Lion-Air-Unglück in Indonesien Angehöriger von Absturz-Opfer verklagt Boeing

Probleme bei Boeing: Nach dem Absturz einer 737 Max vor Jakarta haben Angehörige eines Opfers jetzt den Flugzeughersteller verklagt. Er hatte die Einführung einer neuen Software verschwiegen.

Trauer um "Lion-Air"-Opfer
Getty Images

Trauer um "Lion-Air"-Opfer


Der Vater eines bei dem Flugzeugabsturz in Indonesien getöteten Passagiers hat den US-Flugzeugbauer Boeing verklagt. Die Klage sei am Mittwoch an einem Gericht im US-Staat Illinois eingereicht worden, wo sich die Konzernzentrale von Boeing befindet, teilte einer der Anwälte von H. Irianto, Curtis Miner, mit. Die Anwaltsfirma bezieht sich in ihrer Klage auf Probleme mit dem Flugsteuerungssystem der Maschine, auf die sich die Ermittler der Unglücksursache derzeit konzentrieren. Es handelt sich demnach um ein neu eingeführtes System.

Die Boeing 737 des Billigfliegers Lion Air war am 29. Oktober kurz nach ihrem Start vom Flughafen in Jakarta ins Meer gestürzt. Bei dem Unglück kamen alle 189 Insassen ums Leben, darunter auch der Sohn des Klägers, Rio Nanda Putrama. Vermutet wird, dass technische Probleme den Absturz verursacht haben.

Aktuell deutet alles darauf hin, dass die von Boeing beim Modell 737 Max eingeführte MCAS-Software (Maneuvering Characteristics Augmentation System) den Absturz verursacht hat. Sie soll eigentlich einen Strömungsabriss verhindern. Dieser tritt bei zu geringer Geschwindigkeit auf, die Tragflächen erzeugen dann nicht mehr genug Auftrieb. Wenn die Sensoren der 737 Max eine Fluglage nahe eines solchen Abkippens an den Bordcomputer melden, senkt der die Nase der Maschine automatisch, um die Geschwindigkeit zu erhöhen. Im Falle des abgestürzten Lion Air Fluges führte ein fehlerhafter Fluglage-Sensor oder eine fehlerhafte Software dazu, dass der Bordcomputer die Maschine ins Meer lenkte.

Boeing schweigt

Das Prozedere, wie mit diesem Störfall umzugehen ist, war den Piloten des Lion-Air-Fluges offenbar nicht bekannt. Piloten verschiedener Airlines bestätigten kürzlich ebenfalls, dass Boeing die neue Software und deren Funktion nicht dokumentiert hatte.

"Es ist besonders überraschend, von Sicherheitsexperten und den Vorsitzenden der Pilotengewerkschaften zu hören, dass Boeing es versäumt hat, seine Kunden und die Piloten seines neuen Flugzeugs 737 MAX über diese bedeutenden Änderungen des Flugsteuerungssystems zu unterrichten oder eine angemessene Anleitung in seiner Gebrauchsanweisung einzufügen", sagte ein weiterer Anwalt des Teams, Austin Bartlett. Auf eine Anfrage antwortete Boeing zunächst nicht.

Einen ausführlichen Bericht zu den Hintergründen des Absturzes und den technischen Problemen der Boeing 737 Max finden Sie hier.

mhe/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.