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Erneuerbare Energien: Norwegen will Europas Akku werden

Aus Ny-Ålesund berichtet

Deutscher Ökostrom: Einmal Norwegen und zurück Fotos
REUTERS

Wind- und Solarstrom sind chronisch unzuverlässig. Energiemanager suchen deshalb nach Speichern, die sie in dunklen und windstillen Zeiten anzapfen können. Ein norwegischer Konzern will Wasserkraftwerke im Norden zur Batterie für den ganzen Kontinent machen.

Für Christian Rynning-Tønnesen kommt erst das Staunen und dann der Schauder. Wer wie der Chef des norwegischen Stromkonzerns Statkraft vom arktischen Forschungsstützpunkt Ny-Ålesund mit der winzigen roten Seilbahn auf den nahen Zeppelinberg zuckelt, der hat zunächst nur Augen für die atemberaubende Landschaft auf Spitzbergen: Überall strahlt es weiß; zwischen schneebedeckten Berggipfeln schiebt sich ein Gletscher neben dem anderen in den Kongsfjord. Tief unten liegen Forschungsstationen wie Kinderspielzeug.

Die Bahn endet in einem Holzhaus, gut 470 Meter über dem Fjord. Rynning-Tønnesen nimmt am Ny-Ålesund Symposium teil, das Wissenschaftler, Politiker und Manager zur Diskussion über umweltfreundliche Technologien zusammenbringt. Auf dem Zeppelinberg will sich der Energiemanager erklären lassen, wie Forscher Kohlendioxid und andere Treibhausgase in der Atmosphäre messen.

Und hier kommt die Sache mit dem Schauder ins Spiel.

Denn in der Station, die Teil eines weltweiten Netzwerks ist, lässt sich mit beängstigender Klarheit erkennen, wie sehr die Menschheit dem Planeten inzwischen einheizt. "Wir liegen bereits weit oberhalb der natürlichen Variation von CO2 in der Atmosphäre", erklärt Gastgeberin Nalân Koç, Forschungsdirektorin des Norwegischen Polarinstituts.

Eiskerne aus Grönland und der Antarktis belegten, dass die CO2-Konzentration der Atmosphäre in den letzten 800.000 Jahren zwischen 180 und 280 ppm (parts per million, ein Molekül CO2 auf eine Million Moleküle Luft) geschwankt habe. Doch aktuell zeigen die Geräte auf dem Zeppelinberg bereits Messwerte von 400 ppm an.

Im Winter liegt die CO2-Konzentration traditionell höher, weil weniger Pflanzen wachsen. Im Sommer sinkt der Wert dann wieder. Doch das jährliche Wechselspiel ist längst aus dem Lot - und die Menge des Treibhausgases in der Atmosphäre legt immer schneller zu: "Aus einem Anstieg von einem ppm pro Jahr noch vor ein paar Jahren sind aktuell schon drei ppm pro Jahr geworden", sagt Koç. "Mir war nicht klar, wie schnell sich der Anstieg beschleunigt", gesteht Rynning-Tønnesen ein.

Strom aus Deutschland bewegt Wasser in Norwegen

Andererseits kann sich der Manager keine bessere Werbung wünschen als die Kurven der Wissenschaftler. Norwegen im Allgemeinen und Statkraft im Besonderen erzeugen Strom beinahe komplett durch Wasserkraftwerke - also ohne nennenswerte CO2-Emissionen. Doch geht es nach Rynning-Tønnesen, dann sollen auch Deutschland und andere europäische Staaten mit Hilfe dieser Anlagen ihre Stromerzeugung umweltfreundlicher gestalten.

Es geht darum, chronisch wankelmütigen Energieträgern wie Wind und Sonnenkraft mehr Verlässlichkeit zu geben. Dem Statkraft-Boss schwebt nicht weniger vor, als Norwegens Wasserkraftwerke zum Akku des Kontinents zu machen. Das ist technisch durchaus möglich, weil die Anlagen zum größten Teil Pumpspeicherkraftwerke sind. Und darin lässt sich Strom einfach puffern: Mit überschüssiger Energie - zum Beispiel aus Deutschland - wird Wasser vom unteren in das obere Becken gepumpt.

Stromspitzen an besonders windigen oder sonnigen Tagen, die sonst das deutsche Netz destabilisieren würden, könnten so sinnvoll genutzt werden. Die Turbinen brauchen gerade einmal drei Minuten, um aus dem Stillstand auf Volllast hochzufahren. Bei Energiemangel im Süden rauscht dann das Wasser wieder in die unteren Becken zurück - mit bis zu 1000 Metern Höhenunterschied.

Generatoren erzeugen Strom, der zurück nach Deutschland fließen kann: "Das ist einer der effizientesten Wege, um Energie zu speichern", wirbt Rynning-Tønnesen. Zwar gehen rund 20 Prozent des Stroms auf der Hin- und Rückreise verloren, doch alternative Puffertechniken wie Wasserstoff- und Erdgaserzeugung aus Windkraft oder Druckluftspeicher seien noch unattraktiver, sagt der Statkraft-Chef.

