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Fukushima-Flüchtlinge: "Ihr könnt dort nicht mehr leben"

Havariertes Atomkraftwerk: Die Aussicht auf Rückkehr ist minimal Zur Großansicht
REUTERS

Havariertes Atomkraftwerk: Die Aussicht auf Rückkehr ist minimal

Lange hat die japanische Regierung beschwichtigt und den Fukushima-Opfern falsche Hoffnung gemacht - nun gibt erstmals ein hochrangiger Politiker zu: Eine Rückkehr in die radioaktiv verseuchte Heimat ist wohl ausgeschlossen. "Aber ihr bekommt Entschädigung."

Tokio - Es ist eine Kehrtwende in der japanischen Politik. Erstmals hat ein führender Vertreter der japanischen Regierungspartei zugegeben, dass eine Rückkehr aller Flüchtlinge der Atomkatastrophe von Fukushima in ihre Heimat kaum möglich ist. "Es kommt die Zeit zu sagen: Ihr könnt dort nicht mehr leben, aber ihr erhaltet Entschädigung", sagte der Generalsekretär der Liberaldemokraten, Shigeru Ishiba in der Sonntagsausgabe der Zeitung "Asahi Shimbun". Die Regierung müsse die Gebiete benennen, die wegen der radioaktiven Verseuchung niemals mehr bewohnbar sein würden.

Die Frage der Rückkehr ist in Japan politisch brisant. Bislang hat die Regierung allen Vertriebenen Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Heimatorte gemacht.

150.000 Menschen flohen 2011 nach der atomaren Katastrophe aus dem Gebiet um das nördlich von Tokio gelegenen Atomkraftwerk Fukushima. Ein Erdbeben und ein Tsunami hatten zu einer Kernschmelze und Explosionen in den Reaktoren geführt und große Mengen Radioaktivität freigesetzt.

Noch immer tritt radioaktive Stahlung aus

Auch heute noch tritt immer wieder verseuchtes Wasser aus. In den vergangenen Wochen sind auf dem Meeresboden in einem Gebiet von rund 400 Quadratkilometern zahlreiche Stellen mit hoher radioaktiver Strahlung entdeckt worden. "Wenn diese andauernden Freisetzungen nicht gestoppt werden, könnten wir jedoch ein weiteres Umweltdesaster riskieren", urteilt Atsunao Marui vom Geologischen Dienst Japans.

Bislang sind alle Versuche gescheitert, das strahlende Grundwasser mit Barrieren im Erdboden zurückzuhalten. Mehrere Versuche, den Boden abzudichten, sind gescheitert. Nun setzt die Betreiberfirma Tepco auf ein Experiment: Bis 2015 will das Unternehmen den Untergrund um die vier Anlagen einfrieren und sie so vollkommen vom Grundwasser isolieren.

Experten zweifeln allerdings, ob sich die verstrahlte Anlage auf diese Weise dauerhaft von der Umwelt abschotten lässt. "So etwas ist noch nie versucht worden ", sagt Conrad Boley von der Universität der Bundeswehr München der "Welt". Die energieaufwendige Kühlung des Eiswalls müsse womöglich über Jahrzehnte hinweg aufrecht erhalten bleiben. "Der Strom für die Kühlung darf niemals für längere Zeit ausfallen."

