Fukushima: Japan startet Massen-Krebstest für Kinder

In der Region Fukushima müssen sich rund 360.000 Kinder und Jugendliche einer Krebsvorsorge unterziehen: Die Schilddrüse könnte durch die Atomkatastrophe geschädigt sein. Experten überprüfen zudem Schulen und Bauernhöfe auf radioaktive Strahlung.

Zerstörtes AKW in Fukushima: Umfangreiche Tests in der Umgebung geplant Zur Großansicht
REUTERS/ TEPCO

Zerstörtes AKW in Fukushima: Umfangreiche Tests in der Umgebung geplant

Tokio - Im Katastrophengebiet rund um das havarierte AKW Fukushima laufen die Dekontaminierungsarbeiten auf Hochtouren. Nun ist ein Expertenteam der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in der japanischen Stadt eingetroffen. Das zwölfköpfige Team will Bauernhöfe, Schulen und Regierungsgebäude in der Präfektur Fukushima im Nordosten von Japan besuchen.

Ebenfalls am Sonntag begannen Ärzte mit der medizinischen Untersuchung von Kindern und Jugendlichen in der Region. Geplant ist ein gigantisches Testprojekt: Rund 360.000 Anwohner, die zum Zeitpunkt der Natur- und Atomkatastrophe unter 18 Jahre alt waren, sollen auf Unregelmäßigkeiten der Schilddrüse untersucht werden. Am Sonntag wurden die ersten 100 Kinder überprüft.

Schilddrüsen junger Menschen sind wesentlich anfälliger für Krebs als die Organe Erwachsener, wenn sie Strahlung ausgesetzt sind. So wurden nach der Havarie des Atomkraftwerks in Tschernobyl 1986 mehr als 6000 Fälle von Schilddrüsenkrebs in der Region registriert.

In Japan sollen die jungen Leute künftig regelmäßig untersucht werden. Bis zum Alter von 20 Jahren sind zweijährliche Überprüfungen ihres Gesundheitszustands geplant, danach sollen sie alle fünf Jahre untersucht werden.

Arbeiten sollen bis März 2014 dauern

Es ist die zweite große Mission der IAEA in Japan seit Beginn der Atomkrise vor sieben Monaten. Die Gegend war am 11. März erst von einem Erdbeben und dann von einem Tsunami getroffen worden. Dabei waren knapp 20.000 Menschen ums Leben gekommen, im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi kam es zur Kernschmelze. Noch immer können Zehntausende Menschen wegen des Austritts von Radioaktivität nicht in ihre Häuser zurückkehren.

Bei den Dekontaminationsarbeiten wurden öffentliche Gebäude in der Region gereinigt und die oberen Erdschichten in Parks und Schulhöfen abgetragen. Die Planung der Arbeiten gilt als kompliziert, da einige Gebiete in der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks von der Strahlung weitgehend verschont wurden, während andere Region sehr stark verstrahlt worden sind.

Nach einem Bericht der Zeitung "Asahi" rechnet die japanische Regierung damit, dass die Dekontaminierung der Gebiete außerhalb der Sperrzone bis März 2014 dauern wird.

