F-35 "Lightning" Feuerprobe für den US-Tarnkappenjet

Mindestens eine Billion Dollar soll das Projekt kosten: Das Pentagon will 2400 F-35-Jets anschaffen. Bei einem Manöver muss das Kampfflugzeug nun zeigen, was es kann.

Lockheed Martin Corporation

Der "Joint Strike Fighter" soll das Rückgrat der amerikanischen Luftstreitkräfte werden. Ein paar Dutzend der F-35-Tarnkappenjets sind bereits gebaut und werden von der US-Luftwaffe getestet. Nun muss die Maschine ihre erste große Feuerprobe bestehen: Beim Manöver "Green Flag West" auf der Nellis Air Force Base in Nevada soll F-35 erstmals die Führung bei den inszenierten Luftkämpfen übernehmen.

Ein oder zwei Jets werden bei der bis zum 12. Juni laufenden Übung täglich im Einsatz sein, teilte die US Air Force mit. "Zum ersten Mal wird F-35 die Hauptrolle übernehmen", sagt Lieutenant Colonel Cameron Dadgar. Er leitet das Manöver auf dem weltgrößten Trainingsareal für Kampfpiloten, an dem 5000 Soldaten teilnehmen.

Insgesamt 2457 F-35-Kampfjets will das Pentagon in den kommenden Jahren anschaffen. Hersteller ist der Rüstungskonzern Lockheed Martin. Der Stückpreis liegt bei rund 160 Millionen US-Dollar, die gesamten Anschaffungskosten betragen damit rund 390 Milliarden Dollar. Inklusive der Ausgaben für Wartung und Betrieb summieren sich die Kosten bis zum Jahr 2065 auf etwa eine Billion US-Dollar. So zumindest lautet die derzeitige Kalkulation des Pentagon. Experten halten aber durchaus 1,5 Billionen Dollar für möglich.

Eingeschränkte Sicht

In den vergangenen Jahren war der Kampfjet vor allem wegen technischer Pannen und explodierender Kosten aufgefallen. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush hatte den "Joint Strike Fighter" einst zu einem seiner Lieblingsprojekte erklärt. Im Jahr 2006 lagen die kalkulierten Anschaffungskosten noch bei 256 Milliarden Dollar - heute sind es 52 Prozent mehr.

Fotostrecke

16  Bilder
Kampfjet F-35: Das teuerste Rüstungsprojekt aller Zeiten
Schon damals gab es Zweifel an den angeblich herausragenden Fähigkeiten des Jets. Das Pentagon musste selbst einräumen, dass die Tarnkappe nicht perfekt und die F-35 für feindliches Radar "sehr schwach" sichtbar sei.

Ein weiteres Problem ist die Sicht aus dem Cockpit. Sie ist schlechter als bei älteren Kampfflugzeugen wie der F-16 oder F-18. Bei Luftkampfmanövern sei es "nahezu unmöglich" zu sehen, was hinter einem passiere, beschwert sich ein Pilot. "Die Kopfstütze ist zu groß und wird die Überlebensfähigkeit bei der Bekämpfung von Boden- und Luftzielen herabsetzen", sagt ein anderer.

Probleme mit dem Antrieb

Schwierigkeiten bereitete auch immer wieder das komplizierte Helmdisplay. Es ist Teil des 400.000 Dollar teuren Helms und projiziert wichtige Informationen ins Gesichtsfeld des Piloten. Der künstliche Horizont stimmte oft nicht mit dem echten überein, klagen Nutzer, das Display flackere oder falle gleich ganz aus. Das Bild sei verschwommen, zu hell, zu dunkel oder verzögert.

Zuletzt hatten auch der US-Rechnungshof und das Verteidigungsministerium über Probleme am Antrieb der F-35 berichtet. Die Maschine genüge in vielen Punkten nicht den technischen Anforderungen des Pentagon, heißt es in einem im April 2015 veröffentlichten Bericht. Das Gesamtsystem sei durch die Unzuverlässigkeit des Antriebs wenig verlässlich, konstatierten die Prüfer. Zusätzliche Zeit werde nötig sein, um die gewünschte Verlässlichkeit zu erreichen.

Der "Joint Strike Fighter" wird in drei Ausführungen hergestellt: als klassischer Kampfflieger (F-35 A), als Senkrechtstarter (F-35 B) und als Version für Flugzeugträger mit einklappbaren Tragflächenenden (F-35 C). Das Pentagon ist mit über 2400 Maschinen Hauptabnehmer der Jets. Außerdem wird er unter anderem nach Großbritannien, Italien und Australien geliefert. Auch Israel soll 35 der Tarnkappenjets bekommen.

hda



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.