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18. Juli 2012, 09:47 Uhr

Fukushima

Erste Brennstäbe aus Abklingbecken entfernt

In den Abklingbecken der zerstörten Reaktoren von Fukushima liegen noch immer größere Mengen an strahlendem Material. Nun hat die Betreiberfirma damit begonnen, die ersten Brennstäbe herauszuholen. Sie sollen in ein Zwischenlager kommen.

Tokio - Es ist ein mühsamer Anfang. Insgesamt 1535 Brennstäbe liegen im Abklingbecken im Block 4 des havarierten Atomkraftwerks Fukushima in Japan. Die Betreiberfirma hat nun damit begonnen, die ersten von ihnen aus dem mit Stahl ausgekleideten Betonpool zu holen. Die Brennstäbe sollen nun in die sicherere Umgebung eines Zwischenlagers gebracht werden. Das Abklingbecken und sein Inhalt gelten als hohes Sicherheitsrisiko.

Auf japanischen Fernsehaufnahmen war am Mittwoch zu sehen, wie große Kräne zunächst zwei der jeweils vier Meter langen Brennstäbe herausnahmen. Die Betreiberfirma Tepco habe am Mittwoch mit dieser Arbeit begonnen, teilte die Atomaufsichtsbehörde der japanischen Regierung mit.

Abklingbecken dienen dazu, die noch immer heißen Kernbrennstäbe aus einem Reaktor nach dem Ende ihrer Einsatzzeit langsam abzukühlen. Dafür werden sie mit größeren Mengen an Wasser bedeckt. Wegen der sogenannten Nachzerfallswärme des Atommaterials muss das Wasser permanent ausgetauscht werden, zum Teil jahrelang.

Auf dem Gelände des Kraftwerks Fukushima-Daiichi war es nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe im März 2011 zu mehreren Kernschmelzen und Explosionen gekommen. In Block 4 hatte es am 15. März gegen 6 Uhr eine mächtige Wasserstoffexplosion gegeben. Dabei war der Block zum Zeitpunkt des Erdbebens gar nicht am Netz.Im Abklingbecken lag daher neben verbrauchten Brennstäben auch der Kern des gerade in Reparatur befindlichen Reaktors.

Nach einer ersten Theorie war Wasserstoff, entstanden an alten Brennelementen im Abklingbecken des Blocks 4, Schuld an der Explosion. Doch mittlerweile scheint festzustehen, dass das hochexplosive Gas durch Lüftungsrohre von Block 3 ins Nachbargebäude gelangt war - weil die Reaktoren nicht sauber voneinander getrennt waren.

Mit dem Fortschreiten der Aufräumarbeiten versucht Japan auch zur Normalität zurückzukehren. Ein erster Atomreaktor ist wieder am Netz, ein zweiter soll in Kürze folgen. In der Präfektur Fukushima ist Anfang der Woche erstmals wieder ein Strand für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Am Montag stürzten sich 1000 Wagemutige in Nakoso, nur 65 Kilometer vom Katastrophenmeiler entfernt, in die Fluten.

chs/dapd

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