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Erster internationaler Flug: Solarflugzeug fliegt von der Schweiz nach Belgien

Allein mit der Energie der Sonne: Das Solarflugzeug "Solar Impulse" hat nach seinem Start im schweizerischen Payerne in 13 Stunden die belgische Hauptstadt Brüssel erreicht. Dabei war es mit 70 Stundenkilometern kaum schneller als eine Vespa.

"Solar Impulse" beim Landeanflug auf Brüssel: Spannbreite wie eine Boeing 777 Zur Großansicht
DPA

"Solar Impulse" beim Landeanflug auf Brüssel: Spannbreite wie eine Boeing 777

Brüssel - "Das ist klasse", sagte der Flugzeugentwickler Bertrand Piccard nach der Landung der "Solar Impulse" in Brüssel. "Mit diesem Flug wollen wir die politischen Entscheidungsträger ermutigen, eine ehrgeizigere Energiepolitik zu betreiben", es sei "verrückt", dass die Menschheit pro Stunde eine Milliarde Tonnen Erdöl verbrauche.

Das vom Schweizer Abenteurer Piccard entwickelte Solarflugzeug "Solar Impulse" hatte am Freitagabend nach seinem ersten internationalen Flug auf dem Brüsseler Flughafen Zaventem sicher aufgesetzt. Mehrere hundert Schaulustige, darunter auch der belgische Kronprinz Philippe, wurden Zeugen des Ereignisses.

Der Flieger, der ausschließlich mit Sonnenenergie betrieben wird, war am Morgen mit seinem Piloten André Borschberg vom Schweizer Militärflughafen Payerne gestartet und kam genau 13 Stunden später in der belgischen Hauptstadt an. Laut Borschberg verlief der Flug problemlos.

Die einsitzige "Solar Impulse HB-SIA" hat mit 64 Metern die Spannweite einer Boeing 777 und ist mit 12.000 Solarzellen bestückt. Sie wird von vier Elektromotoren angetrieben. Da das Flugzeug mit einer Geschwindigkeit von nur 70 Stundenkilometern sehr langsam ist und die Aufwinde nicht zu stark sein durften, war die Landung in die Abendstunden gelegt worden.

Die Maschine wird nun bis zum 29. Mai in Brüssel zu besichtigen sein und fliegt dann weiter zur Pariser Luftfahrtschau. Die "Solar Impulse" hatte vergangenen Sommer schon einmal Geschichte geschrieben, als sie als erstes bemanntes Flugzeug, das nur durch Sonnenenergie betrieben wird, einen Tag und eine Nacht ununterbrochen flog. Der damalige Rekordflug in der Schweiz dauerte insgesamt 26 Stunden.

lgr/AFP/dapd/dpa-AFX

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Lahme Ente
dr.klugscheisser 14.05.2011
Jetzt wird wieder gelacht werden: "70km/h, haha, das dauert dann 4 Tage nach New York". Genau Herrschaften. Stellt euch einfach mal eine Zukunft ohne Öl vor... Weil ihr das ganze Zeug bei 140 km/h auf der Autobahn verbraten habt. Und Fusionsreaktoren einfach nicht laufen wollen... Und? Es ist ganz einfach. Wer heute mit Cayenne und 180 über die Autobahn ballert, der muss eben später mit 70 in die USA fliegen. Its so simple. Oder nicht? Klar! Die einen werden auch später noch Cayenne und A380 fahren/fliegen. Es werden nur halt ganz viele das alles nicht mehr tun können. Energie sparen und ersetzen ist ein soziales Unternehmen. Die Reichen können sich immer alles leisten.
2. Der Vergleich hinkt
genesys, 14.05.2011
Der Vergleich hinkt, denn 70 km/h in der Luft sind bei Windstille viel mehr als 100 km/h am Boden. Schliesslich kann der Flieger zumindest in unregulierten Flugzonen den direkten Weg nehmen. Innovationen fangen meistens "klein" an, das war bei den "klassischen" Motorfliegern auch nicht anders. Vom Doppeldecker zum A380 hat es keine 100 Jahre gedauert. Also: Hut ab vor der tollen Leistung ! Davon abgesehen: Elektromotoren sind schwer und Lithium-Akkus brauchen viel Platz. Um sie mittels Solarzellen zu laden, braucht man viel Fläche. Da scheint mir doch ein anderes Flugkonzept viel geeigneter zu sein als der Flächenflieger: Der gute alte Zeppelin ! Das war noch wirklich stilvolles Reisen.
3. °
Satiro, 14.05.2011
Zitat von sysopAllein mit der Energie der Sonne: Das Solarflugzeug "Solar Impulse" hat nach seinem Start im schweizerischen Payerne in 13 Stunden die belgische Hauptstadt Brüssel erreicht. Dabei war es mit 70 Stundenkilometern kaum schneller als eine Vespa. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,762514,00.html
Vom technischen Standpunkt gesehen:Ziemlich idiotisch solch ein Flugzeug zu entwickeln, aber schlauer PR- Gag für EE speziell für PV- Zellen ( gesponsert von Solarworld ??) Keronsin aus nachwachsenden Rohstoffen könnte man dagegen wohl nur riechen :-)
4. es gibt sie also noch
fritz_64 14.05.2011
Pioniere der Luftfahrt. Tolle Leistung, und wenn sich vielleicht Airbus oder Boing dafür interessieren würden und anständig investieren kann doch daraus was werden. Charles Lindbergh flog vor 80 Jahren mit 172 km/h über den Atlantik...25 Jahre nach Kitty Hawk...also wer weiss was Solarflugzeuge in 25 Jahren von heute ab zu Leisten im Stande sind.
5. Der weltweite Ölverbrauch ...
JaguarCat 14.05.2011
... ist zum Glück "nur" eine halbe Milliarde Liter pro Stunde, nicht eine Milliarde Tonnen pro Stunde. Die weltweite Förderung beträgt knapp 4 Milliarden Tonnen pro Jahr. Rechnet man noch weitere fossile Energieträger hinzu (Gas, Kohle) kommt man wohl auf ca. 10 Milliarden Tonnen "Öl-Äquivalent". Dennoch: Öl ist endlich, und das werden wir im immer neuen Ölpreiswellen an der Tankstelle erleben. Je früher wir die teure Kröte "Umstellung auf erneuerbare Energien" schlucken, desto früher entkoppeln wir uns von den Knappheitskosten. Jag
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Fotostrecke
Grafikstrecke: Der weltweite Solarmarkt

