Fukushima Tepco will kontaminiertes Wasser ins Meer pumpen

Ohne Wasser ist die Kühlung der Reaktoren im AKW Fukushima in Gefahr - doch weil weiterhin Unmengen davon in die Reaktoren gepumpt werden, hat der Betreiber ein Lagerungsproblem. Erneut sieht Tepco nur eine Möglichkeit: Die radioaktive Brühe muss ins Meer.

Havariertes AKW Fukushima (Archivbild): Tanks für 160.000 Tonnen strahlendes Wasser
DPA

Havariertes AKW Fukushima (Archivbild): Tanks für 160.000 Tonnen strahlendes Wasser


Tokio - Auf dem Gelände des havarierten AKW Fukushima Daiichi wird das Wasser immer wieder zum Problem. Um die Kernschmelze in den Reaktoren zu verhindern, musste Betreiber Tepco enorme Wassermengen von oben in die Gebäude schütten. Diese verwandelten sich so in eine teils hochradioaktive Brühe, die seither dekontaminiert werden muss. Doch angesichts der schieren Mengen herrscht stets Platzmangel.

Jetzt greift Tepco zu einer Maßnahme, die schön öfter an der Tagesordnung war: Der Betreiber will schwach radioaktives Wasser ins Meer leiten. Tepco begründete das am Donnerstag mit einem drohenden Mangel an Tankkapazitäten für belastetes Wasser in der AKW-Ruine.

Zwar wird ein Teil des aus dem Kraftwerk ausgetretenen und hochgradig radioaktiven Wassers dekontaminiert und zur Kühlung der in Folge des Erdbebens und Tsunami vom 11. März beschädigten Reaktoren 1 bis 3 wiederverwendet. Trotzdem fließen täglich weiter zusätzlich 200 bis 500 Tonnen Grundwasser in die Reaktorgebäude, wie japanische Medien melden. Die vorhandenen Tanks hätten aber nur eine Kapazität von 160.000 Tonnen. Und im März könnten sie demnach voll sein. Man könne in den nächsten Jahren nicht immer mehr Tanks aufstellen, erklärte Tepco.

Fischereiverband hat starke Bedenken

Der Konzern versicherte laut der Nachrichtenagentur Kyodo, dass im Falle eines Ableitens von radioaktivem Wasser ins Meer nur solches verwendet würde, dessen Belastung unterhalb des vom Staat zulässigen Grenzwerts liege. Der Fischereiverband äußerte jedoch bereits starke Bedenken.

Tepco steht wegen der Entsorgung des verseuchten Wassers in der Kritik. So war im April hochgradig kontaminiertes Wasser mit einer Belastung von 4700 Billionen Becquerel in den Pazifischen Ozean geflossen, im Mai mit einer Belastung von 20 Billionen Becquerel. Im April ließ Tepco zudem absichtlich schwach strahlendes Wasser mit 150 Milliarden Becquerel ins Meer ab, um Platz zur Lagerung von stark verseuchtem Wasser zu schaffen. Hinzu kommt Radioaktivität von Partikeln, die mit dem Regenwasser in den Ozean gespült wurden.

Am Wochenende flossen aus einem Gebäude für die Entsalzung kontaminierten Meerwassers zudem rund 150 Liter strontiumhaltiges Wasser in den 500 Meter entfernten Pazifik. Die Menge radioaktiver Substanzen entspricht laut Tepco 26 Milliarden Becquerel. Das sind 12 Prozent der jährlichen Emissionsrichtwerte für das AKW in Zeiten eines normalen Betriebs. Die Belastung in dem herausgesickerten Wasser sei "vernachlässigbar", wurde Tepco zitiert.

Das Wasser sei zwar zuvor von radioaktivem Cäsium gereinigt worden, hieß es. Die Anlage sei jedoch nicht in der Lage, Strontium aus dem Wasser zu entfernen. Strontium kann zu Knochenkrebs und Leukämie führen.

Soldaten starten Reinigungsaktion

Am Mittwoch hatte das japanische Militär mit den Dekontaminationsarbeiten in der 20-Kilometer-Sperrzone um das AKW begonnen. Rund 900 Soldaten der Selbstverteidigungsstreitkräfte sollen in vier Orten in der Provinz Fukushima öffentliche Gebäude von Strahlung reinigen.

