Militärtechnik: Fotos zeigen Chinas erste Stealth-Kampfdrohne

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"Lijian": Chinas erste Stealth-Kampfdrohne Fotos
AFP

China treibt die Modernisierung seiner Streitkräfte mit Macht voran. Jetzt sind erstmals Fotos einer mutmaßlichen Stealth-Kampfdrohne aufgetaucht. Sie weist starke Ähnlichkeit mit den Konkurrenzmodellen der Europäer und Amerikaner auf - und zeigt, wie schnell Peking Fortschritte macht.

Wenn westliche Rüstungskonzerne neues Militärgerät präsentieren, gibt es nicht selten Hochglanz-Pressemappen und ganze Bilddatenbanken voller Fotos. In China läuft das anders: Auf obskuren Webseiten tauchen erste grobkörnige, unscharfe Fotos auf, die dann mit einiger Verzögerung ihren Weg in die westliche Öffentlichkeit finden und dort für Spekulationen sorgen.

In den vergangenen Monaten und Jahren ist das wiederholt geschehen, etwa bei Testflügen von Chinas Tarnkappen-Kampfjets J-20 und J-31, dem Langstrecken-Transportflugzeug Y-20 oder dem Flugzeugträger "Liaoning". Nun sind Fotos aufgetaucht, die Pekings erste strahlgetriebene, bewaffnete Stealth-Drohne zeigen sollen.

Zunächst tauchte auf chinesischen Webseiten ein Foto des unbemannten Fluggeräts auf einer Startbahn auf. Dann veröffentlichten diverse Nachrichtenseiten in der Region ein qualitativ besseres Foto der Drohne. Im britischen Luftfahrt-Forum "Secret Projects" wurde das Flugobjekt prompt als "Lijian" ("Scharfes Schwert") identifiziert, gebaut von der chinesischen Firma Shenyang.

Die Kampfdrohne (Unmanned Combat Air Vehicle, kurz UCAV) weist starke Ähnlichkeit mit der X-47B der USA und der europäischen "nEUROn" auf. Während die X-47B aber bereits das Starten und Landen auf Flugzeugträgern probt, ist völlig unklar, wie weit die Entwicklung der "Lijian" fortgeschritten ist, was genau ihre Fähigkeiten sein werden und wann sie in Dienst gestellt wird. Das gleiche gilt für die J-20, die J-31 und die Y-20.

Gezielte Veröffentlichung

Einig sind sich westliche Experten allerdings darin, dass die Veröffentlichung der Fotos angesichts der strengen Regime-Kontrolle über das chinesische Internet kein Zufall sein kann. "Die Volksbefreiungsarmee duldet diese Enthüllungen offensichtlich oder betreibt sie sogar aktiv", sagte etwa Rick Fisher vom International Assessment and Strategy Center im US-Bundesstaat Virginia dem Branchenblatt "Aviation Week".

Die Fotos der "Lijian" wurden fast gleichzeitig mit dem Jahresbericht des Pentagon zur Entwicklung des chinesischen Militärs veröffentlicht. Die US-Regierung wirft Peking darin nicht nur Spionageattacken auf amerikanische Computernetze vor, sondern zeichnet auch ein detailliertes Bild der technologischen Aufrüstung der Volksbefreiungsarmee.

Die chinesische Regierung "verfolgt ein langfristiges, umfassendes militärisches Modernisierungsprogramm, um seine Streitkräfte in die Lage zu versetzen, kurzzeitige regionale Militärkonflikte mit hoher Intensität zu gewinnen", heißt es gleich zu Anfang des Berichts. Ein potentieller Schlagabtausch in der Taiwan-Straße - in den mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die USA verwickelt wären - "scheint der Hauptfokus und der wichtigste Antrieb von Chinas Militärinvestitionen zu sein".

