Atomruine Fukushima Betreiber Tepco will alle Reaktoren dauerhaft stilllegen

Nicht nur die havarierten, auch die unbeschädigten Reaktoren der Atomruine Fukushima werden nicht mehr in Betrieb genommen. Für den Beschluss brauchte es allerdings den Druck der Menschen in Japan - und eine Änderung in der Buchführung des Tepco-Konzerns.

Sicherheitsmitarbeiter am Reaktor 4 des havarierten Atomkraftwerks (7. November 2013): Betreiber Tepco will Teile des AKW zu Forschungszwecken freigeben
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Sicherheitsmitarbeiter am Reaktor 4 des havarierten Atomkraftwerks (7. November 2013): Betreiber Tepco will Teile des AKW zu Forschungszwecken freigeben


Tokio - Der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima will nun auch zwei weitgehend unbeschädigte Reaktoren des AKW dauerhaft stilllegen. Die zum Zeitpunkt des Unglücks im Jahr 2011 zu Routineinspektionen abgeschalteten und deshalb relativ intakt gebliebenen Meiler 5 und 6 werden ebenfalls permanent außer Dienst gestellt, wie das japanische Unternehmen Tepco am Mittwoch mitteilte. Diesen Beschluss habe der Vorstand der Betreiberfirma gefällt.

Das Atomkraftwerk Fukushima verfügte über sechs Reaktoren, als es im März 2011 von einer Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe zerstört wurde. Die Reaktoren 1 bis 4 wurden schwer beschädigt, in dreien von ihnen kam es zu einer Kernschmelze und dem Austritt radioaktiver Substanzen, die weite Teile der umliegenden Region verstrahlten. Tausende Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser, das zu Kühlzwecken an den beschädigten Reaktoren eingesetzt und anschließend in Tanks gelagert wird, gelangten in den Pazifischen Ozean.

Vier Jahrzehnte bis zur Unschädlichkeit

Japans Regierung und Öffentlichkeit hatten Tepco unter Druck gesetzt, die Reaktoren nicht wieder in Betrieb zu nehmen. Der Beschluss zur vollständigen Stilllegung fiel jedoch erst, nachdem die Buchführungsregeln dahingehend geändert worden waren, dass keine massiven Abschreibungsverluste entstehen.

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Fukushima: Risikofaktor Abklingbecken

Tepco erwägt nun nach eigenen Angaben, die Reaktoren 1 bis 4 für Forschungszwecke nutzbar zu machen. Die Betreiberfirma und die japanische Regierung gehen davon aus, dass es ungefähr vier Jahrzehnte dauern dürfte, die havarierten Meiler komplett unschädlich zu machen und abzubauen.

Mitte November hatte in der Atomruine die Bergung von rund 1500 Brennstäben aus dem Abklingbecken eines beschädigten Reaktorgebäudes begonnen. Die in einem Becken in rund 30 Metern Höhe von kleinen Trümmerteilen umgebenen Brennstäbe gelten neben den täglich zunehmenden Massen verseuchten Wassers als eine der größten Gefahrenquellen auf dem AKW-Gelände.

Das Bergen von Brennstäben aus Abklingbecken gehört normalerweise zur Routinearbeit in Atomkraftwerken. Die hohe Strahlenbelastung auf dem Kraftwerksgelände und Beschädigungen am Reaktorgebäude 4 erschweren die Arbeiten jedoch. So sind bei der Wasserstoffexplosion Trümmerteile in das Abklingbecken gefallen und befinden sich nun neben den Brennstäben.

Die Umlagerung gilt als erster großer Schritt zur Stilllegung des AKW. Der vollständige Rückbau der Anlage dürfte etwa 30 bis 40 Jahre dauern. Die größte Herausforderung sind dabei zweifellos die Reaktoren 1 bis 3, in denen es jeweils zu einer Kernschmelze gekommen ist.

Atomruine Fukushima: Die aktuelle Lage auf dem Gelände
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1) Um die nach wie vor sehr heißen Reaktorkerne zu kühlen, pumpt Tepco pro Tag etwa 400 Tonnen Wasser von oben in die Gebäude des havarierten AKW.

2) Die Gebäude sind durch Explosionen jedoch so schwer beschädigt, dass die gleiche Menge Wasser pro Tag aus dem Reaktorbereich in die unteren Stockwerke läuft. Zu allem Überfluss dringt von unten Grundwasser in die Reaktorgebäude ein und mischt sich mit dem kontaminierten Wasser von oben. Tepco pumpt alles wieder ab, um ein Auslaufen ins Meer oder zurück ins Grundwasser zu verhindern. Das abgepumpte Wasser - bis zu tausend Tonnen pro Tag - wird dann mit Ionenaustauschern gefiltert und entsalzen.

3) Ein Teil des gefilterten Wassers wird wieder zur Kühlung eingesetzt - aber trotzdem bleibt ein täglicher Überschuss von etwa 400 Tonnen. Dieses Wasser wird dann in schnell zusammengebaute Tanks gepumpt und gelagert (rot eingefärbt). Aus diesen Behältern ist in den vergangenen Wochen immer wieder kontaminiertes Wasser ausgetreten.
Die Wassertanks:
Etwa tausend solche Behälter gibt es bereits auf dem Reaktorgelände, in ihnen lagern rund 335.000 Tonnen Wasser. Die eilig aufgestellte Behälter haben teils bereits Lecks - so bilden sich auf dem Kraftwerksgelände stark strahlende Pfützen.

Zustand der Reaktoren
In den Reaktoren 1 bis 3 ist es zu einer Kernschmelze gekommen. Das Abklingbecken von Reaktor 4 ist mit Brennstäben gefüllt.

