Kernkraftwerk Penly: Französisches AKW nach Feuer abgeschaltet

Erneut ein Zwischenfall in einem französischen Kernkraftwerk: In der Anlage Penly ist ein Feuer ausgebrochen. Anscheinend trat dabei auch im Kraftwerk radioaktives Wasser aus. Das AKW wurde abgeschaltet. Der Betreiber beruhigt - die Brände sind bereits gelöscht, niemand wurde verletzt.

AKW Penly: Die Anlage liegt am Ärmelkanal Zur Großansicht
AFP

AKW Penly: Die Anlage liegt am Ärmelkanal

Penly - Nach einem Feueralarm ist das Atomkraftwerk Penly in Nordwestfrankreich am Donnerstag abgeschaltet worden. In einem Reaktorgebäude sei Rauch ausgetreten, teilte der Betreiber, der Stromkonzern EDF, mit. Daraufhin seien die Sicherheitssysteme angesprungen und die Anlage gestoppt worden. Die Feuerwehr habe zwei kleinere Brände gelöscht.

Nach Angaben von EDF wurde bei dem Vorfall niemand verletzt. Einem Behördenvertreter zufolge bildete sich der Rauch an einer Wasserpumpe, an der Öl fehlte. In Penly ist neben dem bereits arbeitenden Atomkraftwerk auch ein neuer EPR-Druckwasserreaktor geplant.

Am Abend wurde bekannt, dass bei dem Unfall anscheinend radioaktives Wasser ausgetreten ist. Das Wasser sei aus dem Primärkreislauf entwichen und in für solche Fälle vorgesehenen Behältern aufgefangen worden, teilte der Stromkonzern EDF mit. Die Kühlung des Reaktors sei nicht gestört und laufe "normal" weiter. Der Austritt des radioaktiv belasteten Wassers habe "keine Auswirkungen auf die Umwelt", betonte der Konzern.

Frankreich bezieht vier Fünftel seines Stroms aus Atomkraftwerken und hält auch nach der Katastrophe im japanischen Fukushima an der Kernkraft als Hauptenergiequelle fest. Die EU-Kommission hatte allerdings auf einem sogenannten Stresstest für französische AKW bestanden. Laut der von der nationalen Atomaufsichtsbehörde ASN durchgeführten Untersuchung können die Meiler alle weiterbetrieben werden, es seien jedoch einige Verbesserungen nötig.

Erst im September war in der südfranzösischen Atomanlage Marcoule ein Ofen in einer Verbrennungsanlage explodiert. Dabei war ein Arbeiter ums Leben gekommen, vier weitere wurden verletzt.

wbr/Reuters/APF

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1.
wattvoltihr 05.04.2012
Zitat von sysopAFPErneut ein Zwischenfall in einem französischen Kernkraftwerk: In der Anlage Penly ist ein Feuer ausgebrochen. Das AKW wurde abgeschaltet. Der Betreiber beruhigt - die Brände sind bereits gelöscht, niemand wurde verletzt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,826102,00.html
alles gelöscht - niemand verletzt - keine Gefahr Atomkraft ist sicher! Die Rente ist sicher! Sicher?
2. Moment mal
Antiautor 05.04.2012
Zitat aus dem *Artikel*: ---Zitat--- Die Feuerwehr habe zwei kleinere Brände gelöscht. (...) Einem Behördenvertreter zufolge bildete sich der Rauch an einer Wasserpumpe, an der Öl fehlte. ---Zitatende--- Das ist nicht schlüssig. Da läuft eine Pumpe trocken weil Öl fehlt (alleine schon, wie oft wird das denn kontrolliert?) und deswegen entsteht Rauch. Gleichzeitig heißt es, dass zwei kleinere Brände gelöscht wurden. Wie lange lief die Pumpe unbeobachtet, dass es nicht nur rauchte sondern brannte? Für meine Begriffe ein Beweis für eine Nachlässigkeit, die in einem Atomkraftwerk niemals auftreten dürfte. Dass sie es doch tut, ist keine Werbung für diese Höllenmaschinen. Aber ich vergaß, ranzösische Kernkraftwerke sind die sichersten der Welt. Trotzdem schüttelt es mich.
3.
wattvoltihr 05.04.2012
Zitat von AntiautorZitat aus dem *Artikel*: Das ist nicht schlüssig. Da läuft eine Pumpe trocken weil Öl fehlt (alleine schon, wie oft wird das denn kontrolliert?) und deswegen entsteht Rauch. Gleichzeitig heißt es, dass zwei kleinere Brände gelöscht wurden. Wie lange lief die Pumpe unbeobachtet, dass es nicht nur rauchte sondern brannte? Für meine Begriffe ein Beweis für eine Nachlässigkeit, die in einem Atomkraftwerk niemals auftreten dürfte. Dass sie es doch tut, ist keine Werbung für diese Höllenmaschinen. Aber ich vergaß, ranzösische Kernkraftwerke sind die sichersten der Welt. Trotzdem schüttelt es mich.
Tja! Die Franzosen sind ja auch weltbekannt für ihre Akribie und Zuverlässigkeit - Schlamperei und Schlendrian sind in Frankreich vollkommen unbekannte Begriffe! Aber wir werden alles erfahren und das sehr zeitnah. Schließlich ist auch die Atomindustrie für Transparenz und Verantwortungsbewusstsein bekannt, für selbstlose Aufopferung in Krisensituationen ... Pardon, jetzt wird mir beim Schreiben irgendwie übel.
4.
spon-1317319864453 05.04.2012
Zitat von wattvoltihralles gelöscht - niemand verletzt - keine Gefahr Atomkraft ist sicher! Die Rente ist sicher! Sicher?
Der Tod ist absolut sicher !
5.
spon-1317319864453 05.04.2012
Zitat von AntiautorZitat aus dem *Artikel*: Das ist nicht schlüssig. Da läuft eine Pumpe trocken weil Öl fehlt (alleine schon, wie oft wird das denn kontrolliert?) und deswegen entsteht Rauch. Gleichzeitig heißt es, dass zwei kleinere Brände gelöscht wurden. Wie lange lief die Pumpe unbeobachtet, dass es nicht nur rauchte sondern brannte? Für meine Begriffe ein Beweis für eine Nachlässigkeit, die in einem Atomkraftwerk niemals auftreten dürfte. Dass sie es doch tut, ist keine Werbung für diese Höllenmaschinen. Aber ich vergaß, ranzösische Kernkraftwerke sind die sichersten der Welt. Trotzdem schüttelt es mich.
JEDE Nation hat die SICHERSTEN AKW's der WELT !!!! Alle anderen sind Schrott !!!! Jeder hat die EINZIGE RICHTIGE Religion, alle andere sind Ketzer.
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Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.