mik/Reuters

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1. Dafür hatten ....
msdelphin 03.11.2013
die Betroffenen ein paar Jahre günstigen Atomstrom. Zumindest versuchen uns das immer die Befürworter von Kernenergie weiszumachen. Aber hier kann man sehr deutlich erkennen: Der ach so (kurzfristige) günstige Atomstrom ist deswegen soor günstig, weil er die gigantischen Folgekosten auf später und insbesondere die zig-fachen nachfolgenden Generationen verlagert. Außerdem werden diese Kosten der Allgemeinheit nicht über den Strompreis präsentiert sondern über andere Steuern. Mit anderen Worten: Kernenergie ist die mit riesigen Abstand am höchsten subventionierte Branche überhaupt.
2. Die Überschrift könnte bald für ganz Japan gelten
TippiToppi 03.11.2013
- 'Neue Probleme in Fukushima: In Reaktor 2 des japanischen AKW Fukushima Daichii gibt es Anzeichen von erneuter Kernspaltung', 02.11.2013 (http://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/nachrichten/artikel/neue_kernspaltung_in_fukushima/) Zusätzliche Gefahr ausgehend von den in Daichii/Fukushima gelagerten abgebrannten mehr als 11.000 Brennelemente sowie auch 32 Mischoxid-Brennelementen [MOX-Plutonium-Brennstäbe], die eine Mischung aus Urandioxid und Plutoniumdioxid enthalten: - 'Fukushima: „Die Brennelemente müssen da unbedingt heraus“ ', 01.10.2013 (http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/01/fukushima-die-brennelemente-muessen-unbedingt-heraus/) - 'Sturm-Warnung in Fukushima: Größte Krise der Menschheit droht ', 01.10.2013 (http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/01/sturm-warnung-in-fukushima-groesste-krise-der-menschheit-droht/) - 'Fukushima: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rettung gelingt, geht gegen Null“ ', 09.10.2013 (http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/09/fukushima-die-wahrscheinlichkeit-dass-die-rettung-gelingt-geht-gegen-null/) - 'Nuklear-Experte: „Die Lage in Fukushima ist katastrophal“ ', 21.10.2013 (http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/21/nuklear-experte-die-lage-in-fukushima-ist-katastrophal/) Der Pazifik wird auch seit 2.5 Jahren radioaktiv verseucht: - '28 Belege dafür, dass die ganze Westküste der USA durch radioaktiven Fallout aus Fukushima belastet ist', 21.10.2013 (http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP16413_301013.pdf) - 'The ocean is broken', 18.10.2013 ( http://www.theherald.com.au/story/1848433/the-ocean-is-broken/ ) "The next leg of the long voyage was from Osaka to San Francisco and for most of that trip the desolation was tinged with nauseous horror and a degree of fear. 'After we left Japan, it felt as if the ocean itself was dead,' Macfadyen said. 'We hardly saw any living things. We saw one whale, sort of rolling helplessly on the surface with what looked like a big tumour on its head. It was pretty sickening.' 'I've done a lot of miles on the ocean in my life and I'm used to seeing turtles, dolphins, sharks and big flurries of feeding birds. But this time, for 3000 nautical miles there was nothing alive to be seen.' " - 'China wird nervös: Fukushima zerstört Pazifik, gefährdet Menschheit', 12.10.2013 (http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/12/china-wird-nervoes-fukushima-zerstoert-pazifik-gefaehrdet-menschheit/)
3.
appenzella 03.11.2013
Wenn man dort ein neues Atomkraftwerk baut, kann man damit den zur Kühlung benötigten Strom billig und sicher erzeugen.
4. Da..
mundusvultdecipi 03.11.2013
Zitat von msdelphindie Betroffenen ein paar Jahre günstigen Atomstrom. Zumindest versuchen uns das immer die Befürworter von Kernenergie weiszumachen. Aber hier kann man sehr deutlich erkennen: Der ach so (kurzfristige) günstige Atomstrom ist deswegen soor günstig, weil er die gigantischen Folgekosten auf später und insbesondere die zig-fachen nachfolgenden Generationen verlagert. Außerdem werden diese Kosten der Allgemeinheit nicht über den Strompreis präsentiert sondern über andere Steuern. Mit anderen Worten: Kernenergie ist die mit riesigen Abstand am höchsten subventionierte Branche überhaupt.
..denken einige anders.Vielleicht sollte man den deutschen ,ökophoben EE Hassern günstige Grundstücke in der Region Fukushima zu kommen lassen;dann müssen sie hier in D nicht mehr den "überteuerten "Strom bezahlen....;-)
5.
C. Schmidt 03.11.2013
Das ist dann wohl eher eine politische Entscheidung. Von wenigen Hotspots abgesehen dürfte die Belastung des Großteils des Gebietes geringer sein als in vielen anderen (und dicht besiedelten) Orten auf der Welt. Im größten Teil der evakuierten Zone ist die radioaktive Belastung nicht höher als im Schwarzwald. Natürlich muss man auch schauen, was Spiegel Online schreibt und was der Politiker gesagt hat. Zwischen "Eine Rückkehr ist ausgeschlossen" im Teaser und "es werden nicht alle zurückkehren können" ist ja auch ein riesiger Unterschied.
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Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.


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