Fukushima-Atomunfall: Erhöhte Strahlung in Japans größtem Teegebiet

Die Hiobsbotschaften aus Japan nehmen kein Ende. Jetzt melden die Behörden, dass weit entfernt vom Katastrophen-Atomkraftwerk Fukushima radioaktiv belasteter grüner Tee entdeckt wurde. Betroffen ist ausgerechnet das größte Anbaugebiet des Landes.

Teeernte in Japan: Erhöhte Strahlung in größtem Anbaugebiet des LandesZur Großansicht
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Teeernte in Japan: Erhöhte Strahlung in größtem Anbaugebiet des Landes

Tokio - Genau drei Monate nach Beginn der Atomkatastrophe in Fukushima nimmt die radioaktive Kontamination in Japan immer größere Ausmaße an. Jetzt wurde auch in grünem Tee in Japans größter Teeanbau-Provinz Shizuoka - 370 Kilometer südwestlich von der Atomruine Fukushima - erhöhte radioaktive Strahlung gemessen.

Wie die lokalen Behörden bekanntgaben, wurden in getrockneten Teeblättern aus dem Anbaugebiet Warashina in der Provinz Shizuoka eine Cäsium-Belastung von 679 Becquerel pro Kilogramm festgestellt. Der offiziell erlaubte Grenzwert liegt bei 500 Becquerel. Die Strahlung sei wahrscheinlich auf den Unfall in Fukushima zurückzuführen, hieß es.

Grüner Tee aus Japan wird in aller Welt für seine gesundheitsfördernde Wirkung hoch geschätzt. Die Regierung hatte kürzlich entschieden, Auslieferungen von grünem Tee aus einigen Anbaugebieten in den näher an Fukushima gelegenen Provinzen Ibaraki und Chiba sowie Kanagawa und Tochigi zu stoppen. Anlass waren Messwerte in Proben von mehr als 500 Becquerel. Japan hat im vergangenen Jahr 83.000 Tonnen an getrockneten Teeblättern produziert. Davon entfielen 40 Prozent auf Shizuoka.

Auch Bewohner in der 250 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio sorgen sich zunehmend vor Verstrahlung. Die Stadtverwaltung beschloss, ab Mitte dieses Monats an 100 Stellen der Stadt zu messen. Einzelne Stadtteile haben bereits mit eigenen Strahlenmessungen begonnen.

Neue Anlage soll Hunderttausende Liter Wasser dekontaminieren

Derweil begann der Energiekonzern Tepco am Freitag damit, in der Atomruine in Fukushima eine neue Dekontaminierungsanlage zu testen. Der einwöchige Versuch soll sicherstellen, dass die Anlage die gewaltigen Wassermassen säubern kann, mit denen die beschädigten Reaktoren gekühlt werden.

Das System soll bis März 2012 täglich 1200 Tonnen Wasser von radioaktiven Materialien befreien. Die Reparaturtrupps des AKW setzen seit Monaten große Mengen Wasser ein, um die beschädigten Reaktoren zu kühlen. Die strahlende Brühe behindert die Reparaturarbeiten an den Kühlsystemen. Im zerstörten AKW schwappen nach Angaben von Tepco mehr als 100.000 Tonnen hochgradig kontaminiertes Wasser.

Am Freitag wurde einer der Arbeiter in der Atomruine bewusstlos mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht. Der zwischen 40 und 50 Jahre alte Mann hatte am Vortag chemische Bindemittel versprüht, die eine Ausbreitung der radioaktiven Partikel verhindern sollen. Am Freitagmorgen sei er dann aus noch ungeklärter Ursache bewusstlos in einer Unterkunft gefunden worden, berichtete die Agentur Jiji Press unter Berufung auf Tepco.

Derweil hausen noch immer zigtausende Menschen in Notlagern. Auch türmen sich in den Katastrophengebieten weiter Berge an Trümmern.

Wirtschaftsminister warnt vor Stromknappheit

Japans Wirtschaftsminister Banri Kaieda hat angesichts zahlreicher abgeschalteter Atomkraftwerke im Land vor einer Stromknappheit gewarnt. Es drohe ein Rückgang der Energieproduktion, sollten die Energiekonzerne ihre Meiler im von dem Tsunami am 11. März verschonten Westen des Landes nicht bald wieder hochfahren dürfen, sagte Kaieda nach Berichten der Nachrichtenagentur Jiji. Dies könne "ernsthafte Folgen für die japanische Wirtschaft" haben, die ihre Produktion von der Unglücksregion in andere Teile des Landes verlegt habe oder noch verlegen wolle.

Seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima als Folge eines starken Erdbebens mit anschließendem Tsunami sind nur rund 20 der mehr als 50 japanischen Atomreaktoren in Betrieb. In der Unglücksregion im Nordosten des Landes wurden rund 15 Reaktoren beschädigt oder vorsichtshalber heruntergefahren. Weitere Reaktoren in anderen Landesteilen sind wegen Instandhaltungsmaßnahmen nicht in Betrieb oder durften nach Wartungsarbeiten ebenfalls als Vorsichtsmaßnahme nicht wieder ans Netz gehen.

Zudem wurden in Bodenproben im japanischen Katastrophengebiet weitere Spuren von radioaktivem Strontium entdeckt. Der gefährliche Stoff sei an elf verschiedenen Standorten in der Provinz Fukushima gefunden worden, wo auch das havarierte Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi steht, gab das Wissenschaftsministerium am Donnerstag bekannt. Eine Spur von Strontium wurde erstmals auch in der gleichnamigen Provinzhauptstadt Fukushima gefunden.

