Fukushima-Ruine Roboterbilder aus dem Zentrum der Zerstörung

Lavaähnliche Gebilde überziehen den Boden, dazwischen ragen Trümmer aus der Kruste. Roboteraufnahmen aus der Atomruine Fukushima könnten erstmals zeigen, wo sich geschmolzener Brennstoff befindet.

AFP/ IRID

Einen Meter hoch haben sich die erstarrten, lavaähnlichen Steine und Klumpen auf dem Boden des ehemaligen Fukushima Reaktors 3 abgesetzt. Bei der massiven Kruste, die Aufnahmen eines Unterwasserroboters zeigen, könnte es sich um die Rückstände geschmolzenen Brennstoffs handeln.

Es sind die ersten Bilder, die einen so detaillierten Einblick in den Sicherheitsbehälter liefern. Der Betreiberkonzern Tepco hatte den 30 Zentimeter langen und 13 Zentimeter breiten Roboter vergangene Woche in den mit Kühlwasser gefluteten Reaktor geschickt, um nach geschmolzenem Brennstoff zu suchen.

Erfolg im Zentrum von Block 3

Auch mehr als sechs Jahre nach dem Reaktorunfall infolge eines schweren Erdbebens und Tsunamis weiß noch niemand genau, wo sich der Brennstoff befindet. Selbst jetzt lässt sich die Frage danach nicht abschließend beantworten. Es brauche noch Zeit, um die Überbleibsel auf den Bildern zu analysieren, erklärte Tepco-Sprecher Takahiro Kimoto.

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8  Bilder
Fukushima: Einblick in Reaktor drei

Auf den Aufnahmen vermischt sich der mutmaßliche, geschmolzene Brennstoff mit Trümmern des Reaktors. Die Bilder lassen erahnen, welche Kraft sich bei der Kernschmelze entwickelt hat. Die Lokalisierung des Brennstoffs ist ein entscheidender Schritt, um die Atomruine endgültig stillzulegen. Nur mithilfe des Wissens können Strategien entwickelt werden, um die hochgefährlichen Überbleibsel sicher zu bergen.

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Aufräumarbeiten: Kosten von 700 Millionen Euro pro Jahr

Tepco hatte bereits im Februar mehrere Roboter zunächst in den Reaktor 2 und im März in den Reaktor 1 geschickt. Die Suche nach den geschmolzenen Brennstäben scheiterte dort jedoch aufgrund der enormen Trümmer und der extrem hohen Strahlung. Auch in Reaktor 3 befindet sich 6,4 Meter tiefes, radioaktiv belastetes Wasser.

Die Kosten für die Aufräumarbeiten in der Atomruine liegen derzeit bei rund 700 Millionen Euro pro Jahr. Künftig dürften sie laut einer Prognose der japanischen Regierung auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr steigen. Tepco erklärt, man könne keine Angaben zu den Gesamtkosten der jahrzehntelangen Altlasten machen.

Der Betreiber hatte zuletzt mit dem Plan für Schlagzeilen gesorgt, radioaktiv belastetes Wasser aus Sammeltanks ins Meer abzulassen. Das Wasser enthalte nur noch radioaktives Tritium, ein Ablassen sei in kleinen Mengen ungefährlich, so die Argumentation. Auch von anderen AKWs in Japan werde Tritium ins Meer abgelassen, erklärte ein Tepco-Manager. In kleinen Mengen passiert das auch bei Kraftwerken in Deutschland.

irb/AP



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