Eckpunkte der Solarförderung
Die Koalition hat sich auf ein Paket geeinigt, mit dem die Förderung von Solarstrom gekürzt werden soll - die Eckpunkte im Überblick (Stand: 22. Juli 2010)
Dachanlagen
Etwa 80 Prozent aller Solaranlagen in Deutschland sind auf Dächern installiert. Ihre Förderung zum 1. Juli um 13 Prozent sinken und zum 1. Oktober noch einmal um drei Prozent. Faktisch ist die Kürzung durch die höhere Förderung des Eigenverbrauchs allerdings weit niedriger.
Eigenverbrauch
Solarstrom, der selbst verbraucht wird, wird um acht Cent besser vergütet als ins Netz gespeister Strom - sobald die Jahres-Stromerzeugung 30 Prozent überschreitet. Die faktische Förderkürzung sinkt dadurch deutlich.

Betroffen sind fast alle Anlagen: Die Regelung gilt bis 500 Kilowatt. Eine durchschnittliche Dachanlage hat eine Leistung von fünf Kilowatt, das Fußballstadion Letzigrund in Zürich kommt auf 223 Kilowatt. Die Eigenverbrauchsförderung ist zunächst bis Ende 2011 befristet.
Ackerflächen
Die Förderung entfällt ab Juli 2010, um eine Konkurrenz zum Lebensmittelanbau zu verhindern.
Freiflächen
Die Kürzung für Solarparks soll ab dem 1. Juli um zwölf Prozent sinken und ab dem 1. Oktober um weitere drei Prozent.

Auf Konversionsflächen wie Mülldeponien, alten Industrie- oder Gewerbeflächen oder Militärgeländen ist die Kürzung geringer, da Investoren wegen der Beseitigung von Altlasten höhere Aufwendungen haben. Sie beträgt zum 1. Juli elf Prozent und zum 1. Oktober noch einmal drei Prozent.
Deckelung ab 2011
Ab Anfang 2011 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen - bei diesem würde die Förderung um weitere neun Prozent gekürzt. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um ein weiteres Prozent. Sprich: Ab 4500 Megwatt beträgt sie 10 Prozent, ab 5500 Megawatt 11 Prozent, etc. Bleibt der Zubau unter der Zielmarke von 3500 Megawatt, wird die Förderkürzung abgemildert. Sie kann damit 2011 zwischen 6 und 13 Prozent schwanken.
Deckelung ab 2012
Auch für 2012 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um drei Prozent. ssu
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Energie-Gadgets: Rucksack, Schiff, Solar-Gorilla

Prognosen: So viele Solaranlagen werden 2010 in Deutschland gebaut
Institut Funktion Prognose
iSuppli US-Marktforscher 6600 Megawatt
Oliver Wyman Unternehmens- beratung 6000-7000 Megawatt
Solarbuzz US-Marktforscher 8000 Megawatt
"Photon" Solar-Fachmagazin 8800 Megawatt
UBS Bank 10.000 Megawatt
Alle Prognosen stammen aus der ersten Jahreshälfte
Fotostrecke
Grafiken: Wie Öko- und Atomstrom konkurrieren

Was sind Solarschulden?
Der Preis
AP
Wer eine Solaranlage betreibt, darf seinen Strom unabhängig vom tatsächlichen Bedarf jederzeit ins Netz einspeisen. Die Vergütung wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt. Seit 1. Januar 2010 erhält man für Dachanlagen 29,37 bis 39,14 Cent pro Kilowattstunde, je nachdem, wie groß die Anlage ist.

Seit 1. Juli 2010 erhält man für Dachanlagen 25,55 bis 34,05 Cent pro Kilowattstunde, je nachdem, wie groß die Anlage ist. Ab 1. Oktober werden die Vergütungen auf 24,79 bis 33,03 Cent reduziert.

Zum Vergleich: Der Preis für konventionellen Strom schwankt an der Energiebörse zwischen fünf und acht Cent. Die Differenz, also die Mehrkosten, tragen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Die Laufzeit
Die Solarvergütung ist für 20 Jahre garantiert. Das heißt: Wer eine Anlage jetzt baut, dem ist ein bestimmter Fördersatz für die kommenden 20 Jahre sicher. Diese langfristigen Kosten werden als "Solarschulden" bezeichnet.
Die Kosten
Die Höhe der Solarschulden hängt von zwei Faktoren ab: vom Preis für konventionellen Strom und von der Gesamtzahl der installierten Solaranlagen.

Laut VZBV werden die Gesamtkosten, die in den nächsten 20 Jahren getilgt werden müssen, sich wahrscheinlich ab Ende 2010 auf mehr als 100 Milliarden Euro belaufen.
Der Schuldenberg
Bei den errechneten Solarschulden geht es nur um die bereits installierten Module. Jedes Jahr gehen jedoch weitere Solaranlagen ans Netz. Der Solarschuldenberg wächst also jedes Jahr weiter.

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