Gleichzeitig werde Deutschland in den kommenden Jahren Probleme haben, sein Stromnetz stabil zu halten - wenn neben den verbliebenen Atommeilern auch alte Kohle- und Gaskraftwerke vom Netz gehen, die jetzt noch für einen Ausgleich sorgen können. Hier wollen die Norweger einspringen: "Wir müssen dafür noch nicht einmal neue Talsperren bauen", wirbt Rynning-Tønnesen. Stattdessen will er bestehende Werke mit neuen Generatoren ausrüsten. Mit 200 bis 300 zusätzlichen Anlagen ließen sich aus Sicht des Firmenchefs kurzfristig Leistungsspitzen von 25.000 Megawatt aus Deutschland und anderen europäischen Ländern in Norwegens Stauseen zwischenspeichern. Das wäre ein Drittel der durchschnittlich im deutschen Netz abgerufenen Leistung.

Doch längst nicht jeder Norweger teilt diesen Enthusiasmus - vor allem, weil zahlreiche neue Freileitungen gebaut werden müssten. Das Netz im Süden des Landes ist aktuell noch nicht fit für den Anschluss an eine Nordsee-Stromautobahn. Neue Masten verstören viele Anwohner, am Hardangerfjord hat es bereits Proteste gegeben. Und auch in Deutschland müssten neue Stromleitungen her - ebenfalls kein einfaches Unterfangen.

Damit aus der kühnen Vision Wirklichkeit werden kann, fehlen außerdem noch die Verbindungen über die Nordsee. Etwa ein Dutzend von ihnen wären nötig, um Rynning-Tønnesens ambitionierten 25.000-Megawatt-Plan wahr zu machen, sagt der Manager. Deutsche Energieunternehmen nennen sogar noch höhere Zahlen. Doch nur an einem einzigen Kabel wird derzeit gearbeitet.

Ambitioniert, aber machbar

Mit dem 1,4-Milliarden-Euro-Projekt "NorGer" plant der norwegische Konzern Statnett eine knapp 600 Kilometer lange Hochspannungsleitung am Meeresgrund. Das Gleichstromkabel soll irgendwann ab dem Jahr 2018 rund 1.400 Megawatt zwischen Norwegens Südküste und Niedersachsen transportieren können. "NorGer kann kommen", beteuerte Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) in der vergangenen Woche. Sein Land habe die notwendigen Voraussetzungen geschaffen: "Das Genehmigungsverfahren ist weit fortgeschritten."

Doch es bleiben noch viele Unwägbarkeiten: Gestritten wird zum Beispiel darum, wo genau das in der Nordsee vergrabene Kabel an das deutsche Hochspannungsnetz angebunden wird. Die Station muss den Gleichstrom aus dem Kabel in den Wechselstrom umwandeln, der an Land genutzt wird. In der Diskussion ist neben einem Neubau bei der Gemeinde Moorriem ein Standort auf dem Gelände des vom Netz gegangenen Atomkraftwerks Unterweser.

Auch wer für die Kabel zahlt, ist noch nicht klar. Bei Statkraft schließt man aber nicht aus, dass man sich an einem Konsortium beteiligen oder bestimmte Mengen an Leitungskapazität verbindlich einkaufen könnte. Selbst bauen darf man die Leitung aus regulatorischen Gründen nicht.

Neben Deutschland interessieren sich auch andere europäische Staaten für den Akku im Norden. Die Niederlande haben über das Kabel "NorNed" seit 2008 eine Verbindung zum norwegischen Netz. Die Dänen sind sogar mit mehreren Leitungen ("Cross-Skagerrak") mit den Nachbarn im Norden verbunden. England ("HVDC Norway-Great Britain"), Schottland ("NorthConnect") und seit Kurzem sogar Island denken über Kabelprojekte nach. Briten und Holländer sind wiederum mit dem brandneuen "BritNed"-Strang verbunden.

Rynning-Tønnesen gibt sich optimistisch, dass noch weit mehr Stromautobahnen im Meer dazukommen: "Wir haben auch ein Gaspipeline-System aufgebaut, das heute ein Viertel des Erdgases in Deutschland liefert. Es ist nicht unmöglich, dass wir so etwas auch für den Strom schaffen."

