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Fusionsreaktor "Iter": Neue Verzögerungen, höhere Kosten

"Iter"-Baustelle (im Mai 2015): "Ineffektive Zusammenarbeit" Zur Großansicht
AFP

"Iter"-Baustelle (im Mai 2015): "Ineffektive Zusammenarbeit"

Der Bau des Kernfusionsreaktors Iter wird noch teurer werden und noch länger dauern als bisher angenommen. Nach SPIEGEL-Informationen wird sich der Start um etwa fünf Jahre verschieben.

"Es ist davon auszugehen, dass das Projekt deutliche Verzögerungen und Mehrkosten aufweisen wird", heißt es in einem internen Bericht des Bundesforschungsministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags, der dem SPIEGEL vorliegt. Allein die Errichtung des Tokamak-Gebäudekomplexes sei um "bis zu 45 Monate" in Verzug und könne sich "um bis zu 1 Mrd. Euro verteuern".

Neben den mit dem Iter-Bau verbundenen technologischen Herausforderungen sind dem BMBF-Papier zufolge vor allem "ineffektive Zusammenarbeit und unklare Rollen- und Verantwortungsverteilung" unter den Iter-Teilhabern China, Indien, Japan, Korea, USA, Russland und EU für die Planabweichungen verantwortlich.

Der Startschuss für die Arbeit des Experimentalreaktors dürfte sich damit bis zum Jahr 2025 verzögern. Entsprechend reichen die bislang geschätzten 15 Milliarden Euro für den Bau der Fusionsanlage nicht aus. Mitte nächster Woche wird der Generaldirektor der Iter-Organisation, der Franzose Bernard Bigot, den Iter-Teilhabern offiziell einen neuen Preis für das Megaprojekt nennen und einen überarbeiteten Zeitplan vorstellen.

Im SPIEGEL verteidigt Bigot die Entwicklung der Fusionstechnologie: "Es gibt nicht so viele Alternativen, um saubere und nachhaltige Energie zu produzieren." Der Iter-Chef hielte es für kurzsichtig, die Fusion abzuschreiben. "Wenn wir Erfolg haben", so Bigot, "erschließen wir eine klimaneutrale, fast unerschöpfliche Energiequelle, die überall verfügbar ist."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 101 Beiträge
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1.
cassandros 13.11.2015
Teurer als erwartet. Verzögert. Nun, das ist schade. Vielleicht entgeht älteren Zeitgenossen so die Gelegenheit zu erleben, was dabei herauskommt. Die Kosten werden höher ausfallen als projektiert? Nun gut. Wie ist das mit den Kosten für den Berliner Flughafen? Wie ist das mit den Kosten für den Stuttgarter Bahnhof? Wie ist das mit den Kosten für die Elbphilharmonie in HH? So ein Fusionskraftwerk ist etwas technisch völlig neues und äußerst kompliziertes. Wenn man es kaum schafft, ein paar Schienen zu verlegen und einen Fahrkartenschalter und eine Würstchenbude danebenzustellen, ohne daß die Kosten explodieren, sollte man das bei einer derart komplexen Anlage gelassen zur Kenntnis nehmen.
2.
ackergold 13.11.2015
"Eine klimaneutrale, fast unerschöpfliche Energiequelle, die überall verfügbar ist"? Welcher Lobbyist kann das wollen? Das wird schon aus politischen Gründen niemals der Fall sein, weil schon allein deshalb für Energie bezahlt werden muss, damit einige wenige daran sehr viel Geld verdienen können. Auch hier wird also abkassiert werden, selbst wenn noch so viele Milliarden an Steuergeldern in dem Projekt stecken. Am Ende wird man es einem Konzernmulti schenken als Gelddruckmaschine.
3. Die ideale
hwdtrier 13.11.2015
Energieversorgung.
4. Na,ja
karl-felix 13.11.2015
Zitat von cassandrosTeurer als erwartet. Verzögert. Nun, das ist schade. Vielleicht entgeht älteren Zeitgenossen so die Gelegenheit zu erleben, was dabei herauskommt. Die Kosten werden höher ausfallen als projektiert? Nun gut. Wie ist das mit den Kosten für den Berliner Flughafen? Wie ist das mit den Kosten für den Stuttgarter Bahnhof? Wie ist das mit den Kosten für die Elbphilharmonie in HH? So ein Fusionskraftwerk ist etwas technisch völlig neues und äußerst kompliziertes. Wenn man es kaum schafft, ein paar Schienen zu verlegen und einen Fahrkartenschalter und eine Würstchenbude danebenzustellen, ohne daß die Kosten explodieren, sollte man das bei einer derart komplexen Anlage gelassen zur Kenntnis nehmen.
auf der anderen Seite haben wir einen funktionierenden Fusionsreaktor, der uns klimaneutrale unendliche Energie zur Verfügung steht. Das Schöne ist, wir wissen heute bereits, dass und wie wir diese Energie nutzen können. Ungefähr das 10.000fache der Energie, die die gesamte Menschheit benötigt, schickt uns die Sonne ununterbrochen . Ich denke, wir sollten erst einmal ein Zehntausendstel dieser Energie, die uns kostenlos und frei Haus geliefert wird nutzen . Alles andere, so wie ITer halte ich mehr für Spielerei . es gibt von unerschöpflich keinen Komparativ .
5.
maipiu 13.11.2015
Doch, die gibt es. Windkraft, Biogas, Photovoltaik, Wasserkraft, Gezeitenkraft, Energiesparen, um nur ein paar zu nennen. Doch bis nach Frankreich hat sich das noch nicht rumgesprochen, wo doch der Chef der EdF mächtiger ist, als der französische Präsident. Schade um das viele Geld.
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