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Fünf Jahre nach Fukushima: Japan setzt auf nuklearen Neustart

Eine Analyse von , Tokio

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REUTERS/ Kyodo

AKW im japanischen Takahama

Fünf Jahre nach der Jahrhundertkatastrophe von Fukushima treibt Japan den nuklearen Neustart voran. Die Atomlobby gibt sich wieder selbstbewusst, musste nun aber einen überraschenden Rückschlag hinnehmen.

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Eigentlich sollte es ein triumphaler Moment werden. Der Betreiber des Reaktors Takahama 4 in Westjapan hatte eigens das Fernsehen in den Kontrollraum der Anlage geladen. Doch kurz nachdem die Techniker den Reaktor ans Stromnetz genommen hatten, schrillte ein Alarm - und vor laufenden Kameras schaltete der Reaktor sich ab.

Die Panne, die sich Ende Februar ereignete, war nicht die erste, die Japans nuklearen Neustart überschattet: Kurz zuvor war in derselben Anlage radioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten. Mindestens eine Schraube eines Ventils saß zu locker. Für den jüngsten Störfall sucht der Betreiber indes noch nach Erklärungen - bis auf Weiteres soll Takahama 4 daher stillstehen.

Die Pause könnte gar länger währen. Denn am Mittwoch ordnete ein Gericht in der Nachbarpräfektur Shiga überraschend an, dass Takahama 4 sowie ein weiterer, bereits laufender Reaktor der Anlage abgeschaltet werden müssen. Damit ging das Gericht auf eine Klage von Bürgern ein, die die Sicherheit des Kernkraftwerks bezweifeln.

Der Gerichtsentscheid zum AKW Takahama ist ein Rückschlag für Japans Atombosse und kommt äußerst ungelegen. Denn sie möchten eigentlich so schnell wie möglich weitere Kernkraftwerke wieder hochfahren, die nach dem Desaster von Fukushima zeitweise abgeschaltet worden waren.

Kontrollraum des AKW Takahama Zur Großansicht
AFP

Kontrollraum des AKW Takahama

Nun fragen sich die Atombosse: Liegt die Zukunft ihrer Meiler in der Hand von ein paar Provinzgerichten? Und können die Betreiber mögliche zusätzliche Sicherheitsanforderungen zügig umsetzen? Von insgesamt 48 noch betriebsbereiten Reaktoren liefern nach der nun verfügten Reaktorabschaltung erst zwei Anlagen wieder Strom.

Umfragen zufolge lehnt die Mehrheit der Japaner den nuklearen Neustart ab. Doch fünf Jahre nach der dreifachen Kernschmelze von Fukushima zeigt die Atomlobby keine Reue. Aus dem Jahrhundert-Desaster hat sie wenig gelernt.

Stattdessen setzten die Stromkonzerne offenbar auf die Vergesslichkeit der Landsleute - und auf finanzielle Anreize: Demnächst werde man die Strompreise senken können, verhieß Makoto Yagi, der Präsident von Kansai Electric Power, das das Kernkraftwerk Takahama betreibt, mit Blick auf den atomaren Neustart.

Tatsächlich leiden die Stromversorger seit Fukushima unter hohen Verlusten, denn den Atomstrom mussten sie überwiegend durch herkömmliche Wärmekraftwerke ersetzen. Und die werden meist mit teuer importiertem Öl oder Gas betrieben. Doch seit dem GAU von Fukushima, der Zehntausende Japaner aus ihrer Heimat vertrieb, weiß die Inselnation, dass sie für Strom aus Kernenergie letztlich einen noch höheren Preis bezahlen muss.

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Atomruine Fukushima: Kernschmelze und kontaminierte Wassermassen
Umso mehr erstaunt die Hartnäckigkeit, mit der Nippons "Reaktor-Dorf" - so nennen die Japaner den mächtigen heimischen Klüngel aus Atombossen, Politikern, Bürokraten, Professoren und Journalisten - an der Kernkraft festhält.

Gewiss, einige Lehren hat Japan durchaus gezogen aus Fukushima: Langfristig will es nur noch ein Fünftel des Stroms aus Kernenergie erzeugen. Vor dem Reaktor-Desaster betrug der Anteil dagegen knapp 30 Prozent.

Eine gestärkte Nuklearaufsicht prüft Betriebsgenehmigungen für Reaktoren mittlerweile gründlicher. Einigen Anlagen, wie dem Reaktor Shiga 1 in Westjapan, droht gar das endgültige Aus, weil sie möglicherweise über geologischen Verwerfungen errichtet wurden - das sind tektonische Brüche, die durch frühere Erdbeben entstanden.

