"Flaminia": Unglücksfrachter erreicht deutsche Gewässer

Der schwer beschädigte Frachter "Flaminia" mit 150 Gefahrgutcontainern steuert auf Helgoland zu. Monatelang weigerten sich europäische Häfen, das Unglücksschiff aufzunehmen, nun soll es in deutschen Gewässern untersucht werden. Anschließend soll das Gefahrgut in Wilhelmshaven geborgen werden.

"MSC Flaminia": Auf dem Weg nach Niedersachsen
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dapd/Havariekommando

Cuxhaven - Der im Atlantik havarierte Containerfrachter "Flaminia" hat deutsche Gewässer erreicht. Um 6.30 Uhr überquerte der mit 150 Gefahrgutcontainern beladene Havarist die Grenze zur sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszone. Das stark beschädigte Schiff wurde am Morgen weiter in Richtung Helgoland geschleppt, wie das Havariekommando in Cuxhaven berichtete. Westlich der Insel soll es für kurze Zeit stoppen, Experten wollen dann die Ladung der "Flaminia" genauer untersuchen.

Auf dem Containerriesen war am 14. Juli ein Feuer ausgebrochen, es kam auch zu Explosionen. Ein Seemann kam ums Leben. Im Anschluss gab es monatelangen Streit, wo das Schiff anlegen soll. Es befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks auf dem Atlantik. Mehrere Häfen weigerten sich, das noch brennende Schiff aufzunehmen, so dass eine wochenlange Irrfahrt folgte. Schließlich erklärte sich der Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven bereit, die "Flaminia" aufzunehmen.

Ein Schlepper nahm die fast 300 Meter lange "Flaminia" nun auf Kurs Richtung Helgoland. Zudem soll ein 17-köpfiges Expertenteam - die "Analytische Task Force Deutschland" - auf dem mit einem Untersuchungslabor ausgestatteten Schiff "Neuwerk" an Bord des Unglücksfrachters gehen. Die Chemiker und Schiffsbrandexperten sollten neben den Schäden auch die Gefahren einschätzen, die von dem Havaristen ausgehen.

Bergung in Niedersachsen

Das Schiff soll über Nacht vor der Küste Helgolands in Warteposition gehen und mit der Flut am Sonntagnachmittag in den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven einlaufen. "Falls die Task Force Bedenken hat, wird das nicht passieren", sagte Krekel. Bisher sei aber alles nach Plan verlaufen. Gefahren für die Umwelt seien nicht absehbar.

Im niedersächsischen Wilhelmshaven soll das Gefahrgut geborgen werden. Wann das Schiff dort einlaufen kann, sei aber vom Ergebnis der Prüfung auf hoher See abhängig, hieß es aus dem Havariekommando. Möglicherweise könne die "Flaminia" schon am späten Sonntagnachmittag mit der Flut im Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven eintreffen.

Noch am Samstagmorgen sollen nun 17 Mitarbeiter des Havariekommandos und einer Spezialistengruppe an Bord gehen, um sich einen Überblick über das Ausmaß der Zerstörung zu verschaffen. Ein Sprecher sagte, die Fahrt verlaufe nach Plan. Es bestehe keine Gefahr für die Umwelt.

Auf der wochenlangen Irrfahrt der "Flaminia" war mehrfach Feuer ausgebrochen. Mehrere Länder - darunter Großbritannien, Frankreich und Spanien - verweigerten ihr das Einlaufen in ihre Häfen. Ein Grund dafür war die unklare Gefahrenlage durch die Beladung des Schiffs: Von den etwa 3.000 geladenen Containern enthielten laut Reederei 150 Gefahrengüter bis zur Klasse sechs, also giftige und ansteckende Stoffe.

Die Sprecherin der Reederei warnte am Samstag vor "hysterischen Reaktionen". Die Ladung sei vorschriftsgemäß gelagert gewesen, sagte Wiebe. Der Inhalt aller Container sei den deutschen Behörden durch die Ladepapiere übermittelt worden. Zudem sei noch völlig unklar, wie es zu dem Brand gekommen sei und ob er durch einen gefährlichen Stoff ausgelöst worden sei.

wal/boj/dpa/dapd

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insgesamt 53 Beiträge
Baul 08.09.2012
Ist doch ein in der BRD registriertes Schiff, oder? Dann müssen auch die negativen Folgen getragen werden.
Ist doch ein in der BRD registriertes Schiff, oder? Dann müssen auch die negativen Folgen getragen werden.
luwigal 08.09.2012
Wer bezahlt die Bergungskosten? Bin neugierig ... Gibt es eigentlich eine Haftung für die Länder, unter deren Flagge sie fahren bzw. für die Länder, wo sie registriert sind? ... falls weder der Reeder noch eine Versicherung [...]
Wer bezahlt die Bergungskosten? Bin neugierig ... Gibt es eigentlich eine Haftung für die Länder, unter deren Flagge sie fahren bzw. für die Länder, wo sie registriert sind? ... falls weder der Reeder noch eine Versicherung haften kann oder will.
ernstjüngerfan 08.09.2012
Schön, daß Deutschland mal wieder wie üblich in vorauseilendem Gehorsam als Zahlmeister und Schuttabladeplatz herhalten darf
Zitat von sysopDer schwer beschädigte Frachter "Flaminia" mit 150 Gefahrgutcontainern steuert auf Helgoland zu. Monatelang weigerten sich europäische Häfen, das Unglücksschiff aufzunehmen, nun soll es in deutschen Gewässern untersucht werden. Anschließend soll das Gefahrgut in Wilhelmshaven geborgen werden. Flaminia: Unglücksfrachter erreicht deutsche Gewässer vor Helgoland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,854655,00.html)
Schön, daß Deutschland mal wieder wie üblich in vorauseilendem Gehorsam als Zahlmeister und Schuttabladeplatz herhalten darf
dauernörgler 08.09.2012
Wir müssen oder dürfen doch auch den Müll aus Süditalien annehmen. EU-Zwang oder Geschäftemacherei. Derzeit wird sogar im Schwarzwald eine Giftmüll-Umverteilungsanlage gebaut und selbst die Grünen mucken nicht auf.
Zitat von sysopDer schwer beschädigte Frachter "Flaminia" mit 150 Gefahrgutcontainern steuert auf Helgoland zu. Monatelang weigerten sich europäische Häfen, das Unglücksschiff aufzunehmen, nun soll es in deutschen Gewässern untersucht werden. Anschließend soll das Gefahrgut in Wilhelmshaven geborgen werden. Flaminia: Unglücksfrachter erreicht deutsche Gewässer vor Helgoland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,854655,00.html)
Wir müssen oder dürfen doch auch den Müll aus Süditalien annehmen. EU-Zwang oder Geschäftemacherei. Derzeit wird sogar im Schwarzwald eine Giftmüll-Umverteilungsanlage gebaut und selbst die Grünen mucken nicht auf.
Saïph 08.09.2012
Was jammern Sie eigentlich? Das Schiff steht in deutschem Eigentum und fährt löblicherweise sogar unter deutscher Flagge. Da ist es doch nur selbstverständlich, dass auch hier der Schaden behoben wird.
Zitat von ernstjüngerfanSchön, daß Deutschland mal wieder wie üblich in vorauseilendem Gehorsam als Zahlmeister und Schuttabladeplatz herhalten darf
Was jammern Sie eigentlich? Das Schiff steht in deutschem Eigentum und fährt löblicherweise sogar unter deutscher Flagge. Da ist es doch nur selbstverständlich, dass auch hier der Schaden behoben wird.
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  • Samstag, 08.09.2012 – 10:36 Uhr
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