Fukushima-Ruine Roboter sucht nach Brennstoff

Noch immer ist unklar, wo sich ein Großteil des geschmolzenen Brennstoffs in der Atomruine Fukushima befindet. Nun soll ein Tauchroboter im Reaktor 3 auf die Suche gehen.

Unterwasser-Roboter in Fukushima
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Unterwasser-Roboter in Fukushima


Ein Roboter soll in der Atomruine Fukushima nach geschmolzenem Brennstoff in einem der zerstörten Reaktoren suchen. Der Betreiberkonzern Tepco schickte am Mittwoch einen 30 Zentimeter langen und 13 Zentimeter breiten Roboter in den mit Kühlwasser gefluteten Sicherheitsbehälter des Reaktors 3, wie japanische Medien berichteten.

Auch mehr als sechs Jahre nach dem Reaktorunfall infolge eines schweren Erdbebens und Tsunamis weiß niemand genau, wo sich der geschmolzene Brennstoff befindet. Der mit Kameras ausgerüstete Roboter soll sich in dem 6,4 Meter hoch stehenden, radioaktiv belasteten Wasser im Reaktorbehälter auf die Suche machen.

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Fünf Jahre nach Fukushima-Katastrophe: Diese Arbeiter sind in der Atomruine im Einsatz

Tepco hatte bereits im Februar mehrere Roboter zunächst in den Reaktor 2 und im März in den Reaktor 1 geschickt. Wegen der Trümmer und der extrem hohen Strahlung im Inneren erbrachten die Roboter jedoch bislang nicht den erhofften Erfolg bei der Suche nach dem geschmolzenen Brennstoff.

Die Betreiberfirma will herausfinden, wo sich der Brennstoff in jedem der drei havarierten Reaktoren befindet, um dann Strategien zur sicheren Bergung zu entwickeln. Eine vollständige Räumung der Atomruine Fukushima dürfte Schätzungen zufolge etwa 30 bis 40 Jahre dauern.

Die Kosten für die Aufräumarbeiten in der Atomruine liegen derzeit bei rund 700 Millionen Euro pro Jahr. Künftig dürften sie laut einer Prognose der japanischen Regierung auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr steigen. Tepco erklärt, man könne keine Angaben zu den Gesamtkosten der jahrzehntelangen Altlasten machen. Die Kernschmelze der Reaktoren hat Wasser, Äcker, Wohngebiete und die Luft verseucht, sodass mehr als 160.000 Menschen die Region verlassen mussten.

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Atomruine Fukushima: Kontaminierte Wassermassen

Der Betreiber hatte zuletzt mit dem Plan für Schlagzeilen gesorgt, radioaktiv belastetes Wasser aus Sammeltanks ins Meer abzulassen. Das Wasser enthalte nur noch radioaktives Tritium, ein Ablassen sei in kleinen Mengen ungefährlich, so die Argumentation. Auch von anderen AKWs in Japan werde Tritium ins Meer abgelassen, erklärte ein Tepco-Manager. In kleinen Mengen passiert das auch bei Kraftwerken in Deutschland.

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insgesamt 7 Beiträge
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litholas 19.07.2017
1.
In Reaktor 3 gab es eine nukleare Verpuffung, als ein Klumpen geschmolzener Brennelemente in Wasser geriet und dadurch überkritisch wurde. Da wird man nur noch weit verstreute Pellets finden.
mike301243 19.07.2017
2. Wann endlich werden die verantwortlichen Manager bestraft?
Tepco eiert herum, die Regierung eiert herum, irgendwann wird der nächste Kernreaktor gebaut! DAS darf doch nicht wahr sein!
joerge11 19.07.2017
3.
Zitat von litholasIn Reaktor 3 gab es eine nukleare Verpuffung, als ein Klumpen geschmolzener Brennelemente in Wasser geriet und dadurch überkritisch wurde. Da wird man nur noch weit verstreute Pellets finden.
warten wir es ab. In 20 Jahren werden die kleinen technischen Probleme etwas klarer sein. Nett auch, dass von deutschen Atomanlagen nachts radioaktive Partikel abgeblasen werden - total harmlos. Nur einmal war der Wind ein böser. Er blies die harmlosen Partikelchen in die Richtung, in die er sonst nie blies. Hm, dort in der Nähe war nun eine Fabrik. die Photopapiere produzierte. Pech, all die schönen Papiere waren im Nu von den harmlosen Partikelchen unwiederbringlich zerstört. Am frühen Morgen trafen sich die hohen Persönlichkeiten, inklusive der Repräsentanten von Banken und Versicherungen/Rückversicherungen und gegen 11 Uhr erhielt der Chef der Photopapierfabrik seinen Check mit einem Dutzend Millionen DM, mit dem die Papierchen und ihre Maschinen gesetzesgemäß beseitigt und durch neueste Maschinen ersetzt wurden. Ach ja, da gab es noch die kleine Bedingung: "Absolutes Stillschweigen gegenüber Jedermann" Am Mittagstisch von BBC wurde die Geschichte aber deutlich aufgetischt.
gierig_master 19.07.2017
4.
Mir ist immer noch nicht klar, warum man in einem so risikobelasteten Gebiet ein AKW baut, und das überhaupt nicht gegen Flutung schützt. Die Argumentation, dass die Wahrscheinlichkeit zu gering war, zieht nicht. Solange die nicht bewiesen 0 ist, muss sowas berücksichtigt werden, sonst passiert genau das... Wir reden hier über AKWs!
JaguarCat 19.07.2017
5. Vergebliche Suche
Bei Reaktor 1 und 2 hat man den Brennstoff nicht gefunden, jetzt hofft man, dass er wenigstens bei Reaktor 3 sich noch finden lässt? Na ja, viel Spaß dabei! Nett wäre es, wenn Tepco endlich zugibt, dass deutlich mehr vom Brennstoff in der Atmosphäre und im Meer gelandet ist, als man bisher glauben machen wollte.
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