Mehrere Anlagen wurden mit höheren Flutmauern gegen Tsunamis ausgestattet. Im Kernkraftwerk Sendai auf der südlichen Hauptinsel Kyushu wurden Bulldozer stationiert, um bei einem Erdbeben schneller Schutt und Geröll aus dem Weg räumen zu können.

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Unglücksmeiler von Fukushima

Auch wurden die Kommunen angewiesen, Fluchtpläne für Atomunfälle zu ersinnen. Im Ernstfall dürften die Vorkehrungen indes wenig nützen, insbesondere beim Kernkraftwerk Ikata, das auf einer Halbinsel liegt: Bei einem GAU wäre rund 5000 Anwohnern der Fluchtweg abgeschnitten, sie müssten über das Meer entweichen - falls sie dann genug Boote finden.

Erhebliche Bedenken bestehen auch gegen das Kernkraftwerk Sendai, das seit Herbst wieder in Betrieb ist: Es liegt nur rund 50 Kilometer entfernt von Sakurajima, dem aktivsten Vulkan des Landes. Zwar soll künftig ein Beirat von Geologen Alarm schlagen, wenn Gefahr droht. Doch zwei der Wissenschaftler erhielten einst Forschungsgelder von der Atomindustrie, wie die Zeitung "Tokyo Shimbun" herausfand. Zweifel an ihrer Neutralität liegen daher nahe.

Doch wer in Japan ist schon unabhängig von der Atomlobby? Für den Unfall von Fukushima wurde bislang kein Verantwortlicher zur Rechenschaft gezogen. Fünf Jahre verstrichen, bis kürzlich drei Ex-Bosse des Betreibers Tokyo Electric Power (Tepco) angeklagt wurden - gegen den Willen der eigentlich zuständigen Staatsanwaltschaft.

Erdbeben- und Tsunamigebiet in Japan Zur Großansicht
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Erdbeben- und Tsunamigebiet in Japan

Und fast ebenso lange brauchte Tepco, um im Februar endlich einzuräumen: Ja, man hätte die Öffentlichkeit viel früher darüber aufklären müssen, dass es sich beim Reaktorunfall im März 2011 um eine Kernschmelze gehandelt habe. Damals hatte Tepco die Nation zwei Monate lang über das Ausmaß der Krise im Unklaren gelassen.

Umso mehr Skepsis weckt nun der nukleare Neustart. Dabei geht es nicht nur darum, wann in Japan wie viele Reaktoren wieder laufen. Letztlich steht die Nation vor der fundamentalen Herausforderung, ihre veraltete Industriepolitik zu reformieren. Die Chance, die das Fukushima-Desaster dafür bot, wurde bisher kaum genutzt.

Stattdessen reist Premier Shinzo Abe unermüdlich um die Welt, um für den Export heimischer Reaktortechnologie zu werben. Hersteller wie Toshiba oder Hitachi treten dabei allerdings immer häufiger gegen billigere chinesische Wettbewerber an. Auf diese Weise verpasst das Hightechland die Gelegenheit, wieder zum Vorreiter bei erneuerbaren Energien - Wind, Sonne und Geothermie - zu werden, bei denen es einst führte.

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Fünf Jahre nach Fukushima-Katastrophe: Diese Arbeiter sind in der Atomruine im Einsatz
Mit einer Energiewende könnte Japan auch seine überalterten ländlichen Regionen wirtschaftlich beleben: Sie hängen oft von den Subventionen ab, mit denen Staat und Atomindustrie sie für die Ansiedlung von Kernkraftwerken entschädigen.

Doch Japan fällt es schwer, sich vom Mythos des "nuklearen Kreislaufs" zu verabschieden, den die Planer seit den Sechzigerjahren propagieren: Durch die Wiederaufbereitung von verbrauchtem Uran aus eigenen Kernkraftwerken, so die Theorie, könne sich das rohstoffarme Land langfristig energiepolitisch unabhängig machen.

Das Konzept hat indes so viele Haken, dass selbst Befürworter kaum noch daran glauben: "Monju", der Schnelle Brüter, in dem Japan Plutonium aus dem Betrieb seiner Kernkraftwerke verbrauchen wollte, siecht seit einem Natrium-Leck 1995 ungenutzt vor sich hin. Statt Strom zu liefern, verbraucht die Anlage jährlich rund 20 Milliarden Yen an Instandhaltungskosten, das sind rund 160 Millionen Euro. Auch die Inbetriebnahme einer ehrgeizigen Wiederaufbereitungsanlage im Norden der Hauptinsel Honshu wurde mehrmals verschoben. Ob der für 2018 angepeilte Starttermin eingehalten wird, scheint zweifelhaft.

