Berlin - Die Reise des havarierten und mit Gefahrgut beladenen Containerschiffs "MSC Flaminia" ist zu Ende, 57 Tage nach einer Feuerkatastrophe an Bord. Gezogen von Schleppern legte es am Sonntag um 17.45 Uhr im Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven an. Das Manöver sei bei spiegelglatter See reibungslos verlaufen, teilte das Havariekommando mit. Im Hafen werden Arbeiter nun die teils völlig zerstörten Container bergen. In rund 150 der fast 3.000 Container an Bord der "Flaminia" wurde Gefahrgut transportiert
Die gesamte Fahrt durch deutsche Gewässer sei ab Samstagmorgen nach Plan verlaufen, sagte noch vor der Ankunft des Schiffes der Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven, Florian Krekel: "Die Wetterbedingungen sind ideal. Wir haben ruhige See und Sonnenschein." Fachleute hatten nach einer Inspektion an Bord Entwarnung für die Umwelt gegeben.
Die fast 300 Meter lange "Flaminia" ist nach einem Feuer und mehreren Explosionen stark beschädigt. Zum Unglück war es am 14. Juli auf der Fahrt von Charleston im US-Staat South Carolina nach Antwerpen auf dem Atlantik gekommen; ein Seemann starb, ein weiterer wird noch immer vermisst.
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 23 Menschen an Bord, neben fünf Deutschen auch Polen und Philippiner. Wegen der Container mit Gefahrgut an Bord verweigerten mehrere Länder - darunter Großbritannien, Frankreich und Spanien - der "Flaminia", in ihre Häfen einzulaufen.
Die Sprecherin der Reederei NSB aus Buxtehude, Bettina Wiebe, warnte am Samstag vor "hysterischen Reaktionen". Die Ladung sei vorschriftsgemäß gelagert gewesen. Zudem sei noch völlig unklar, wie es zu dem Brand gekommen sei und ob er durch einen gefährlichen Stoff ausgelöst worden sei.
Wie ein Schlepper dem Unglücksfrachter den Weg weist
Am Sonntagmorgen hatte der Havarist, gezogen von einem Schlepper, seine Fahrt zum Wilhelmshavener Jade-Weser-Port fortgesetzt. Je ein Lotse wurde per Hubschrauber auf der "Flaminia" und dem Schlepper "Fairmount Expedition" abgesetzt, um dem Schleppverband den Weg in den noch nicht eröffneten Tiefwasserhafen zu weisen.
Nachts hatten Schlepper das Schiff aus Sicherheitsgründen auf Warteposition vor Helgoland gehalten. Ein Team aus Chemikern und Schiffsbrandexperten hatte bis zum Samstagabend an Bord des Unglücksschiffs Proben genommen und die Dichtheit des Rumpfs überprüft. Die Fachleute gaben Entwarnung.
In Wilhelmshaven sollen Arbeiter die Ladung des Schiffes bergen. Für sie sei die Gefahr vergleichbar mit den Risiken, die es an jeder Großbrandstelle gebe, urteilten die Fachleute laut Havariekommando-Sprecher Krekel nach ihrer Inspektion an Bord. Erst nach der Bergung wird auch der Ausmaß des Schadens deutlich.
Die Havarie wird voraussichtlich weit mehr als zehn Millionen Euro Schaden nach sich ziehen, wie aus Schätzungen von Schiffsmaklern, Versicherungsexperten und Reedereimitarbeitern hervorgeht.
So richtig in Gang kommen wird in diesem Monat auch die Diskussion, wie in Europa mit havarierten Schiffen umgegangen werden soll. Der Vorsitzende der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, Björn Thümler, kündigte eine Initiative im Landtag an, die auf eine Reform der EU-Richtlinie über Nothäfen dringt. Thümler sagte: "Das Versagen liegt bei den europäischen Nachbarstaaten. Die haben sich in der Frage einen ziemlich schlanken Fuß gemacht."
otr/dapd/AFP/dpa
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