Ex-Fußballstar Charly Körbel bekommt begehbares Gehirn

602 Spiele in der Fußballbundesliga, so viele schaffte sonst keiner: Nun wird das Hirn des Rekordkickers von Eintracht Frankfurt, Charly Körbel, nachgebaut - in XXL.

Charly Körbel
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Charly Körbel


Fußballlegende Charly Körbel sitzt recht entspannt unter einem Hightech-Apparat, der wie ein gigantischer Haartrockner aussieht. Plötzlich werden auf einem Bildschirm vor ihm Bilder vom DFB-Pokal oder eines Fußballs eingeblendet.

Zusätzlich hört der inzwischen 63 Jahre alte Fußballstar der Frankfurter Eintracht den Pfiff eines Schiedsrichters. Währenddessen werden die Hirnströme von Körbel vermessen. Das Ziel der Prozedur: Das Frankfurter Senckenberg Museum will ein 50-fach vergrößertes Modell von Körbels Hirn ausstellen: das "begehbare Gehirn". Es wird etwa fünf Meter hoch sein - und rund acht Meter lang.

So soll das Modell eines Tages aussehen
U. Dettmar

So soll das Modell eines Tages aussehen

Warum ausgerechnet Charly Körbel? Er hatte bei einer Online-Abstimmung die meisten Stimmen bekommen und setzte sich damit beispielsweise gegen Albert Einstein durch. Körbel ist die Legende von Eintracht Frankfurt. Er bestritt zwischen 1972 und 1991 mehr als 600 Spiele in der Fußballbundesliga. Auf mehr Einsätze kommt sonst niemand.

Als Fußballer müsse man ständig Entscheidungen treffen und sich auch noch mit dem Schiedsrichter auseinandersetzen, meint Körbel. Eigentlich - meint er ironisch - hätte sein Hirn nach jedem Spiel explodieren müssen.

Im Video: "Die wollten unbedingt mein Gehirn"

Körbel ist an ein Magnetenzephalographie-Gerät (MEG) angeschlossen, das mit 275 Sensoren die magnetischen Felder misst, die die elektrischen Impulse der Nervenzellen seiner Hirnrinde erzeugen. Die Ergebnisse können anschließend grafisch dargestellt werden.

Das menschliche Gehirn ist hochkomplex und funktioniert elektromagnetisch. Etwa 86 Milliarden Zellen bilden die Infrastruktur. Den Pfiff einer Trillerpfeife registriert Körbels Gehirn innerhalb einer Zehntelsekunde. Das lässt sich an den Amplituden der grafischen Aufbereitung erkennen.

"Es ist ein großes Ding"

Die Museumsbesucher sollen in Körbels begehbarem Gehirn später genau nachvollziehen können, wie es auf bestimmte Reize reagiert. Deshalb wurde dem Fußballstar auch ein Bild des DFB-Pokals vorgehalten, den sein alter Verein Eintracht Frankfurt vor einigen Tagen überraschend im sensationellen Finale gegen Bayern München geholt hatte.

Scans von Körbels Hirnlappen sind bereits mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) erstellt worden. Wann genau die Ausstellung eröffnet wird, ist noch unklar. Das Frankfurter Senckenberg Museum präsentierte jedoch bereits ein um das Zehnfache vergrößerte Gehirn Körbels. "Es ist schon ein großes Ding", sagte er.

koe/dpa



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