Die Gebäude in den Ortschaften Namie, Naraha, Tomioka und Iitate sollen künftig als Stützpunkte für eine großangelegte Dekontaminierung verstrahlter Gebiete dienen, mit der die Regierung im Januar beginnen will. Der Einsatz der Streitkräfte ist auf etwa zwei Wochen angelegt.

cib/dpa

insgesamt 56 Beiträge
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cassandros 08.12.2011
1. damit der Pazifik im Dunkeln leuchtet
Zitat von sysopOhne Wasser ist die Kühlung der Reaktoren im AKW Fukushima in Gefahr - doch weil weiterhin Unmengen davon in die Reaktoren gepumpt wird, hat der Betreiber ein Lagerungsproblem. Erneut sieht Tepco nur eine Möglichkeit: Die radioaktive Brühe muss ins Meer. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,802408,00.html
Prima Idee! Es schwimmt ja auch noch nicht genug Müll im Stillen Ozean. Immerhin können dann die japanischen Fischer die Schwärme mit dem Geigerzähler orten. Und das Sushi bleibt lange keimfrei und haltbar.
manfredhelmut 08.12.2011
2. Jaja die Hilflosigkeit der Firma Tepco:
und die vielen gebrochenen Versprechen der Atomiker und der dort sich dilletierenden Politiker. Es zeigt sich immer deutlicher: Auch ein Land der Hochtechnologie wie Japan beherrscht den mehrfachen Supergau mit folgendem Chinasyndrom nicht. Jetzt soll es also der Verdünnungsfaktor in der großen Badewanne Pazifik bringen. Ja spinnen die den komplett. Dann sind die immensen Mengen an radioaktiven Isotopen in der Nahrungskette und der gesamte Globus ist für immer versaut. Denn jedes der dennächst 8 Milliarden menschlichen Wesen muß sich aus dem verdreckten Pool der Nahrung ernähren. So kann man auch für eine Reduktion der Bevölkerungszahl sorgen! . Spätestens jetzt müßten weltweit den Leuten die Augen aufgehen und sie merken wohin uns die Hybris mit dem Uran oder gar Plutonium Wasser zu kocken bringt. Jeder der es noch mal sich wagt diese Maschienchen uns als das Nonplusultra anzudienen verdient den "Darwin-Award".
rst2010 08.12.2011
3. rechenbeispiel
Zitat von sysopOhne Wasser ist die Kühlung der Reaktoren im AKW Fukushima in Gefahr - doch weil weiterhin Unmengen davon in die Reaktoren gepumpt wird, hat der Betreiber ein Lagerungsproblem. Erneut sieht Tepco nur eine Möglichkeit: Die radioaktive Brühe muss ins Meer. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,802408,00.html
ich verdünne z.b.1000 liter hochradioaktives wasser mit 99000 litern meerwasser; ,dann erhalte ich 100000 liter schwach radioaktives wasser, das ich ins meer kippe. unterm strich hat man allerdings dieselbe menge an radioaktiven stoffen ins meer verklappt wie mit den tausend litern. augenwischerei und betrug am bürger.
ZwenAusZwota 08.12.2011
4. Selbsterfüllende Prophezeiung
Seid doch nicht so böse auf TEPCO, das ganze dient doch nur der Erschaffung von GODZILLA!
owila 08.12.2011
5. Der Dreck wird sozialisiert und die Gewinne
Es ist mal wieder eine Frage des Geldes. Lagerung und Reinigung kostet Geld. Billiger ist es den Dreck im Meer zu sozialisieren. Der Fehler im System ist dass die Umweltverschmutzung kostenlos ist, es drohen maximal Bußgelder. Erst wenn der Verursacher die gesamten Kosten der Verschmutzung zu zahlen hat kann ein Umdenken erfolgen. Grenzwerte bedeuten nur das Umweltverschmutzung bis zu einem definierten Grad kostenfrei und frei von Konsequenzen ist. Logisch wäre dann daß ein Ertrag erst ab einem Grenzwert zum Gewinn wird, unter dem Grenzwert müsste der Ertrag sozialisiert werden... logisch das da Etwas nicht stimmt, deshalb Null-Grenzwert als Toleranzschwelle.
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