Fukushima Tanks für radioaktives Wasser sind randvoll

Barrieren, Auffangbecken, ein riesiges Stahlfloß, Spezialpumpen im Dauereinsatz: Mit allen Mitteln versuchen Ingenieure, die radioaktiven Wassermassen im Atomkraftwerk Fukushima in den Griff zu bekommen. Jetzt quellen die Tanks doch über - eine Lösung ist nicht in Sicht.

Reaktor im AKW Fukushima: Tanks für strahlendes Wasser drohen überzulaufen
REUTERS / TEPCO

Reaktor im AKW Fukushima: Tanks für strahlendes Wasser drohen überzulaufen


Tokio - Im schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima stehen die Ingenieure vor einem neuen Problem: Die Tanks, die radioaktives Wasser aus den Reaktoren aufnehmen, sind fast voll. Kraftwerksbetreiber Tepco erklärte am Montag, die Lager würden in vier Tagen kein weiteres Wasser mehr aufnehmen können. Eine Lösung des Problems scheint bisher nicht in Sicht, denn das System zur Wiederaufarbeitung von Wasser ist noch nicht einsatzbereit.

Mehr als 80.000 Tonnen radioaktives Wasser müssen die Männer der Betreibergesellschaft Tepco dekontaminieren. Die Brühe wird aus den Reaktoren gepumpt, deren Kühlsysteme bei dem schweren Erdbeben vom 11. März und dem nachfolgenden Tsunami zerstört wurden. Zunächst musste Tepco Teile des radioaktiven Wassers ins Meer leiten. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Tanks bis zum Beginn der Wiederaufbereitung Mitte Juni genutzt werden sollten. Dieser Plan scheint nun zu scheitern.

Derweil wollen die Vereinten Nationen die Folgen des Austritts von Radioaktivität im havarierten AKW wissenschaftlich untersuchen. Eine Expertenkommission, geleitet von Wolfgang Weiss vom deutschen Bundesamt für Strahlenschutz, rechne bis Mai nächsten Jahres mit ersten Ergebnissen. Das teilte die Uno am Montag in Wien mit. Die volle Beurteilung der Strahlenbelastung werde aber mindestens zwei Jahre dauern.

Die ersten Ergebnisse sollten einen Einblick in das Ausmaß der Freisetzung von Radioaktivität in die Atmosphäre und den Ozean erlauben, sagte Weiss. Auch die Strahlenbelastung für die Arbeiter im kaputten Meiler und die Bevölkerung solle untersucht werden. Allerdings schränkte Weiss ein: "Die Beurteilung wird zunächst sehr vage sein."

In der kommenden Woche will das wissenschaftliche Uno-Komitee zu den Effekten atomarer Strahlung (UNSCEAR) bei seinem jährlichen Treffen in Wien festlegen, wie es bei seiner Arbeit zu Fukushima vorgehen wird. Neben seinem Leiter Weiss gehören UNSCEAR zahlreiche weitere Wissenschaftler aus 21 Ländern an. Auch zum Atomunfall 1986 in Tschernobyl hat die Expertenkommission bereits mehrere Berichte erstellt.

insgesamt 39 Beiträge
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mucan 23.05.2011
1. mobile tanks braucht man
warum nicht im Notfall einfach einen "double hull" supertanker ranschaffen, auffuellen und dann irgendwo zum ablagern oder zum abgiften transportieren? Die haetten schon ganz Anfang alles in Supertanken fuellen sollen, so ist der halbe Ozean vergiftet. Wer wird noch die Badestraende an der Ostkueste Japans benutzen wollen? oder japanische Sushi futtern wollen? - da muesste man ja regelrecht beknackt sein!
Seska Larafey 23.05.2011
2. .
Nunja, diese Supertanker haben Leer, vielleicht ein Weg bis zum Kai, der Anlage. Aber was passiert mit dem Tanker, wenn es "voll gepumpt" wird? Es setzt auf Grund, und das wars. Außerdem gibt es doch immer noch "Nachbeben". Das mit den Supertanker ist nicht so einfach, weil es kein Hafen gibt, oder Tiefgang. Ganz zu schweigen, ob unter Wasser noch Schutt liegt.. Wir wollen doch kein2tes Titanic Aber, die können nicht unbegrenzt Tanks hochziehen, die brauchen ja erstmals Platz und ein Boden, der das Gewicht trägt.. Leider kann man es nicht Verdampfen, wegen der Radioaktiven Stoffe... Oder Einfrieren.. Und die Blöcke in ein Kühlhaus "zwischen lagern".. Oder geht das doch?
Weltfinanzexperte 23.05.2011
3. Super Tanker!
Da der anfallende Müll nicht "entsorgt" werden kann, wird der über kurz (Juni) oder lang (10543 ad) eh die Ozeane verseuchen. Ehrlich wäre es, wenn die Japaner die Brühe gleich ins Meer laufen lassen würden.
obacht! 23.05.2011
4. .
Zitat von mucanwarum nicht im Notfall einfach einen "double hull" supertanker ranschaffen, auffuellen und dann irgendwo zum ablagern oder zum abgiften transportieren? Die haetten schon ganz Anfang alles in Supertanken fuellen sollen, so ist der halbe Ozean vergiftet. Wer wird noch die Badestraende an der Ostkueste Japans benutzen wollen? oder japanische Sushi futtern wollen? - da muesste man ja regelrecht beknackt sein!
Und womit soll dann das Öl transportiert werden? Supertanker fallen nicht vom Himmel.
exminer 23.05.2011
5. Dieses Problem
war absehbar.Wenn man die Einfüllmengen die tagtäglich gebraucht werden und die Bunkermöglichkeiten vergleicht, wird die Überschußmenge schnell deutlich. Drei Reaktoren mit Kernschmelze an deren Dichheit begründete Zweifel bestehen und einem randvollen Abkling bzw.Lagerbecken mit über 1300 munter vor sich hin strahlenden Brennstäben, dieser Betriebszustand ist in keinem Handbuch erfaßt. Und das sind nur die gravierenden Probleme,Meiler 5+6 sind auch nicht ohne Probleme. Um ein Bild über Menge des radioaktiven Inventars zu bekommen,hier ein paar Zahlen rd.6.000 t Brennelemente mit einem Volumen von 1.6oo Kubikmetern sind in den 6 Meilern vorhanden. Und das will Tepco in den Griff bekommen? So wie ich das sehe sind die Jungs mit einem Meiler an der Grenze ihrer Möglichkeiten.
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