EU-Statistik Erneuerbare Energien legen kräftig zu

Die erneuerbaren Energien erringen immer größere Marktanteile in Europa. Nach einer neuen Statistik wurden im Jahr 2009 fast zwei Drittel der neuinstallierten Kapazitäten aus regenerativen Quellen gespeist. Ob der Trend anhält, ist allerdings völlig offen.

Windräder (in Frankreich): Die Windkraft verzeichnete 2009 die größten Zuwächse
AFP

Windräder (in Frankreich): Die Windkraft verzeichnete 2009 die größten Zuwächse


Brüssel/Berlin - Der Abschied von den fossilen Energieträgern Öl, Gas und Kohle macht Fortschritte. Laut einem Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission nutzten 62 Prozent der im vergangenen Jahr neuinstallierten Stromproduktionskapazitäten erneuerbare Energiequellen. Dennoch bleibt ein weiter Weg, bis fossile Energien gänzlich abgeschafft werden können: Sie deckten 2009 noch immer 80 Prozent des Strombedarfs der EU, der bei 3042 Terawattstunden lag.

Von den 608 Terawattstunden, die 2009 aus erneuerbaren Quellen verbraucht wurden, stammten knapp 12 Prozent aus der Wasserkraft, gefolgt von Windenergie (4,2 Prozent), Biomasse (3,5 Prozent) und Solarstrom (0,4 Prozent). Diese Anteile dürften sich allerdings in Zukunft verschieben: Von der Leistung von 27,5 Gigawatt, die 2009 neu installiert wurde, entfielen nur 1,4 Prozent auf die Wasserkraft. Den größten Sprung nach vorn machte die Windkraft mit einem Anteil von 37 Prozent. Gut ein Fünftel der neuaufgebauten Leistung kam aus der Photovoltaik, 2 Prozent aus der Biomasse und 0,4 Prozent aus der Solarthermie.

Allerdings entstanden auch neue Kraftwerke auf Basis fossiler Brennstoffe: 24 Prozent der neugeschaffenen Stromkapazitäten basieren auf Gas, knapp 9 Prozent auf Kohle und jeweils rund 2 Prozent auf Öl, Müllverbrennung und Atomkraft.

Die EU-Kommission blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Bei gleichbleibenden Wachstumsraten könnten im Jahr 2020 bis zu 1400 Terawattstunden aus erneuerbaren Energiequellen kommen, was mehr als das Doppelte des aktuellen Wertes wäre. Damit könnten dann voraussichtlich 35 bis 40 Prozent des gesamten Strombedarfs der EU gedeckt werden - je nachdem, wie erfolgreich die Länder ihre Pläne zur Erhöhung der Energieeffizienz umsetzen können.

Klima-Allianz wirft Berlin Tricksereien vor

Genau das aber ist ein politisch brisantes Thema. So hat jetzt ein Zusammenschluss aus mehr als hundert Umwelt-, Verbraucherschutz- und Entwicklungshilfeorganisationen der Bundesregierung energiepolitische Tricksereien vorgeworfen. Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke seien bereits beschlossene Sache, obwohl das von der Regierung angekündigte Energiekonzept den Weg ins "regenerative Zeitalter" ebnen sollte.

"Die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung steht mehr denn je auf dem Spiel", sagte Christina Hering, Koordinatorin der Klima-Allianz, am Dienstag in Berlin. Die Koalition solle "dem breiten Wunsch der Bevölkerung nach einer Energiewende endlich Rechnung tragen und Entscheidungen nur auf Basis eines schlüssigen Konzepts und nicht aufgrund von Druck aus der Energiewirtschaft treffen", so Hering. "100 Prozent Erneuerbare bis 2050 sind machbar, wirtschaftlich, sozial und zukunftsfähig."

mbe/apn

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