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1.
Robert_Rostock 24.05.2012
Zitat von sysopDPAWind- und Solarstrom sind chronisch unzuverlässig. Energiemanager suchen deshalb nach Speichern, die sie in dunklen und windstillen Zeiten anzapfen können. Ein norwegischer Konzern will Wasserkraftwerke im Norden zur Batterie für den ganzen Kontinent machen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,834472,00.html
Diese Aussage wage ich zu bezweifeln. Die norwegischen Wasserkraftwerke sind zum allergrößten Teil normale Laufwasserkraftwerke. Aus einem Papier des Bundeswirtschaftsministeriums: (http://www.exportinitiative.bmwi.de/EEE/Redaktion/Events/2011/Geschaeftsreisen/Downloads/2011-AHK-Gesch_C3_A4ftsreise-Norwegen-factsheet,property=pdf,bereich=eee,sprache=de,rwb=true.pdf) "In Norwegen befinden sich lediglich einige wenige Pumpspeicherkraftwerke in Betrieb. Das größte befindet sich in Saurdal in Rogaland. Die Leistung liegt bei 640 MW." Somit ist diese Kernaussage des Artikels hinfällig.
2.
atlwm 24.05.2012
Zitat von sysopDPAWind- und Solarstrom sind chronisch unzuverlässig. Energiemanager suchen deshalb nach Speichern, die sie in dunklen und windstillen Zeiten anzapfen können. Ein norwegischer Konzern will Wasserkraftwerke im Norden zur Batterie für den ganzen Kontinent machen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,834472,00.html
Wieso sind Wind und Sonne unzuverlässig???!!! Die Sonne schein jeden Tag und irgendwo in Deutschland gibt es auch genug Wind. Es fehlen nur noch Verbindungsleitungen.
3.
Robert_Rostock 24.05.2012
Zitat von atlwmWieso sind Wind und Sonne unzuverlässig???!!! Die Sonne schein jeden Tag und irgendwo in Deutschland gibt es auch genug Wind. Es fehlen nur noch Verbindungsleitungen.
Also, erstmal scheint die Sonne nur in der Zeit zwischen Sonnenauf- und Untergang. Und das sind im Dezember nur knapp 8 Stunden. Bleiben da also 16 Stunden ohne Sonne. Außerdem gab es durchaus schon Orte in Deutschland, an denen eine monatliche Sonnenscheindauer von 0 (null) Stunden gemessen wurde. Und was den Wind angeht: Wenn mitten über Deutschland ein starkes Hoch- oder Tiefdruckgebiet liegt, dann weht auch kein Wind.
4.
spiritof81 24.05.2012
Zitat von atlwmWieso sind Wind und Sonne unzuverlässig???!!! Die Sonne schein jeden Tag und irgendwo in Deutschland gibt es auch genug Wind. Es fehlen nur noch Verbindungsleitungen.
Weil es an der Konstanz mangelt. Mal weht der Wind stärker, mal schwächer. Mal scheint in Gesamtdeutschland (z.B. bei ausgeprägten Hochdruckwetterlagen im Sommer) die Sonne intensiver, mal weniger. Richtig schlecht kann es z.B. bei Hochdruckwetterlagen im Spätherbst laufen, wenn weder Wind weht, noch durch Hochnebel die Sonne durchdringt. Dass Verbindungsleitungen fehlen, ist zwar richtig, aber es fehlen eben auch Speicherkapazitäten. Es wurde also mit dem extrem subventionierten Ausbau der erneuerbaren Energien der 3. Schritt vor dem 1. gemacht.
5. Aha,
eisbaerchen 24.05.2012
sicher netter Gedanke, und wie verkaufen wir das am besten?? Zitat: "Andererseits kann sich der Manager keine bessere Werbung wünschen als die Kurven der Wissenschaftler". Mit steigenden CO2 Werten (natürlich Winterwerte, damit es dramatischer klingt) , und wir reden auch nicht über die Wirkung, sondern nur über den Messwert....so wie ich einem Kind erkläre dass eine Herdplatte 300 Grad hat, es aber nicht weiss was es praktisch bedeutet...). Leute argumentiert doch endlich mal damit dass die fossilen Energievorräte zu Ende gehen und wir DESHALB echte Alternativen (ohne wieder auf Nuklearenergie zu setzten) brauchen, und nicht ständig mit dem CO2 Gehalt der Atmosphäre...das ist doch allmählich langweilig...und zudem immer noch mit zu vielen Fragezeichen versehen.
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Pumpspeicher-Kraftwerke

Batterien, Spulen, Schwungräder, Druckluftspeicher - es gibt viele Möglichkeiten, Strom zu speichern, um die Erzeugung und den Verbrauch ins Gleichgewicht zu bringen.

Pumpspeicher-Kraftwerke haben einen niedrigeren Wirkungsgrad als andere Technologien. Das heißt: Sie können nur einen vergleichsweise geringen Prozentsatz der eingesetzten Energie wieder in das Netz zurückgeben.

Dennoch gibt es bislang keine Alternative zu den Pumpspeicher-Kraftwerken: Alle anderen Technologien sind entweder viel zu teuer, noch nicht ausgereift oder können nur kleine Mengen an Energie speichern.

Fotostrecke
Erneuerbare Energien: Das Milliardenprojekt im Schwarzwald

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.

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