jok/dapd

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1. Finde ich toll
Chris110 09.10.2011
Ich hätte eigentlich erwartet, dass man dies alles unter den Teppich kehrt. Japan leistet im Rahmen eines Mega-Desasters eigentlich recht gute, transparente Arbeit, oder? So scheint es mir.
2.
Ferdi 09.10.2011
stimmt. vom ministerium wurden zB vom ersten tag an stündliche belastungswerte für alle präfekturen in luft, regen und trinkwasser ins internet gestellt. in den deutschen medien wurde dagegen der eindruck erweckt, das würde alles verheimlicht und der dumme japaner merkt es nichtmal - dabei ist strahlung so einfach zu messen wie die temperatur. und währrend dort alle einfach das beste aus der beschissenen situation gemacht haben, wird hier massenpanik geschoben. in ca 90% von japan ist die strahlung, aufgrund der insellage und radioaktivem gestein in deutschland übrigends halb so hoch wie hier. wer im mittelgebirge mal in seinem keller misst kommt auch oft auf 100fach erhöhte werte. aber der musterdeutsche belächelt nunmal lieber die japaner, oder auch chinesen, griechen, amis usw.
3.
Marginalius 09.10.2011
Zitat von Chris110Ich hätte eigentlich erwartet, dass man dies alles unter den Teppich kehrt. Japan leistet im Rahmen eines Mega-Desasters eigentlich recht gute, transparente Arbeit, oder? So scheint es mir.
Naja. Die Arbeit leistet ja eigentlich die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA). Japan sträubt sich nur nicht dagegen. Auch in der damaligen Sowjetunion hat es ja solche Untersuchungen gegeben. Von daher macht Japan erstmal noch nichts besser, was die Sowjetunion nicht auch schon gemacht hat. Aber auch in Japan wird immer noch eine Menge unter den Teppich gekehrt. Beispielsweise sind sämtliche Arbeiter, die da in Fukushima und Umgebung den Dreck wegräumen müssen, vertraglich dazu gezwungen worden, über nichts, was sie dort sehen, erfahren und mitbekommen, mit der Presse oder sonstirgendjemandem zu reden. Journalisten oder unabhängige, wissenschafliche Untersuchungskommissionen bekommen keinen Zutritt zu dem Gelände oder auch nur der Sperrzone. Mit Transparenz hat das nicht sehr viel zu tun. Und dass, wie zu erwarten, natürlich der japanische Staat mit japanischen Steuergeldern in Form von Staatshilfen für Tepco für nahezu die gesamten Kosten aufkommen muss, macht die Sache auch nicht transparenter, denn nun hat auch der japanische Staat an sich ein Interesse daran, dass nicht allzuviele Kenntnisse der auch finanziellen Vorgänge an die Bevölkerung durchsickert. Aber es ist immerhin ein gutes Zeichen, dass die Japaner mit der IAEA zusammenarbeiten und die Auswirkungen untersuchen. Das muss aber wahrscheinlich schon aus juristischen Gründen zwingend gemacht werden, da das ganze ja auch Auswirkungen auf spätere Entschädigungsforderungen haben wird, obwohl sich auch da jeder schon jetzt ausmalen kann, wer dann in Japan für derartige Zahlungen wieder aufkommen muss. Viele Grüße
4. Weiss man nicht
gorge11 09.10.2011
Zitat von Chris110Ich hätte eigentlich erwartet, dass man dies alles unter den Teppich kehrt. Japan leistet im Rahmen eines Mega-Desasters eigentlich recht gute, transparente Arbeit, oder? So scheint es mir.
Die IAEA allimentiert und akkomodiert einen Riesenhaufen von Krebsärzten, aus dem (Sonder)Beitragsaufkommen, in vielen Ländern aus verschiedensten Gründen. Für sie ist es besser, sie finden's heraus, bevors's andere tun.
5. Der gemeine TEPCO Aktionär
gorge11 09.10.2011
Zitat von MarginaliusUnd dass, wie zu erwarten, natürlich der japanische Staat mit japanischen Steuergeldern in Form von Staatshilfen für Tepco für nahezu die gesamten Kosten aufkommen muss, macht die Sache auch nicht transparenter, denn nun hat auch der japanische Staat an sich ein Interesse daran, dass nicht allzuviele Kenntnisse der auch finanziellen Vorgänge an die Bevölkerung durchsickert. Aber es ist immerhin ein gutes Zeichen, dass die Japaner mit der IAEA zusammenarbeiten und die Auswirkungen untersuchen. Viele Grüße
hat schon in der Summe rund 25Mrd€ bezahlt. Für das Geld, dass man heute für alle TEPCO Aktien bekommen würde, (3Mrd) kann man gerade 1/2 Atomkraftwerk bauen können. Tepco hat Kunden für so 30 AKWs, im Prinzip, das hatte man vor. Diesem TAZ Artikel nach http://taz.de/Japanischer-Experte-ueber-Fukushima/!78742/ kostet die ganze Atomsossenpanne 250 Mrd$, also 170 Mrd€. Der rückwirkende Erzeugungspreis pro Kwh Atomstrom verdoppelt sich damit für die gesamte japanische Volskwirtschaft, (nicht nur Tepco) und liegt deutlich über vielen anderen Energieformen. Dazu kommt noch der Müll. Die Zusammenarbeit mit der IAEA vollzieht sich mit dem Vorsitzenden, der ein Japaner ist, in der Wiener Zentrale in Österreich, da wo verfassungsmässiges Atomstromverbot herrscht. Da können alle ein bischen reisen.
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Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
DPA
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.