Hightech-Waffen spielen Schlüsselrolle

Das wichtigste Ziel Pekings sei deshalb die Stärkung sogenannter Anti-Access/Area-Denial-Fähigkeiten, kurz A2/AD. Dahinter verbirgt sich die Strategie, einem technisch überlegenen Feind mit relativ einfachen Mitteln den Zugang zu strategisch wichtigen Gebieten zu verwehren - etwa indem man an den Küsten Anti-Schiffsraketen stationiert und es für Flugzeugträger zu riskant macht, in ein bestimmtes Seegebiet vorzudringen. "Strategen der Volksbefreiungsarmee bezeichnen das auch als Anti-Interventions-Operationen", heißt es im Pentagon-Bericht.

Peking stecke deshalb hohe Summen in die Entwicklung ballistischer Kurz- und Langstreckenraketen, Marschflugkörpern zur Bekämpfung großer Schiffe, Anti-Satelliten-Raketen und in die Kriegführung im Internet. Die Volksbefreiungsarmee solle so in die Lage versetzt werden, "auf große Distanzen Streitkräfte anzugreifen, die in den Westpazifik eindringen und dort operieren könnten", schreiben die Pentagon-Autoren. Auch der Kauf und die Entwicklung von Drohnen mit größerer Reichweite werde "Chinas Fähigkeit erhöhen, Aufklärungs- und Angriffsmissionen über große Distanzen durchzuführen".

Die Stealth-Technologie, die Flugzeuge für Radaranlagen kaum oder gar nicht erkennbar macht, werde von der chinesischen Luftwaffe als "integraler Bestandteil unbemannter Flugzeuge" gesehen, so der Pentagon-Bericht. Das gelte insbesondere für Drohnen zur Bekämpfung von Bodenzielen: Sie könnten dank Stealth-Technologie "stark geschützte Ziele angreifen", womit unter anderem US-Militärbasen im Pazifikraum gemeint sein dürften.

Zudem warnt das Pentagon vor der Verbreitung chinesischer Drohnentechnik in Entwicklungsländer. "China vermarktet Drohnen im Ausland", heißt es im Pentagon-Bericht. Das gelte auch für die neue taktische Kampfdrohne "Yi Long", auch als "Wing Loong" bekannt.

Kaum Chancen sieht das US-Verteidigungsministerium dagegen, Peking wichtige Militärtechnologie vorzuenthalten. "Die Chinesen nutzen ein großes, gut organisiertes Netzwerk, um sensitive Informationen und exportbeschränkte US-Verteidigungstechnologie zu bekommen", so der Bericht. Die Volksbefreiungsarmee benutze Tarnfirmen, um unter dem Deckmantel der zivilen Forschung militärische oder Dual-Use-Technologien im Ausland zu erwerben.

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insgesamt 97 Beiträge
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1. optional
paulinenaue 12.05.2013
So richtig haben sie aber den Horten Nurfluegel nicht hingekriegt. Das Ding hat Seitenleitwerke. Nicht so gut fuer dir Radarsignatur.
2. bei den ganzen Hacks kein Wunder
funnyone2007 12.05.2013
wurde doch in den letzten Jahren und Monaten immer wieder Hackerangrifft und Datendiebstähle auf Militärrechnern öffentlich, braucht man sich nicht wundern, dass die Chinesen so schnell vorwärtskommen mit der Entwicklung. Man sollte halt ab und zu ein trojanisches Pferd oder einen Honeypot auf dem eigenen server oder den Bauplänen platzieren.
3. Bilder sind eines - Stückzahlen sind was anderes
yael.schlichting 12.05.2013
Bis China und Rußland von ihren neuen Waffenwundern ernstzunehmende Stückzahlen produzieren können wird noch einige Zeit vergehen. Es ist eine Sache, einen Prototypen zum Fliegen zu kriegen. Es ist eine völlig andere damit auch wirklich fortschrittliche Technologie einzuführen. An der sog. Stealth-Drohne sieht man zum Beispiel, daß man in China noch nicht ohne Leitwerk auskommt. Weiter besteht die Frage nach den eingesetzten Materialien. Ist das Dings wirklich stealthy oder hat es nur eine Form bekommen, die Radarstrahlen nicht mehr direkt reflektiert. Und wird das Dings dann wirklich einen Einsatz fliegen können? Fliegt es? Das alles hat noch einen weiten Weg!
4. Der Hornissenangriff
Bruder Theodor 12.05.2013
Zitat von sysopChina treibt die Modernisierung seiner Streitkräfte mit Macht voran. Jetzt sind erstmals Fotos einer mutmaßlichen Stealth-Kampfdrohne aufgetaucht. Sie weist starke Ähnlichkeit mit den Konkurrenzmodellen der Europäer und Amerikaner auf - und zeigt, wie schnell Peking Fortschritte macht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/fotos-zeigen-chinas-erste-stealth-kampfdrohne-a-899323.html
Tausende dieser Dinger ziehen dann irgendwann beim Gegner übers Land, oder wie muß man sich das vorstellen? Das neue Wettrüsten nach dem Kalten Krieg läuft offensichtlich auf Hochtouren. Gibt's 'ne Waffe, gibt's bald die Gegenwaffe. Für die Gegenwaffe gibt's dann wieder 'ne Waffe und für die wieder 'ne Gegenwaffe. Und wenn sie nicht gestorben sind, so rüsten sie noch immer. "Wo warst du, Adam?" "Ich war beim Wettrüsten."
5. Spielzeug
Boone 12.05.2013
Will die Weltbevölkerung diese kindischen Waffen. um sich gegenseitig umzubringen oder sind das nur die Spielzeuge der soziopathischen Regierungsführer dieser Welt?
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X-47B: Killer mit Tarnkappe

