Erfolgreicher Neustart Teilchenbeschleuniger lässt Protonen kollidieren

Beim Neustart des weltgrößten Teilchenbeschleunigers LHC haben Forscher einen wichtigen Schritt geschafft: Tief unter der Erde im schweizerisch-französischen Grenzgebiet konnten sie die ersten Zusammenstöße von Protonen nachweisen. Doch vieles bleibt noch zu tun.

Feiernde Forscher am Cern: "Es gibt noch eine Menge zu tun."
dpa

Feiernde Forscher am Cern: "Es gibt noch eine Menge zu tun."


Genf - Am Montagnachmittag war es soweit: Die Forscher am europäischen Teilchenforschungszentrum Cern konnten die ersten Kollisionen von Protonen im wieder angefahrenen Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) nachweisen. "Es ist eine große Leistung, dass wir innerhalb kurzer Zeit so weit gekommen sind", jubelte der aus Deutschland stammende Cern-Chef Rolf Heuer. "Aber wir dürfen die Perspektive nicht aus dem Blick verlieren. Es gibt noch eine Menge zu tun, bevor wir das Physik-Forschungsprogramm des LHC starten können."

Der LHC war vor einigen Tagen nach monatelangen Reparaturen wieder angeworfen worden: Durch die größte Forschungsmaschine der Welt zirkulierte wieder der erste Teilchenstrahl. Am Montag wurden zwei Strahlen in dem 27 Kilometer langen Ringbeschleuniger überkreuzt, zunächst an den Detektoren "Atlas" und "CMS", später auch an den etwas kleineren Geräten "Alice" und "LHCb". Die Forscher reagierten mit Erleichterung. Am "Alice"-Detektor etwa habe es spontane Freudenausbrüche gegeben, berichtet Forscher Jürgen Schukraft.

In den kommenden Tagen soll die Energie der Teilchenstrahlen schrittweise erhöht werden, außerdem sollen die Protonen noch schneller werden. Erst im nächsten Jahr sollen die Protonen dann mit 3500 Gigaelektronenvolt kreisen. Das entspricht der 3,5-fachen Energie, die der bislang größte Teilchenbeschleuniger im Fermilab bei Chicago aufbieten konnte. In der maximalen Stärke sind am LHC dann sogar 7000 Gigaelektronenvolt möglich.

Auf der Spur des Urknalls

Beim Zusammenstoß der schnellen Teilchen entstehen Bedingungen, unter denen die Forscher auf neue Entdeckungen hoffen. Mit der rund drei Milliarden Euro teuren Anlage wollen die Physiker dem Urknall so nahe kommen wie nie zuvor und fundamentale Rätsel der Natur lösen. "Wir werden wahrscheinlich schon im nächsten Jahr etwas Großartiges entdecken", sagte die Cern-Expertin Fabiola Gianotti.

Den Forschern geht es vor allem um ein bislang nur theoretisch bestimmbares Teilchen der Elementarphysik, das Higgs-Boson. Es soll anderen subatomaren Teilchen Masse verleihen - und damit allen Dingen im Universum. Nachgewiesen wurde das Teilchen allerdings bisher noch nicht.

Der LHC war am 10. September 2008 mit einem Bilderbuchstart in Betrieb gegangen, neun Tage später jedoch legte eine schwere Panne im Kühlsystem den unterirdischen Beschleuniger lahm. Zur offiziellen Eröffnung im Oktober vergangenen Jahres war die Anlage abgeschaltet. Die Reparaturarbeiten dauerten länger als zunächst erwartet. Erst nach mehr als einem Jahr wurde die Maschine nun wieder in Betrieb genommen.

chs/dpa/AP



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