Video-Tipp Fields-Medaillist Bhargava erklärt seine Arbeit

Was machen Mathematiker eigentlich? Einen guten Eindruck davon liefert der Vortrag von Fields-Medaillist Manjul Bhargava auf dem Mathe-Kongress in Seoul, der nun als Video vorliegt. Laien werden nicht alles verstehen, doch Bhargava ist ein geduldiger Erklärer.

Mathematiker aus Leidenschaft: Fields-Preisträger Manjul Bhargava
SPIEGEL ONLINE

Mathematiker aus Leidenschaft: Fields-Preisträger Manjul Bhargava

Aus Seoul berichtet


Nur alle vier Jahre trifft sich die Mathematikergemeinde zu einem großen Kongress. Höhepunkt dabei ist stets die Verleihung der begehrten Fields-Medaillen, die als höchste Auszeichnungen des Faches gelten. Eine davon ging 2014 erstmals auch an eine Frau - und zwar an die Iranerin Maryam Mirzakhani.

Auf Hunderten Vorträgen diskutierten Forscher vom 13. bis 21. August ihre Arbeiten und neuen Lösungsansätze. Einer ragt dabei besonders heraus: Die einstündige Vorlesung des Fields-Medaillisten Manjul Bhargava, die selbst Laien zumindest in den ersten zehn, zwanzig Minuten gut verstehen dürften. Der Mathematiker aus Princeton profitiert dabei natürlich auch von seinem speziellen Arbeitsgebiet - der Zahlentheorie. Die Probleme an sich lassen sich meist noch gut beschreiben - die Methoden, mit denen sie gelöst werden, allerdings kaum mehr.

Bhargava interessiert sich für die Frage, wann ein Ausdruck wie x2 + ax + b eine Quadratzahl ergibt, wobei a, b, x ganze Zahlen sind und x frei gewählt werden kann. Er blickt zurück zu den Anfängen der Zahlentheorie und kommt dann über Fermat und das indische Rechengenie Ramanujan bei seinen eigenen Arbeiten an. Lassen Sie sich nicht abschrecken von Begriffen wie elliptische oder hyperelliptische Kurve. Was damit gemeint ist, erklärt Bhargava gut.

Das Video ist mehr als 90 Minuten lang und startet zunächst mit der Laudatio des Fields-Medaillisten. Der eigentliche Vortrag Bhargavas beginnt bei 27 min und 50 Sekunden. Eine kurze Zusammenfassung der Vorlesung mit zusätzlichen Erläuterungen finden Sie auf der Webseite des englischsprachigen "Plus"-Magazins.

Noch sind nicht alle Vorträge online - aber die Kongressveranstalter laden nach und nach immer mehr Videos hoch. Für Mathematiker interessant sein dürften die Vorträge der Fields-Medaillisten Martin Hairer und Artur Avilla und die Laudatio für Maryam Mirkazhani durch ihren Doktorvater Curtis McMullen. Sehenswert ist sicher auch die Vorlesung von John Milnor, der darin einen Überblick über die Entwicklung der Topologie gibt.

Doch diskutiert wurde in Seoul nicht nur anspruchsvolle Mathematik, sondern auch die Frage, wie man Mathe unterrichten soll und populärer machen kann. In einer Podiumsdiskussion ging es um die Frage, wie viel Mathematik die moderne Gesellschaft eigentlich braucht. Interessant dabei war die Erkenntnis, dass selbst im Pisa-Spitzenland Südkorea viele Schüler Angst vor Mathe und Physik haben. Leider noch nicht online ist der Vortrag des Berliner Professors Günter Ziegler mit dem Titel "Lehren und Lernen: Was ist Mathematik".

Alle Videos des International Congress of Mathematics 2014 finden Sie auf dieser Übersichtsseite.

insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zufriedener_single 22.08.2014
1. Tolle Links
Klasse! Das ist mal ein guter Artikel zur Mathematik. Nun bin ich auf die beschränkten Kommentare der Durchschnittsforisten gespannt. "Und wozu braucht man das alles?" ist noch eine der harmloseren Einschränkungen hier...
Phil2302 22.08.2014
2.
Vielen Dank dafür, dann bin ich mal gespannt, wie lange ich mit meinem (Lehramts-)Mathestudium mithalten kann. Wegen der Schule habe ich mich damals leider für Ebene Geometrie statt für Zahlentheorie entschieden. Und an die, die meinen man braucht das eh alles nicht: Bitte alles an Technik, die ohne höchste (!) Mathematik nicht möglich wäre, einen Tag mal liegen lassen. PC, Handy, Auto.
loma 22.08.2014
3. Interessant
auch der Vortrag von Candes (PL_03 vom Tag 2) (fuer diejenigen die Fragen wofuer das alles gut ist ;-))
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.