Fessenheim Frankreichs Uralt-AKW bleibt am Netz

Die Stilllegung des ältesten französischen Reaktors Fessenheim Nahe der deutschen Grenze ist verschoben worden. Die Bundesregierung kritisiert eine entsprechende Entscheidung des AKW-Verwaltungsrates.

Atomkraftwerk in Fessenheim in Frankreich
DPA

Atomkraftwerk in Fessenheim in Frankreich


Der Stromkonzern EDF verschiebt den Antrag auf Stilllegung des Atomkraftwerks Fessenheim im Elsass. Der Verwaltungsrat des Staatskonzerns machte zwar grundsätzlich den Weg für einen solchen Antrag frei, wie es aus übereinstimmenden Quellen hieß. Dies dürfte aber frühestens im kommenden Jahr geschehen.

Damit kann die französische Regierung vorerst nicht wie geplant per Dekret die Stilllegung der zwei Reaktoren einleiten. Die Abschaltung von Fessenheim war ein Wahlkampfversprechen von Präsident François Hollande, der im Mai aus dem Amt scheidet.

Fessenheim ist das älteste noch laufende französische Atomkraftwerk. Die Pariser Regierung und EDF hatten sich im Januar auf eine Entschädigung von rund 490 Millionen Euro für die Kosten der Schließung geeinigt. Demnach soll Fessenheim stillgelegt werden, sobald ein neuer Reaktor in Flamanville am Ärmelkanal ans Netz geht. Der Europäische Druckwasserreaktor (EPR) soll nach langen Verzögerungen nun Ende 2018 fertig sein, als möglicher Termin für die Abschaltung vom AKW Fessenheim wird daher 2019 genannt.

Aus Deutschland kommt Kritik

Deutschland fordert wegen Sicherheitsbedenken schon länger die Schließung des Kraftwerks und bezeichnete die Entscheidung des EDF-Verwaltungsrats als "große Enttäuschung". "Damit wurde eine wichtige Chance vertan", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter. Die Hängepartie gehe weiter. Die Pariser Umweltministerin Ségolène Royal betonte aber, dass die Schließung unumkehrbar und unvermeidbar sei.

Die Grünen-Sprecherin für Atompolitik im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, sprach nach der Entscheidung des EDF-Verwaltungsrats von einem "Affront". "Offensichtlich ist die französische Atomlobby mächtiger als die Regierung selbst."

Le Pen will Reaktor am Netz lassen

Die geplante Schließung stößt in Frankreich schon lange auf heftigen Widerstand der Gewerkschaften. Zwar gehört EDF mehrheitlich dem Staat, laut französischen Medien enthielten sich dessen Vertreter im Verwaltungsrat bei der Fessenheim-Entscheidung aber wegen eines Interessenkonfliktes.

Im laufenden Präsidentschaftswahlkampf liegen die Haltungen der Kandidaten zu Fessenheim weit auseinander. Während der als Favorit gehandelte Sozialliberale Emmanuel Macron ebenfalls für die Schließung ist, sind die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der Konservative François Fillon dagegen.

koe/dpa/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 115 Beiträge
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gutmichl 06.04.2017
1. Deutschland hat nichts zu melden in Frankreich
Ein AKW direkt an der Grenze wird erst abgeschaltet, wenn das Ersatz-AKW in Betrieb geht. Selbst wenn dieser Wechsel erfolgen sollte, kann man das kaum als Erfolg sehen. Die Energiewende ist ein Irrweg, den Frankreich nicht bereits ist, zu folgen.
markusma 06.04.2017
2. Enegiewende ist Irrsinn?
Alles klar, traurig das es solche Leute mit solchen Einstellungen gibt...
herr_klaemmerle 06.04.2017
3. Irrweg
@1: Ihnen, Herr Gutmichl, und ihren gleichgesinntewn Freunden, die sicher gleich zahlreich hier einfallen werden, rate ich doch, endlich den ganzen Müll in ihrem eigenen Keller zu lagern und die Kosten für ihren tollen und billigen Strom bitte von ihren eigenen Kindern tragen zu lassen, nicht von meinen. Mein Gott, es gibt tatsächlich immer noch Trolle, die die Märchen der Atomindustrie noch glauben.
B!ld 06.04.2017
4. Frankreich, Belgien oder doch Asse?
Langsam können Wetten gestartet werden, wo in Europa die erste Sperrzone a'la Tschernobyl oder Fukushima entsteht. Das Thema ist heikel, aber offenbar nicht Ernst.
Ökofred 06.04.2017
5. was sollen uns diese Worte sagen...???
Zitat von gutmichlEin AKW direkt an der Grenze wird erst abgeschaltet, wenn das Ersatz-AKW in Betrieb geht. Selbst wenn dieser Wechsel erfolgen sollte, kann man das kaum als Erfolg sehen. Die Energiewende ist ein Irrweg, den Frankreich nicht bereits ist, zu folgen.
GIBT es denn ein ErsatzAKW? ... das wäre mir neu. Auch Frankreich will langfristig weg aus der Atomenergie... alles viel zu teuer. Erleuchten Sie uns, WO soll dieses Erstatz AKW sein??? Frankreich will den Atomanteil im Strommix auf 50% senken....
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