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Erlogen und gedruckt: Verlage ziehen Nonsens-Fachartikel zurück

Es ist Schabernack mit ernstem Hintergrund: Forscher ließen ein Computerprogramm sinnlose Artikel schreiben, die es zu Dutzenden in Fachmagazine schafften. Jetzt haben zwei Verlage angekündigt, mehr als 120 Nonsens-Beiträge aus ihren Archiven zu entfernen.

Man nehme Fachchinesisch, einen Computer und eine Software - fertig ist der wissenschaftliche Beitrag. Dass man es auf diese Art sogar zum Referenten auf einer Forschungstagung bringen kann, haben Studenten schon 2005 bewiesen. Doch das war längst nicht alles: Dutzende solcher Nonsens-Artikel wurden über die Jahre anlässlich von Fachtagungen veröffentlicht - was einiges aussagt über die Kontrollen bei den beteiligten Verlagen.

Jetzt hat der Wissenschaftsverlag Springer angekündigt, 16 dieser Artikel aus seinen Archiven zu löschen. Sie würden "so schnell wie möglich" entfernt, teilte der Verlag am Donnerstag mit. In Zukunft solle so etwas nicht wieder passieren, man prüfe die Abläufe.

Erstellt wurden die Artikel mit dem Computerprogramm SCIgen, das 2005 von Wissenschaftlern des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt worden war. Das Programm setzt willkürlich Fachbegriffe oder Textbausteine aneinander, fügt Grafiken ein und erfindet Quellenangaben. Heraus kommen Artikel, die zwar auf den ersten Blick echt erscheinen, aber völlig sinnlos sind.

In der Folge beschäftigten sich Informatiker mit Software, die dagegen angeht. Der französische Informatiker Cyril Labbé von der Universität Grenoble hat nicht nur die 16 Nonsens-Artikel in Springer-Publikationen zu Informatik und Ingenieurswissenschaften aufgespürt. Laut dem Fachmagazin "Nature" hat er auch mehr als hundert solcher Beiträge in Publikationen des in New York ansässigen Institute of Electrical and Electronic Engineers (IEEE) gefunden. Sie stammten aus der Zeit zwischen 2008 und 2013. In einigen Fällen sei das Vorwort des computergenerierten Artikels per Hand nachgebessert worden, um authentischer zu erscheinen, sagt Labbé.

Der Informatiker selbst hatte das frei verfügbare SCIgen genutzt, um 102 Artikel eines von ihm frei erfundenen Wissenschaftlers zu verfassen und in der Wissenschaftsdatenbank Google Scholar zu veröffentlichen. Der von ihm erfundene "Ike Antkare" stand dort zeitweise auf Platz 21 der meistzitierten Autoren. Albert Einstein belegte zu dem Zeitpunkt nur den 36. Platz.

isa/AFP

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