Erneuerbare Energien: 25.000 Wassermühlen klappern für sauberen Strom

Von Nils-Viktor Sorge

Ein norddeutscher Ingenieur verhilft einer fast vergessenen Technologie zum Comeback: der Wassermühle. Mit Tausenden solcher Anlagen will er künftig Strom produzieren. Die ersten Räder laufen bereits - und die Fachwelt räumt dem Projekt gute Chancen ein.

Illustration des Wasserrads der Zukunft: elektrische statt mechanische Energie Zur Großansicht
wasserrad-drews.de

Illustration des Wasserrads der Zukunft: elektrische statt mechanische Energie

Hamburg - Wenn Hartmuth Drews an einem alten Haus mit klappriger Wassermühle vorbeikommt, weckt das bei ihm weniger romantische Gefühle, als seinen Unternehmergeist. "Im Idealfall muss nur das Fundament repariert und ein neues Rad reingehängt werden, dann kann es losgehen", sagt der hochgewachsene Ingenieur aus Pinneberg bei Hamburg.

Drews hat eine neue Art von Wassermühle erfunden, die den Wandel der Energieversorgung beschleunigen könnte. Anders als die historischen Vorbilder aus Holz erzeugen seine Räder mit Hilfe eines Generators statt mechanischer Energie elektrischen Strom. Dieser lässt sich entweder vor Ort einsetzen oder zu im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten Vergütungssätzen in das Stromnetz einspeisen.

Etwa 25.000 Standorte eignen sich laut Drews allein in Deutschland für diese Form der Stromerzeugung. Setzt sich die Technik durch, könnte neben Windkraft und Solarenergie schon bald ein weiterer Baustein einer Energieversorgung entstehen, die nicht auf Großkraftwerke, sondern dezentrale Produktionsstandorte gegründet ist.

"Überzeugt", dass das Wasserrad "einen wichtigen Beitrag zur Energieerzeugung leisten kann", zeigt sich bereits das Bundeswirtschaftsministerium. Es zeichnete Drews jüngst mit einem Erfinderpreis aus und fördert die weitere technologische Entwicklung.

Der Clou der modernen Wassermühlen ist ihre Flexibilität. So wie das Metallarmband einer Uhr je nach Umfang des Handgelenks ein paar Glieder mehr oder weniger lang ist, lässt sich das Rad aus jeweils so vielen Edelstahlelementen zusammenbauen, wie es die individuellen Lage im Fluss erfordert. Komplette Einzelanfertigungen sind damit nicht mehr nötig.

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