Ein Eispanzer als Schutz
Ein unterirdischer Eisring um die Reaktoren 1 bis 4 soll das Problem des kontaminierten Wassers lösen und das Areal endlich abdichten. Tepco plant eine sogenannte Bodenvereisung. Dabei werden Kühlrohre in den Boden unter den Reaktoren eingeführt und durch sie hindurch eine Kühlflüssigkeit geleitet. Die Kühlflüssigkeit, die in der Regel aus Salzwasser besteht und eine Temperatur von rund minus 35 Grad hat, kühlt den Boden in der Nähe des Rohres so weit herunter, bis das Grundwasser im Boden gefriert. Durch den so gebildeten Eisring kann Wasser innerhalb des Rings nun nicht mehr nach außen dringen, und auch von außen kann kein Grundwasser mehr einfließen.

nik/afp



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pitterw 18.12.2013
1. Druck der Menschen in Japan?
Zitat von sysopREUTERSNicht nur die havarierten, auch die unbeschädigten Reaktoren der Atomruine Fukushima werden nicht mehr in Betrieb genommen. Für den Beschluss brauchte es allerdings den Druck der Menschen in Japan - und eine Änderung in der Buchführung des Tepco-Konzerns. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/fukushima-akw-betreiber-will-alle-reaktoren-dauerhaft-stilllegen-a-939849.html
Hierbei handelt es sich wohl mehr um ein zärtliches Tätscheln als um „Druck“, sonst hätte man diese „Firma“ schon lange enteignet und die Bosse ins Gefängnis gesteckt, vorzugsweise im Rahmen japanisch-amerikanischer Freundschaft nach Guantanamo. Falls jemand den Frontal-Bericht gestern mnicht gesehen hat, hier der Link: http://www.zdf.de/Frontal-21/Frontal21-vom-17.-Dezember-2013-31148542.html Ich betrachte mich als einen in der Wolle gefärbten Befürworter von Kernkraftwerken mit langjähriger Erfahrung. Aber bei dem Namen Tepco wird mir sogar schlecht und ich muß über manchen Eiferer milder denken.
Red Herring 18.12.2013
2. Forschung?
---Zitat von SPON--- Der Beschluss zur vollständigen Stilllegung fiel jedoch erst, nachdem die Buchführungsregeln dahingehend geändert worden waren, dass keine massiven Abschreibungsverluste entstehen. (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/fukushima-akw-betreiber-will-alle-reaktoren-dauerhaft-stilllegen-a-939849.html) ---Zitatende--- *Verluste* wären ja auch noch schöner, man baut doch keine sauteuren Kernkraftwerke, nur damit sie kaputtgehen und man *Verluste* macht. Außerdem sind das bestimmt noch zwei ganz ausgezeichnete Reaktoren, die allseits Vertrauen genießen und toll vor Erdbeben geschützt sind. ---Zitat von SPON--- Tepco erwägt nun nach eigenen Angaben, die Reaktoren 1 bis 4 für Forschungszwecke nutzbar zu machen. (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/fukushima-akw-betreiber-will-alle-reaktoren-dauerhaft-stilllegen-a-939849.html) ---Zitatende--- Was könnte da wohl so geforscht werden?
Pango 18.12.2013
3. Prioritäten?
Verstehe ich das richtig: die Buchführung musste geändert werden, bevor ein Abbau der Atomruine en vogue wurde? Die unglaubliche Verachtung, mit der Tepco der japansichen Bevölkerung begegnet, wäre in Deutschland undenkbar! Es stelle sich einer vor, ein Konzern stückelt an einem schwer beschädigten AKW herum, haarscharf dem Supergau entronnen, Jahre später ohne Konzept zur richtigen Sicherung - und dann wird noch herumgetrödelt, um die Quartalszahlen aufzupolieren! Abscheulich ... Die Tepco-Historie geht als "Worst Practice" in die Wirtschaftsgeschichte ein.
Andalusier 18.12.2013
4. So entsteht "billiger" Atomstrom !
Zitat von sysopREUTERSNicht nur die havarierten, auch die unbeschädigten Reaktoren der Atomruine Fukushima werden nicht mehr in Betrieb genommen. Für den Beschluss brauchte es allerdings den Druck der Menschen in Japan - und eine Änderung in der Buchführung des Tepco-Konzerns. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/fukushima-akw-betreiber-will-alle-reaktoren-dauerhaft-stilllegen-a-939849.html
Ein weiteres Beispiel dafür wie Atom-Strom billiger gerechnet wird: Es wird einfach die Buchführung geändert, anstatt höhere Kosten richtig zu kalkulieren.
mirror@13 18.12.2013
5. Tätscheln
Zitat von pitterwHierbei handelt es sich wohl mehr um ein zärtliches Tätscheln als um „Druck“, sonst hätte man diese „Firma“ schon lange enteignet und die Bosse ins Gefängnis gesteckt, vorzugsweise im Rahmen japanisch-amerikanischer Freundschaft nach Guantanamo. Falls jemand den Frontal-Bericht gestern mnicht gesehen hat, hier der Link: http://www.zdf.de/Frontal-21/Frontal21-vom-17.-Dezember-2013-31148542.html Ich betrachte mich als einen in der Wolle gefärbten Befürworter von Kernkraftwerken mit langjähriger Erfahrung. Aber bei dem Namen Tepco wird mir sogar schlecht und ich muß über manchen Eiferer milder denken.
Man kann das ganze auch als das größte Verbrechen an Japan und der Menschheit der letzten 1000 Jahre ansehen: http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2013/10/16/nochmal-fukushima-und-die-erdbeben-luge-das-japanische-911-heist-311/
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