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Fukushima: 1300 abgebrannte Brennstäbe aus Reaktor 4 geborgen

Fukushima (01.11.2014): Industrieminister Yoichi Miyazawa (rechts) lässt sich die Aufräumarbeiten erläutern Zur Großansicht
REUTERS/ Kyodo

Fukushima (01.11.2014): Industrieminister Yoichi Miyazawa (rechts) lässt sich die Aufräumarbeiten erläutern

Fukushima-Meiler 4 ist fast vollständig geräumt: Betreiber Tepco hat sämtliche abgebrannten Brennstäbe aus dem beschädigten Gebäude geholt und in ein neues Becken umgelagert.

Tokio - Im japanischen Fukushima hat der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks die letzten abgebrannten Brennstäbe aus einem Abklingbecken in dem Gebäude des vierten Reaktorblocks geborgen. Das gab die Betreiberfirma Tepco am Mittwoch in Tokio bekannt.

Seit November vergangenen Jahres sind den Angaben Tepcos zufolge genau 1331 Brennstäbe aus den Gebäude geborgen worden. Dies entspricht 400 Tonnen Uran. Experten hatten vor der Gefahr gewarnt, dass das Gebäude bei einem künftigen Erdbeben einstürzen könnte.

Die mehr als tausend benutzten Brennstäbe wurden in ein ebenerdiges Kühlbecken umgelagert. Weitere 180 noch ungenutzte Brennstäbe sollen noch in diesem Jahr aus dem Gebäude des Reaktorblocks 4 geholt werden.

In den kommenden Monaten will Tepco auch die fast 1400 Brennstäbe holen, die sich noch in den Kühlbecken in den Obergeschossen der übrigen drei Reaktorgebäude befinden. Danach will der AKW-Betreiber sich um die wohl schwierigste Aufgabe kümmern: die geschmolzenen Reaktorkerne. Die Arbeiten dazu sollen im Jahr 2025 beginnen.

Im Inneren der Reaktoren 1, 2 und 3 geben die abgebrannten Brennstäbe auch mehr als dreieinhalb Jahre nach der Katastrophe Hitze und Strahlung ab. Zu Hunderten sind sie geschmolzen, haben sich in den Boden der Reaktordruckbehälter hineingefressen, mutmaßlich vermischt mit dem Stahl und dem Beton der Schutzhülle zu einer hoch radioaktiven Masse.

Wie es genau im Herzen der zerstörten Meiler aussieht, weiß niemand. Viel zu hoch ist die Strahlung, um selbst mit Schutzanzügen dort zu arbeiten. Bis heute müssen die havarierten Reaktoren Tag für Tag mit tonnenweise Wasser gekühlt werden, um nicht wieder außer Kontrolle zu geraten.

Am 11. März 2011 löste ein schweres Erdbeben einen Tsunami aus, der die Nordostküste Japans traf und in Fukushima zur schwersten Atomkatastrophe seit Tschernobyl führte.

hda/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 48 Beiträge
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1. Bitte regelmäßiger Beiträge über Fukushima
Andreas-Schindler 05.11.2014
Im Japanischen Fernsehen (NHK-World) gibt es auch kaum noch Beiträge über Fukushima hier zu sehen, auch weil der Tsunami die Hauptkatastrophe war. Die Japanische Regierung scheint da auch viel Verschleiern zu wollen um ihre AKWs wieder schneller ans Netz gehen zu lassen. Auch scheint der Betreiber und der Staat mit dem Problem Überfordert zu sein. Was in Deutschland auch so wäre, wen hier ein AKW außer Kontrolle geraten würde.
2. Die Arbeiten dazu sollen im Jahr 2025 beginnen.
Mario V. 05.11.2014
Ist das jetzt ein Tippfehler oder wollen die wirklich 10 Jahre warten?
3. Fiasko
Bernd.Brincken 05.11.2014
Die immer neuen Berichte über Details der anhaltenden Probleme in dem Reaktor machen die Technik auch wirtschaftlich zu einem totalen Fiasko. Das gilt für Tepco, aber auch für andere Länder und Unternehmen, denn nach dieser Erfahrung müssen Rückstellungen für Havarien noch einmal neu überdacht und deutlich aufgestockt werden. Dies gilt dann auch für kalkulatorische Risiken, wenn der Staat die Altlasten kauft. Auch die Planungen für "Endlagerung" sind nach heutigem Stand, auch ohne die Fukushima-Erfahrung, neu zu kalkulieren; siehe allein die Erfahrungen aus Gorleben. Das bedeutet, es muss nicht ideologisch-politisch oder emotional gedacht werden, allein die wirtschaftliche Vernunft macht die großtechnische Kernspaltung zu einem no-go.
4.
Promethium 05.11.2014
Also die Japaner haben es mittels Kernenergie an die absolute Weltspitze gebracht. Die japanische Bevölkerung zählt zu den gesündesten der Welt! (trotz zwei Atombomben und Fukuschima). Also ich möchte mal irgendwas sehen was sich auch nur halb so sehr gelohnt hat wie die Kernenergie in Japan!
5.
Mario V. 05.11.2014
Zitat von PromethiumAlso die Japaner haben es mittels Kernenergie an die absolute Weltspitze gebracht. Die japanische Bevölkerung zählt zu den gesündesten der Welt! (trotz zwei Atombomben und Fukuschima). Also ich möchte mal irgendwas sehen was sich auch nur halb so sehr gelohnt hat wie die Kernenergie in Japan!
Ja klar, da darf man so Nebensächlichkeiten wie die Umsiedlung von Zigtausend Menschen und die Kontamination ganzer Landstriche inklusive des pazifischen Ozeans nicht so aufbauschen!
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Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
DPA
In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
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Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.

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