Nach EU-Stresstest AKW-Nachrüstung abhängig von der Laufzeit

Der EU-weite Stresstest für Kernkraftwerke hat Sicherheitsmängel bei zwölf deutschen Meilern aufgedeckt. In welchem Umfang diese Atomkraftwerke nachgerüstet werden, hänge auch von ihrer Laufzeit ab, sagt Bundesumweltminister Peter Altmaier jetzt.

AKW Gundremmingen (Archivbild): "Haben mit dem Ausstiegsbeschluss Maßstäbe gesetzt"
DPA

AKW Gundremmingen (Archivbild): "Haben mit dem Ausstiegsbeschluss Maßstäbe gesetzt"


Berlin - Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will schrittweise auf den EU-Stresstest für Atomkraftwerke reagieren, der fast allen europäischen Kernkraftwerken Sicherheitsmängel bescheinigt. "Wir müssen die Vorlage des Berichts abwarten", sagte Altmaier am Dienstag im Deutschlandfunk. Dann müsse geschaut werden, welche Reaktoren betroffen seien.

Die Ergebnisse sollen nach Angaben der EU-Kommission am kommenden Mittwoch vom Kommissarskollegium besprochen werden. Vermutlich noch in dieser Woche werde der Bericht veröffentlicht. 134 Reaktoren sind laut Bericht in den Mitgliedstaaten an 68 Standorten am Netz. 47 dieser Standorte liegen in dicht besiedelten Gebieten mit über 100.000 Einwohnern in einem 30-Kilometer-Umkreis.

Altmaier sagte, der Umfang der Nachrüstung sei abhängig von der Laufzeit der Reaktoren. In Deutschland sollen ab 2015 weitere Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Acht sind bereits vom Netz, neun laufen noch. Es gebe aber beispielsweise Reaktoren in Frankreich, die "noch unbegrenzt und sehr lange am Netz bleiben werden".

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Stresstest: Atomkraftwerke europaweit im Sicherheitscheck
Club für erneuerbare Energien

"Wir haben mit dem Ausstiegsbeschluss in Deutschland Maßstäbe gesetzt, auch für Europa und weltweit", sagte Altmaier. Als nächsten Schritt müssten auch Länder, die heute noch auf Kernkraft setzen, den Vorteil erneuerbarer Energien erkennen. "Ich werde einen Club von Ländern initiieren, der sich der Durchsetzung der erneuerbaren Energien verschreibt", kündigte Altmaier an.

Der Bericht der EU-Kommission zum Abschluss des AKW-Stresstests stellt auch vielen deutschen Kernkraftwerken ein schlechtes Zeugnis aus. Besonders kritisiert werden von den aus Brüssel geschickten Kontrolleuren die Erdbebenwarnsysteme.

Mit dem EU-weiten Sicherheitscheck hatte Energiekommissar Günther Oettinger auf die Atomkatastrophe in Fukushima reagiert. Dort war durch ein Erdbeben und einen Tsunami im März 2011 die Stromversorgung der Kühlanlagen ausgefallen, was zur Kernschmelze in den Reaktoren, Explosionen und der Freisetzung von Radioaktivität in der Region geführt hatte.

wbr/dapd

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