat die Welt gewartet - oder nicht?

Ein Blindenhundersatz, ein Scheibenwischer für Motorradfahrer oder eine Allwetter-Drohne: In Nürnberg beginnt die Erfindermesse iENA. Da kriegt man viele gute Ideen zu sehen - und einige nicht so gute.

DPA

Der Blindenhund von Alexander Bayer und Niklas Gutsmiedl ist zwar nicht flauschig, er sabbert dafür aber auch nicht. Die Konstruktion sieht erst mal wild aus. Doch was sie kann, ist verblüffend: Ein Basketball am Boden treibt einen Motor an, der darüber in einem durchsichtigen Zylinder angebracht ist. Dort stecken auch die übrige Technik und ein Haltegriff drin. Ultraschallsensoren an der Vorderseite erfassen die Umgebung.

Der Clou: Ein Programm mit GPS-Empfänger kann Routen lernen und diese dem Nutzer später wie ein Navigationsgerät ansagen. Das Ganze ist ein Art Blindenhundersatz, wie die Erfinder aus Baden-Württemberg erklären. "Die Software muss noch verbessert werden, er ist aber schon einsatzfähig", sagt Gutsmiedl.

Bayer und Gutsmiedl sind noch Schüler und kennen sich durch ein Forschungsprojekt mit Sehbehinderten - und wurden so auf deren Probleme aufmerksam. "Ein Blindenhund kostet etwa 25.000 Euro und ist nur schwer zu bekommen", erläutert Bayer. Ihr Gerät koste nur etwa ein Zehntel davon. Es erkenne Treppen, Autos und Laternen über einen Ultraschallsensor - wie bei einer Fledermaus. Die Software für das drei bis vier Kilo schwere Gerät haben die beiden selbst programmiert.

Erfinder Alexander Bayer (l.) und Niklas Gutsmiedl mit ihrem elektronischen Blindenhund
DPA

Erfinder Alexander Bayer (l.) und Niklas Gutsmiedl mit ihrem elektronischen Blindenhund

Außer dem elektronischen Blindenhund werden bei der iENA in Nürnberg etwa 700 weitere Erfindungen aus 35 Ländern zu sehen sein. Die Messe startet offiziell am Donnerstag und geht bis Sonntag. An den ersten zwei Veranstaltungstagen bleibt das Fachpublikum unter sich, ab Samstag können sich auch Laien die Erfindungen anschauen. Laut Veranstalter ist die iENA die größte Erfindermesse der Welt.

Manche Ideen sind noch nicht besonders ausgereift: Wie etwa ein Tassenmixer ohne Strom oder ein stufenlos verstellbarer Einlegeboden für den Kühlschrank. "Damit auch Wassermelonen rein passen", erklären die beiden zwölfjährigen Erfinder Maximilian Klein und Roman Schmid.

Scheibenwischer für den Motorradhelm

Andere Produkte sind dagegen bereits im Handel erhältlich - ihre Erfinder wollen sie aber noch bekannter machen. Albert Keller aus Baden-Württemberg beispielsweise hat eine Art Scheibenwischer für Motorradfahrer entwickelt: Der kleine Propeller wird mit einem Saugnapf am Visier befestigt und vom Fahrtwind angetrieben. Sobald er in Bewegung ist, sieht der Fahrer ihn nicht mehr. Der Propeller säubert die Sichtscheibe von Wassertropfen. "Man fährt als Motorradfahrer bei Regen oft wie im Blindflug", erklärt der Tüftler den Vorteil seiner Erfindung. Er fährt selbst oft lange Touren mit dem Motorrad.

Nutzen und verkaufen darf er seine Regenschutzscheibe bereits. Vor allem in Österreich und Finnland laufe sein Produkt bisher gut. Kostenpunkt: 40 Euro. "Es gibt aber kein Gesetz dafür", klagt Keller. Daher liege es im Ermessen des einzelnen Polizisten, ob er den Nutzer verdonnere, den Propeller abzunehmen.

Patentrekord in Deutschland

Oft bringen eigene Probleme Erfinder auf die entscheidende Idee. Zu einem CO 2-neutralen Eiswagen mit Solarzellen auf dem Dach inspirierte Gerd Heinlein aus Oberfranken dagegen ein Freund. Dieser wollte sich einen alten Bus kaufen und zum Eiswagen umbauen. "Das ist aber doch nicht innovativ", sagte sich Fotograf Heinlein und baute kurzerhand ein kleines Elektroauto um.

