Fukushima Mineralschwämme sollen radioaktive Teilchen aufsaugen

Wie wird man die radioaktiven Wassermassen im AKW Fukushima wieder los? Ein japanischer Wissenschaftler macht mit einem Pulver von sich reden, das die verseuchten Teilchen aufsaugen soll. In der Industrie haben sich ähnliche Verfahren schon bewährt.

Von Cinthia Briseño

Zeolith-Säcke werden ins Meer gelassen: Kristallkäfige für radioaktive Substanzen
DPA/ TEPCO

Zeolith-Säcke werden ins Meer gelassen: Kristallkäfige für radioaktive Substanzen


Tokio - Der Betreiber des japanischen Katastrophen-AKW Fukushima I steht seit Wochen vor einem riesigen Abfallproblem: Was passiert mit den Tausenden von Tonnen radioaktiven Wassers, die sich auf der Anlage angestaut haben? Am Mittwoch hatte Tepco einen neuen Lösungsvorschlag präsentiert. Eine Aufbereitungsanlage des französischen Atomkonzerns Areva soll dem kontaminierten Wasser, das in großen Teilen aus dem Meer stammt, das Salz entziehen.

Die Idee, das kontaminierte Wasser für den Eigengebrauch zu recyceln, ist einleuchtend. Über die nächsten Wochen und Monate werden auf der Anlage die Wassermassen immer weiter fließen müssen, um die Kühlung der Reaktoren im Gang zu halten. Das Wasser, das von oben in die teils zerstörten Gebäude gepumpt wird, kommt mit radioaktivem Material in Berührung - vor allem im Reaktor 2, in dem ein Leck der Sicherheitsbehälter vermutet wird. Es macht also Sinn, anstatt ständig frisches Wasser auf die Anlage zu pumpen, das ohnehin kontaminierte Wasser dafür wiederzuverwenden.

Irgendwann aber wird man sich der radioaktiven Wassermassen annehmen und sie dekontaminieren müssen. Pläne zur Lösung dieser Aufgabe hat Tepco noch nicht vorgestellt. Dafür macht jetzt ein japanischer Wissenschaftler im Land von sich reden. Tomihisa Ota, ein Chemiker von der Universität in Kanazawa, will gemeinsam mit einem Pharmaunternehmen aus der Präfektur Akita ein Pulver entwickelt haben, das in der Lage sein soll, radioaktive Substanzen aus Flüssigkeiten zu absorbieren.

Wie die "Japan Times" berichtet, könnte das Pulver nach Angaben des Forschers dem Betreiber Tepco helfen, Herr über die radioaktiven Wassermassen zu werden. Bei dem Pulver handele es sich um eine Substanz aus verschiedenen Chemikalien, darunter das Mineral Zeolith. Dieses soll radioaktive Isotope wie Jod, Cäsium und Strontium binden können. Demnach habe Ota in seinen Experimenten festgestellt, dass 1,5 Gramm des Pulvers genügten, um radioaktives Cäsium vollständig aus 100 Millilitern Wasser zu ziehen, wenn dessen Konzentration bei 1 bis 10 ppm (parts per million) liege. Damit ließen sich, so der Chemiker, die rund 70.000 Tonnen radioaktiven Wassers dekontaminieren, die sich in den Turbinenhallen und Schächten inzwischen angesammelt haben.

Unklar ist, ob Ota und die Pharmafirma bereits Kontakt zu Tepco aufgenommen haben, um dem AKW-Betreiber das Pulver zu offerieren.