Nach Aussagen der Atomaufsichtsbehörde sei es aber unwahrscheinlich, dass das Strontium eine unmittelbare Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellt, meldete die Agentur Kyodo. Strontium kann sich im menschlichen Körper an Knochen ablagern und Leukämie auslösen.

Erst kürzlich hatte der Betreiber Tepco in Bodenproben vom AKW-Gelände Spuren an Strontium festgestellt. Bereits im März war auch im Boden und in Pflanzen in der Stadt Namie sowie dem Dorf Iitate, rund 30 Kilometer von der Atomruine entfernt, Strontium entdeckt worden.

mbe/dpa/AFP

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insgesamt 138 Beiträge
capitain_future 10.06.2011
Hiroshima,Nagasaki ,Fukushima? Was passiert ist ,ist passiert.Da wird keiner etwas ändern können. Aber wenn Sie schon auf einer Erdbeben Insel mehr als 50 Atomreaktoren bauen,dann sollten Sie auch zusehen,das Sie diese [...]
Zitat von sysopDie*Hiobsbotschaften aus Japan nehmen kein Ende. Jetzt melden die Behörden, dass weit entfernt vom Katastrophen-Atomkraftwerk Fukushima radioaktiv belasteter grüner Tee entdeckt wurde. Betroffen ist ausgerechnet das größte Anbaugebiet des Landes. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,767724,00.html
Hiroshima,Nagasaki ,Fukushima? Was passiert ist ,ist passiert.Da wird keiner etwas ändern können. Aber wenn Sie schon auf einer Erdbeben Insel mehr als 50 Atomreaktoren bauen,dann sollten Sie auch zusehen,das Sie diese Risiko Teile auch schnell genug "loswerden". Vielleicht einen auf einen Schiff vor der Küste? Aber ich schätze Japan hat wohl das KnowHow um -in Zukunft- Atomreaktoren zubauen,die Sie nach Erdbeben oder Störfälle per Spezial Last Hubschrauber im Meer senken könnten oder gleich per Rakete ins All schießen könnten. Dann gebe es heute wahrscheinlich kein Fukushima und deren radioaktiven Fallout.
ceepcool 10.06.2011
"Spuren von Strontium" - ohne Angabe der Aktivität macht diese Meldung für eine Beurteilung einer Gefahr wenig Sinn. Gewisse Spuren kann man immer finden, z.B. auch aus den früheren atmosphärischen Kernwaffentests. Und [...]
Zitat von sysopDie*Hiobsbotschaften aus Japan nehmen kein Ende. Jetzt melden die Behörden, dass weit entfernt vom Katastrophen-Atomkraftwerk Fukushima radioaktiv belasteter grüner Tee entdeckt wurde. Betroffen ist ausgerechnet das größte Anbaugebiet des Landes. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,767724,00.html
"Spuren von Strontium" - ohne Angabe der Aktivität macht diese Meldung für eine Beurteilung einer Gefahr wenig Sinn. Gewisse Spuren kann man immer finden, z.B. auch aus den früheren atmosphärischen Kernwaffentests. Und welches Strontium denn, Sr-90, Sr-89, oder gar natürliches inaktives?
litholas 10.06.2011
40% Tee mit 680bq/kg macht 100% Tee mit 272bq/kg. Auf das Informationszeitalter folgt das Zeitalter der Lebensmittelpanscher. In dem legen die bq/kg-Grenzwerte der Lebensmittelgesetze fest, wie viel Radionuklide der [...]
40% Tee mit 680bq/kg macht 100% Tee mit 272bq/kg. Auf das Informationszeitalter folgt das Zeitalter der Lebensmittelpanscher. In dem legen die bq/kg-Grenzwerte der Lebensmittelgesetze fest, wie viel Radionuklide der Ottonormalesser jeden Tag ganz sicher herunterwürgt.
Tiradentes 10.06.2011
Wundern tut mich an dieser Meldung nur noch der verwunderte Ton: Es war doch längst klar, daß dies die Folgen dieser Atom-Katastrophe sind, die Tschernobyl noch weit - und zwar gleich in mehreren Kernkraftwerken auf einmal - in [...]
Wundern tut mich an dieser Meldung nur noch der verwunderte Ton: Es war doch längst klar, daß dies die Folgen dieser Atom-Katastrophe sind, die Tschernobyl noch weit - und zwar gleich in mehreren Kernkraftwerken auf einmal - in den Schatten stellt.
No_Name 10.06.2011
wenn sich diese spuren, im vergleich zu ältere referenzuntersuchungen, nun in erhöhter konzentration finden ist schon anzunehmen, dass die aus fuko kommen...
Zitat von ceepcool"Spuren von Strontium" - ohne Angabe der Aktivität macht diese Meldung für eine Beurteilung einer Gefahr wenig Sinn. Gewisse Spuren kann man immer finden, z.B. auch aus den früheren atmosphärischen Kernwaffentests. Und welches Strontium denn, Sr-90, Sr-89, oder gar natürliches inaktives?
wenn sich diese spuren, im vergleich zu ältere referenzuntersuchungen, nun in erhöhter konzentration finden ist schon anzunehmen, dass die aus fuko kommen...
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  • Freitag, 10.06.2011 – 16:00 Uhr
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Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
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Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.




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