Und damit steht Japan vor der Frage, was es mit all dem Plutonium anfängt, das bei der Nutzung von Uran in den Reaktoren anfällt.

Allein aus dem bisherigen Betrieb seiner Kernkraftwerke hortet Japan rund 47 Tonnen Plutonium - genug für zahlreiche Nagasaki-Bomben. Das wiederum weckt den Argwohn der Nachbarländer. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass japanische Politiker sich die Option auf eigene Nuklearwaffen offenhalten wollen.

Seit 2002 sucht die Regierung in Tokio überdies ein Endlager für den übrigen Atommüll. Erdbebensicher soll es sein, und möglichst keinen Widerstand bei der lokalen Bevölkerung hervorrufen.

Einen solchen Ort hat bisher in Japan niemand gefunden. Und daher prüft die Regierung neuerdings eine Alternative: Demnach könnte der Atommüll tief unter dem Meeresboden gelagert werden, erreichbar durch unterirdische Tunnel von der Küste aus. Auf diese Weise hätte die Nation zumindest einen Teil ihres strahlenden Erbes aus dem Blick geschafft.

Was geschah wann? Videochronik der Atomkatastrophe:

Zusammengefasst: Umfragen zufolge lehnt die Mehrheit der Japaner den nuklearen Neustart ab. Doch fünf Jahre nach der dreifachen Kernschmelze von Fukushima zeigt die Atomlobby keine Reue. Langfristig will das Land zwar nur noch ein Fünftel des Stroms aus Kernenergie erzeugen. Doch die Atombosse möchten so schnell wie möglich weitere Kernkraftwerke wieder hochfahren, die nach dem Desaster von 2011 zeitweise abgeschaltet worden waren.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
Solid 11.03.2016
Ob sie dann wieder so grob fahrlässig bauen werden mit leicht überschwemmbaren Generatorräumen?
2. Das ist wie im Fussball
SPONU 11.03.2016
Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe. Es vergeht kaum ein Jahr in welchem nicht ein Störfall gemeldet wird. Zwar nicht jedesmal einer in den höheren Kategorien aber immerhin. Atomenergie bleibt eine Katastrophentechnologie. Mag sein dass man einzelne Komponenten "beherrscht" aber im System ist das schlicht nicht möglich. Die Argumente beider Seiten sind hinreichend ausgetauscht. Erschreckend ist dass selbst in Japan, also in dem unmittelbar betroffenen Land der Unfall kein Umdenken eingesetzt hat. Ja, man baut jetzt einen höheren Damm. Dann mag der Auslöser für den nächsten GAU vielleicht kein Hochwasser sein, sondern ein Bedienfehler, eine Fehlfunktion, ein Anschlag, Materialschwäche.
3. Geld ist eben dumm.
zynik 11.03.2016
Die Ideologie des Kapitalismus ist nicht lernfähig. Mehr als ein "weiter so" gibt es offenbar nicht mehr. Das war auch schon bei anderen Ideologien ein Zeichen für das nahende Ende. Wäre blöd, wenn diese gleich den ganzen Planeten mitnimmt.
4.
Promethium 11.03.2016
Es war der Tsunami der so viele Menschenleben gefordert hat und nicht der SuperGAU! Deswegen wäre es für Japan völlig abstrus Geld für einen Atomausstieg zu vergeuden und nicht jeden Cent in den Tsunami Schutz zu investieren! Kaum ein Japaner versteht die deutsche Haltung zu diesem Thema! Mal ganz abgesehen davon das die gesundheitlichen Verhältnisse in Deutschland erheblich schlechter als die in Japan sind! Um das mal zu verdeutlichen! Unter aktuellen japanischen Verhältnissen müssten im Öko-Paradies Deutschland ca. 1000 Säuglinge pro Jahr weniger sterben!
5. Die Ursache waren die weggeschwemmten Dieseltanks.
Athlonpower 11.03.2016
Zitat von SolidOb sie dann wieder so grob fahrlässig bauen werden mit leicht überschwemmbaren Generatorräumen?
Das war ja weniger die Ursache, sondern die Dieseltanks für die Generatoren waren oberflächig gebaut und wurden vom Tsunami gleich mitgenommen, ohne Kraftstoff laufen eben keine Notrstromaggregate, das war die einzige Ursache der ganzen Katastrophe, wären die Vorratstanks unterirdisch und wasserdicht gewesen, gäbe es keine Meldung zu Fukushima, bzw. nur die vorübegehende Abschaltung wegen Überflutung und Hr. Mappus würde in Stuttgart noch den Knüppel schwingen.
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Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.

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