Zeolithe sind Klassiker der chemischen Industrie

Neu ist Otas Idee jedoch nicht: Zeolithe kommen seit Jahren in der Industrie zum Einsatz, um radioaktive Abwässer zu reinigen. Auch in nahezu jedem Waschmittel sind sie zu finden, als Wasserenthärter, weil sie die Zahl der Calciumionen im Wasser verringern. Die Mineralien kommen natürlich vor, werden aber für industrielle Zwecke auch künstlich produziert. Ihre Besonderheit ist ihr Aufbau. Die Moleküle ordnen sich so an, dass sie eine Art Schwammgerüst bilden, das im Gegensatz zu einem Schwamm aber hochsymmetrisch aufgebaut ist. Sobald die Kristallkäfige aus Zeolith mit radioaktiven Nukliden gesättigt sind, kann man das Mineral vom Wasser trennen und die Zeolithe dann als radioaktiven Müll entsorgen.

2001 erbrachten Forscher von der Universität Bern erstmals den Nachweis, dass Zeolith-Kristalle das radioaktive Isotop Jod 129 im Inneren ihrer Struktur binden können. Inzwischen sind Filtersysteme zur Abtrennung radioaktiver Partikel, die auf Zeolithen basieren, Standard.

Tepco selbst hat das Mineral bereits zum Einsatz gebracht: Vergangenes Wochenende deponierten Arbeiter auf dem havarierten AKW Säcke gefüllt mit Zeolithen im Meer vor der Reaktoranlage. Jeder Sack ist rund hundert Kilogramm schwer und knapp einen Meter hoch, insgesamt sollen nach Angaben des Betreibers zehn solcher Säcke im Meer schwimmen. Sie sollen die radioaktiven Nuklide im Meer vor Fukushima binden und so die radioaktive Belastung des Meerwassers verringern.

Wie effektiv diese Methode ist, will Tepco zunächst prüfen. Bei guten Ergebnissen wolle man, so Tepco, weitere Zeolith-Säcke im Meer deponieren. Möglicherweise kämen sie dann auch in den Turbinenhallen zum Einsatz.

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Seite 1
alwbd 20.04.2011
1. Toll...
Zitat von sysopWie wird man die radioaktiven Wassermassen im AKW Fukushima wieder los? Ein japanischer Wissenschaftler macht mit einem Pulver von sich reden, das die verseuchten Teilchen aufsaugen soll. In der Industrie haben sich ähnliche Verfahren schon bewährt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,758141,00.html
aber erst mal muss man an die zigtausend Tonnen Wasser herankommen. Warum baut man z. B. nicht längst an einem großen Speicherbecken am Rand der Evakuierungszone plus Pipeline dorthin (nicht dass ich sowas toll fände, aber besser als nix), statt uns hier irgendwelche Laborversuche zu präsentieren?
Monty68 20.04.2011
2. Deppcos neuester Coup..
...Schwämme die Radioaktivität aufsaugen. Sensationell.
Geziefer 20.04.2011
3. Katzenstreu gut gegen Atom.
Zitat von sysopWie wird man die radioaktiven Wassermassen im AKW Fukushima wieder los? Ein japanischer Wissenschaftler macht mit einem Pulver von sich reden, das die verseuchten Teilchen aufsaugen soll. In der Industrie haben sich ähnliche Verfahren schon bewährt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,758141,00.html
Na, dann wird das Katzenstreu für japanische Katzenklos aber teuer werden. Und der Nachschub für die Wasserfilter an den Becken, in denen die schönen Koi-Karpfen schwimmen, könnte stocken. Aber ernsthaft: Wenn Katzenstreu hilft, dann sollte man es nehmen.
lalito 20.04.2011
4. Schon im Mittelalter angelangt?
Wunderpulver, schon immer ein biz mit strahlender Zukunft - schön wär's ja.
widerspiegel 20.04.2011
5. Mineralschwamm?
Zitat von sysopWie wird man die radioaktiven Wassermassen im AKW Fukushima wieder los? Ein japanischer Wissenschaftler macht mit einem Pulver von sich reden, das die verseuchten Teilchen aufsaugen soll. In der Industrie haben sich ähnliche Verfahren schon bewährt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,758141,00.html
Mc Gyver, Spongebob & Co in action.... Aber sonst ist alles klar...
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