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Drohnen im Einsatz: Krieg per Mausklick
Die wichtigsten Drohnentypen
"MQ-1 Predator"
Die "MQ-1 Predator" war im Jahr 1995 die erste Drohne, die bei der US-Luftwaffe zum Einsatz kam.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: rund 4.5 Millionen Dollar
Bewaffnung: zwei Luft-Boden-Raketen "AGM-114 Hellfire"
Maße: 8,23 m lang, 14,84 m Flügelspannweite
Reichweite: 3704 km
Flughöhe: max. 7620 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"MQ-9 Reaper"
Die "MQ-9 Reaper"(früher "Predator B") basiert technisch gesehen auf der "MQ-1 Predator". Sie ist aber für den Angriff optimiert, da sie die zehnfache Waffenlast im Vergleich zum Ursprungsmodell befördern kann. Eingesetzt wird sie von der US-Marine und Luftwaffe.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: 10,5 Millionen Dollar
Bewaffnung: bis zu 1361 kg
(z.B. Raketen der Typen "AGM-114 Hellfire" und "AIM-9 Sidewinder" oder Bomben der Typen "GBU-12 Paveway II" und "GBU-38 DAM")
Maße: 10,97 m lang, 20,12 m Flügelspannweite
Reichweite: 5926 km
Flughöhe: max. 15.400 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"RQ-7 Shadow 200"
Die "RQ-7 Shadow 200" dient bei der US Army und dem US Marine Corps zur Aufklärung. Sie ist seit 2003 im Einsatz und kann keine Ziele angreifen.

Hersteller: AAI Corporation
Stückpreis: 275.000 Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 3,4 m lang, 3,9 m Flügelspannweite
Reichweite: 125 km
Flughöhe: max. 4600 m
Steuerung: autonom, mit GPS
"RQ-4 Global Hawk" / "Euro Hawk"
Die "RQ-7 Global Hawk" wird als Langstrecken-Aufklärungsdrohne eingesetzt. Sie existiert in zwei Versionen. Die spätere (RQ-4B) wurde auch von der Bundeswehr als "Euro Hawk" eingeführt, ausgestattet mit Sensoren der deutschen EADS. Die Drohne ist wesentlich größer als "Predator", "Reaper" und "Shadow" und mit einem Strahltriebwerk ausgestattet.

Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: 35 Millionen Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 13,53 m lang, 35,42 m Flügelspannweite (RQ-4A) bzw. 14,50 m lang, 39,89 m Flügelspannweite (RQ-4B)
Reichweite: 25.000 km (RQ-4A) bzw. 22.780 km (RQ-4B)
Flughöhe: max. 19.800 m
Steuerung: autonom, mit GPS