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Radioaktivität: Forscher halten Fukushima-Strahlung im Meer für harmlos

AKW Fukushima (Juli 2013): Strahlung ist an Nordamerikas Westküste angekommen Zur Großansicht
AP / Kyodo News

AKW Fukushima (Juli 2013): Strahlung ist an Nordamerikas Westküste angekommen

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima war die Angst vor Radioaktivität im Pazifik groß. Jetzt haben Forscher erstmals systematisch untersucht, wie sich die Strahlung im Ozean verbreitet hat - und geben Entwarnung.

Es war der größte Atomunfall seit der Katastrophe von Tschernobyl: Im März 2011 kam es zur Kernschmelze in drei der sechs Reaktoren des japanischen AKW Fukushima-Daiichi. Japan hatte Glück im Unglück: Der Wind blies die radioaktive Wolke Richtung Osten auf den Pazifik hinaus. Zugleich strömten enorme Mengen kontaminierten Wassers in den Ozean. Noch nie zuvor gelangte auf einen Schlag so viel Radioaktivität ins Meer.

Zwar herrscht vor Japans Ostküste eine der stärksten Meeresströmungen der Welt, so dass das strahlende Material schnell auf den Pazifik hinausgetragen und extrem verdünnt wurde. Doch die Angst vor Verstrahlung erfasste auch Kanada und die USA. Noch im März 2014, drei Jahre nach dem Unglück, berichteten US-Medien, dass die radioaktive Unterwasserwolke demnächst die Westküste Nordamerikas erreichen werde.

Jetzt haben Forscher die nach eigenen Angaben erste systematische Studie über den Transport der Fukushima-Radioaktivität in den Nordostpazifik vorgelegt. Wie das Team um John Smith von der Fischerei- und Meeresbehörde Kanadas im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" schreibt, wurden die ersten Spuren der Fukushima-Strahlung im Juni 2012 rund 1500 Kilometer vor der kanadischen Provinz British Columbia registriert.

Ein Jahr später sei Cäsium-134 und -137 auf dem kanadischen Kontinentalschelf angelangt. Im Februar 2014 habe die Strahlung zwei Becquerel pro Kubikmeter in den oberen 150 Metern der Wassersäule erreicht. Das sei etwa doppelt so viel wie jene Strahlung, die dort heute noch durch oberirdische Atomwaffentests der vergangenen Jahrzehnte vorhanden ist.

Forscher sehen keine Gesundheits- und Umweltgefahren

Zunächst werde die Strahlung vor der nordamerikanischen Küste weiter ansteigen, erklären die Forscher: Auf Basis von Meereszirkulations-Modellen, die gut mit den bisherigen Messwerten übereinstimmten, sagen sie Höchstwerte von 3 bis 5 Becquerel pro Kubikmeter in den Jahren 2015 und 2016 voraus. Bis 2021 werde die Strahlung dann voraussichtlich wieder auf ein Becquerel pro Kubikmeter fallen.

Zwar könne die Radioaktivität weiter draußen auf dem Meer höher sein, werde aber immer noch weit unterhalb kanadischer Grenzwerte liegen. Für Trinkwasser etwa schreibt das Land ein Maximum von 10.000 Becquerel pro Kubikmeter vor. Zudem entspreche die prognostizierte Maximalbelastung von 3 bis 5 Bq/cbm vor der Küste dem Wert der Achtzigerjahre, als die oberirdischen Atomtests noch nicht so lange zurücklagen.

Allerdings wird Meerwasser in der Regel nicht von Menschen getrunken. Deshalb galt eine Sorge der radioaktiven Belastung von Meerestieren, die von Menschen verspeist werden. So wurden im Mai 2012 radioaktive Substanzen aus Fukushima in Thunfischen vor Kalifornien nachgewiesen - wenn auch in für Menschen ungefährlichen Mengen.

