Baumängel Der Pannen-Reaktor von Flamanville

Eigentlich sollte der neue Atomreaktor im französischen Flamanville längst am Netz sein, nun verzögert sich die Inbetriebnahme - schon wieder. Die Kosten haben sich inzwischen verdreifacht, auf mehr als zehn Milliarden Euro.

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Wegen Baumängeln soll der neue französische Atomreaktor in Flamanville am Ärmelkanal ein Jahr später ans Netz gehen als zuletzt geplant. Das Ziel sei nun, den Brennstoff im letzten Quartal 2019 einzusetzen, teilte der Betreiber EDF am Mittwoch mit. Zuletzt war die Inbetriebnahme für Ende 2018 angepeilt worden. Zudem steigen die Gesamtkosten laut EDF um 400 Millionen Euro auf nun 10,9 Milliarden Euro.

Die Bauarbeiten an dem Reaktor laufen inzwischen seit mehr als zehn Jahren, der geplante Start hat sich seitdem mehrfach verzögert. Ursprünglich sollte der Reaktor bereits 2012 ans Netz gehen. Die geplanten Kosten haben sich gegenüber den ursprünglichen Plänen inzwischen mehr als verdreifacht. Ursprünglich sollte der Reaktor 3,3 Milliarden Euro kosten.

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Atomkraftwerk Flamanville: Der Pannen-Reaktor

Grund für die aktuellen Verzögerungen in Flamanville sind Mängel an Schweißnähten im sogenannten Sekundärkreislauf. Das ist einer der beiden Kühlkreisläufe des Reaktors. Das in ihm fließende Wasser ist im Gegensatz zum Primärkreislauf nicht radioaktiv. Rund ein Fünftel der 150 Schweißnähte weise "Qualitätsabweichungen" auf und würde repariert, teilte der Betreiber mit. 20 weitere Nähte würden neu verschweißt, weil sie den hohen Qualitätsansprüchen nicht genügten.

Die neuerliche Verzögerung könnte auch dafür sorgen, dass das umstrittene Kernkraftwerk Fessenheim in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze länger am Netz bleibt als bisher gedacht. Das älteste Atomkraftwerk Frankreichs sollte eigentlich noch in diesem Jahr außer Betrieb genommen werden.

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Nun rechnet EDF damit, dass Fessenheim noch mindestens bis zum kommenden Sommer laufen wird. Das Kraftwerk im Elsass soll nach bisherigen Plänen solange laufen, bis der Reaktor in Flamanville den Betrieb aufnimmt.

Die Bundesregierung dringt seit Langem auf die Schließung von Fessenheim, das als unsicher gilt. Auch in Frankreich wächst die Kritik an der unklaren Haltung der Regierung: Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss hatte vor einer Woche gerügt, dass es noch nicht mal einen "vorläufigen Terminkalender" für das Herunterfahren der ältesten Atomkraftwerke gebe, zu denen auch das im Elsass gehört.

"So bald wie möglich"

Auch nach einem Paris-Besuch von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gibt es weiter keinen festen Termin, wann das AKW abgeschaltet werden soll. Altmaier und der französische Umweltminister Nicolas Hulot erklärten nach einem Treffen am Donnerstag lediglich, das Kraftwerk nahe Freiburg im Breisgau solle "so bald wie möglich" geschlossen werden.

In Frankreich kommt es immer wieder zu Zwischenfällen in Atomkraftwerken. Das Land ist sehr stark vom Atomstrom abhängig: Die 58 Atomreaktoren liefern rund 75 Prozent des französischen Stroms. Ein 2015 verabschiedetes Energiewende-Gesetz sieht vor, dass dieser Anteil bis 2025 auf 50 Prozent gesenkt werden soll, unter anderem durch den Ausbau erneuerbarer Energien.

koe/dpa/AFP



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