Auch junge Tüftler brauchen zuweilen einen Anstoß von außen. So entwickelte der 16 Jahre alte Max Janik nach der Bitte einer Firma ein Reinigungsgerät für Farbwalzen. Und der Azubi Johannes Maier baute bei einem holzverarbeitenden Unternehmen ein Messgerät in eine Motorsäge ein. "Abmessen eines Baumstamms und Zusägen funktioniert so mit nur einem Gerät", erklärt der 18-Jährige.

Den Tüftler-Ritterschlag der iENA haben drei Schüler aus Baden-Württemberg erhalten: Ein Unternehmen hat die 17- und 18-Jährigen engagiert und sponsert sie nun. Fabian Albrecht, Felix Haag und Jonas Gehring haben eine Drohne entwickelt, die dank einer Heizung bei jedem Wetter fliegen kann. "Durch Kälte und Luftfeuchtigkeit verlieren Drohnen normalerweise den Auftrieb", erklärt Haag. Dank ihres speziellen Heizmaterials am Rotorblatt wird das verhindert. Was das für ein Material ist, ist noch geheim. "Dazu wollen wir noch ein Patent anmelden", betont Haag.

Das haben Tausende andere in diesem Jahr bereits erledigt. Im vergangenen Jahr wurden fast 70.000 Patente in Deutschland angemeldet; ein Rekord, der in diesem Jahr gebrochen werden könnte. In den ersten sieben Monaten wurden mehr Marken und Patente angemeldet als im Vorjahreszeitraum, wie das Deutsche Patent- und Markenamt mitteilte. Deutschland bleibt also weiter ein Land der Tüftler.

Von Catherine Simon, dpa/koe



insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
globalundnichtanders 26.10.2016
1. Como der Wunderbaustein...
Sieht auf dem Photo exakt so aus wie die Duplo-Bausteine meiner Tochter... Ist da ein Patent ausgelaufen? Was daran soll eine Erfindung sein?
erzengel1987 26.10.2016
2. Como
Bei Como wo ist der Unterschied zu Legosteinen? Mit Lego lassen sich bereits jetzt eine vielzahl von Geräten nachbauen, die sogar recht komplexe mechaniken beinhalten können. Wo ist da also die Neuheit? Bei der Drohne mit Heizung naja... auch nicht der große Hit und der Propeller wird so niemals verkauft werden können.
Hamberliner 26.10.2016
3. Erfinden gern, aber bitte ohne Telefonterror-Angriffe auf Unis.
Solchen erfreulichen Tatendrang sollte man nicht bremsen, allerdings muss das auf Gegenseitigkeit beruhen. Manche Erfinder scheinen zu glauben, Wissenschaftler an technischen Unis hätten nichts zu tun, würden sich langweilen, und hätten - da steuerfinanziert - die Pflicht, jeden Telefonterror von Erfindern über sich ergehen zu lassen, um kostenlos und dringend und sofort stundenlang zu beraten und um dilettantisches Gebastel zu zertifizieren, welches mit handschriftlichem Gekrakel eingereicht wird das als Literaturquellen z.B. "Peter Moosleitners Interessantes Magazin" zitiert.Erfinder sind kreative Laien, und manchmal besonders kreativ darin, Fachleute bei der Arbeit zu stören. Übrigens, dieser Motorradhelm-Putzpropeller überzeugt mich nicht. Eine Motorradbrille mit zwei Schleuderscheiben (http://www.wikiwand.com/en/Clear_view_screen) als Brillengläser würde ich vorziehen.
BerndBrot 26.10.2016
4. zu Como
Das ist ein Zusatzstein FÜR Lego (bzw. Duplo)-Steine. Also nicht das was er links in der Hand hält, sondern nur das rechte Teil. Das ist ein Stein bei dem man von allen Seiten andere Duplosteine anbauen kann.
Wilkzuujening 26.10.2016
5. Naja
Also der Baustein ist ja wohl ein schlechter Scherz. Sieht mir verdächtig nach Lego aus, von Innovation kann hier also nun wirklich nicht die Rede sein. Und die riesige Drohne mit Heizung... Naja, ein Akku ist auch recht warm und man kann teure Drohnen damit bereits bei niedrigen Temperaturen fliegen...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.