Doch Smith und seine Kollegen sehen keinerlei Gesundheitsrisiko für Menschen. Radioaktives Cäsium werde von Fischen ausgeschieden; es könne sich nicht unbegrenzt in den Tieren anreichern. Für frühere Studien sei bereits berechnet worden, dass Menschen beim Verzehr von Thunfisch eine effektive Strahlungsdosis von rund 6 Becquerel pro Kilogramm durch den Eintrag von Fukushima zu sich nehmen würden. Das entspreche nur etwa sieben Prozent der Radioaktivität, die ohnehin aufgrund natürlicher Quellen in den Fischen stecke. Die Strahlung, die Menschen aus anderen natürlichen Quellen treffe, betrage gar ein Vielfaches dieser Menge.

Auch für die Umwelt sehen die Wissenschaftler keine Bedrohung. Die Belastung, mit denen durch die Fukushima-Strahlung zu rechnen sei, betrage rund ein Billionstel des als sicher geltenden Grenzwerts für Fischpopulationen und das Ökosystem des Meeres.

Strahlungsmessungen seit Atomwaffentests

Die Cäsium-137-Aktivitiät im Pazifik ist gut dokumentiert, da sie seit der Hochphase der atmosphärischen Atomtests in den Sechzigerjahren regelmäßig gemessen wurde. In den Regionen östlich von Japan habe die Strahlung damals bis zu 20 Becquerel pro Kubikmeter betragen, erklären Smith und seine Kollegen. 2010 war der dortige Durchschnittswert auf 1,5 Bq/cbm gefallen - sowohl durch den natürlichen Zerfall von Cäsium-137 als auch durch sein Absinken in tiefere Wasserschichten.

Frühere Prognosen über die Folgen der Fukushima-Katastrophe hatten eine wesentlich stärkere radioaktive Belastung des Wassers unmittelbar vor Nordamerikas Westküste vorhergesagt. Noch im Februar 2013 waren Forscher zu dem Schluss gekommen, dass die Strahlung im Pazifik direkt vor der kanadischen Großstadt Vancouver im Jahr 2015 auf 27 Bq/cbm steigen könnte. Inzwischen haben sie ihre Vorhersage allerdings um den Faktor 10 nach unten korrigiert, schreiben Smith und seine Kollegen - so dass sie jetzt gut zu ihren eigenen Berechnungen passten.

Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
DPA
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.

mbe

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 280 Beiträge
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1. Was wurde hier für ein Gefahr im März 2011 herbeigelogen.
Grafsteiner 30.12.2014
Greenpeace hat sogar Plutunium auf einer Wiese nahe des havarierten Atomkraftwerkes verstreut, um den Untergang der Welt nicht ganz sauber tickend zu zeigen. Gezeigt wurde, dass die Sicherheitsvorrichtungen selbst einen GAU aushielten. Null Tote, 4 verstrahlte Arbeiter, die seit einem Jahr schon wieder arbeiten. Das war Eure Katastrophe.
2. Na dann....
Palisander 30.12.2014
wollen wir das jetzt mal so glauben? Ich hoffe das ist die Wahrheit.
3. Ich bin gespannt
erasmus89 30.12.2014
ob die Leute auch noch ruhig bleiben, wenn plötzlich dreiköpfige Haie oder Riesenkalmare die kanadische Küste entern. Auf Tele5 gibts ja regelmäßig einen Vorgeschmack davon: Mega Shark, Mecha Shark..
4. Aber ja doch
warum-du-so? 30.12.2014
Alles harmlos - wurde damals von Tschernobyl auch behauptet - meine Fresse, die versuchen nicht mal diese Lügen glaubhaft zu verpacken... Wer das glaubt, dem ist nicht zu helfen... Abwarten - in 10-20 Jahren wird man die Folgen sehen...
5. Was ist daran neu?
professorA 30.12.2014
Altmaterialaufbereitung bei SPON. Das ist doch von UNO-Gremien und Fachwissenschaftlern schon längst festgestellt worden.
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