Fukushima-Katastrophe Japans Regierung fürchtete Evakuierung Tokios

Kurz nach der Explosion des AKW Fukushima drohte Japan offenbar ein noch schlimmeres Desaster. Einer neuen Studie zufolge soll der Betreiber Tepco erwogen haben, sein Personal komplett abzuziehen. Die japanische Regierung hatte demnach Angst, Tokio evakuieren zu müssen.

AP/ TEPCO

Hamburg - Ein Jahr nach dem Atomkraft-Unglück in Fukushima werden neue Details über die dramatischen Tage bekannt. Sie verdeutlichen, wie knapp Japan an einer noch größeren Katastrophe vorbeigeschrammt ist.

Die Konfusion in den Tagen nach den Tsunamis am 11. März 2011 beim AKW-Betreiber Tepco war so groß, dass die Verantwortlichen sogar erwogen haben sollen, ihr Personal komplett vom Gelände Fukushima Daiichi abzuziehen. Die Regierung von Premierminister Naoto Kan fürchtete daraufhin eine "teuflische Kettenreaktion", die zur Evakuierung der rund 250 Kilometer entfernten Metropole Tokio hätte führen können. Wenn man Fukushima verliere, "dann wäre es nur logisch, dass wir auch Tokio verlieren", sagte Regierungsmitglied Yukio Edano laut einem bislang nicht veröffentlichten Bericht, aus dem die "New York Times" ("NYT") zitiert.

Die neue Untersuchung der Katastrophe stammt von der privaten japanischen Organisation Rebuild Japan Initiative Foundation. Sie wurde von Yoichi Funabashi gegründet, einem renommierten japanischen Journalisten, ehemals Chefredakteur der Zeitung "Asahi Shimbun". Funabashi und seine Mitarbeiter interviewten laut "NYT" mehr als 300 Personen, darunter Mitarbeiter der Regierung und von Behörden. Der 400 Seiten dicke Bericht soll in dieser Woche veröffentlicht werden.

"Seine Entscheidung hat Japan gerettet"

Auslöser der Panik in der Regierung war die Unklarheit über die Situation in einem Abklingbecken nahe des Reaktors 4, in dem rund 10.000 gebrauchte Brennstäbe lagerten. Erst nach fünf Tagen habe man dank eines Hubschrauberüberflugs klären können, dass sich in dem Becken noch genügend Wasser befinde, heißt es in dem Bericht. Ohne Wasser hätten sich die Brennstäbe unkontrolliert erhitzt - große Mengen radioaktiver Stoffe hätten austreten können.

"Wir sind gerade noch am Worst-Case-Szenario vorbeigeschrammt", sagte Funabashi. Die Öffentlichkeit habe davon aber nichts erfahren.

Funabashi wirft der Regierung Kan vor, aus Angst vor einer Panik in der Bevölkerung die Gefahren, die von dem AKW ausgingen, bewusst heruntergespielt zu haben. Trotzdem fand der Journalist lobende Worte für den später zurückgetretenen Regierungschef: "Premierminister Kan hatte Schwächen und Fehler, aber seine Entscheidung, von Tepco zu fordern, nicht aufzugeben, hat Japan gerettet."

hda



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geotie 28.02.2012
1. yooh
Billiger Atomstrom? Wer Rechnen kann...
eiffe 28.02.2012
2. Einer profitiert immer
Zitat von geotieBilliger Atomstrom? Wer Rechnen kann...
Naja, für die Energiekonzerne ist Kernenergie in der Tat die billigste Energieform. Muss man noch nicht einmal versichern, geschweige denn für Folgekosten aufkommen. Was ist, wenn es Tepco in 100 Jahren nicht mehr gibt, wer kommt dann für die weitere Dekontaminierung auf?
lalito 28.02.2012
3. yep
Und was hat die Befürworterriege Spott und Häme ausgeschüttet, so dieses Szenario skizziert wurde. Diese Technik braucht bei mailfunction immer Helden . . .
Barath 28.02.2012
4.
Und immer Nachbarforum wird der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Atomkraft gefeiert: Die Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes geht weiter als gedacht: Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen plant die Regierung eine Klausel, mit der sie die Förderung von Strom aus Solar-, Wind- und Biogasanlagen am Parlament vorbei kappen kann. (http://forum.spiegel.de/f22/erneuerbare-energien-regierung-verschaerft-oekostrom-gesetz-55350.html) Sind diese Leute Lohnschreiber oder sind die ideologisch so verbohrt, daß sie wirklich Tauchsieder für eine Zukunftstechnologie halten?
solomong. 28.02.2012
5. welche 100 Jahre
Zitat von eiffeNaja, für die Energiekonzerne ist Kernenergie in der Tat die billigste Energieform. Muss man noch nicht einmal versichern, geschweige denn für Folgekosten aufkommen. Was ist, wenn es Tepco in 100 Jahren nicht mehr gibt, wer kommt dann für die weitere Dekontaminierung auf?
in ein paar Tagen ist Tepco verstaatlicht. Gewinne einsacken; Manager abfinden, Kosten an die Allgemeinheit abdrücken. St.Galler Tagblatt Online - Tepco steht vor der Verstaatlichung (http://www.tagblatt.ch/nachrichten/wirtschaft/wirtschaft/Tepco-steht-vor-der-Verstaatlichung;art540,2881969)
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