Projekt "Spice" Briten bestellen Klimaklempner wieder ab

Ein Heliumballon, der Wasser in der Atmosphäre versprüht - das war der Plan für das Spice-Projekt. Britische Forscher wollten damit Wege entwickeln, unseren Planeten zu kühlen. Doch wegen Bedenken bleibt das Flugobjekt nun doch am Boden.

Erdatmosphäre (von der ISS, Juli 2009): Streit um Geo-Engineering
REUTERS

Erdatmosphäre (von der ISS, Juli 2009): Streit um Geo-Engineering


Berlin - Es sollte ein spektakulärer Versuch werden: Vom ehemaligen britischen Luftwaffenstützpunkt Sculthorpe wollten Forscher mehrerer britischer Universitäten einen knapp 20 Meter langen Heliumballon in die Atmosphäre aufsteigen lassen. An der Unterseite des Fluggeräts sollte ein etwa ein Kilometer langer Wasserschlauch befestigt werden - und Wasser im Namen des Weltklimas versprühen. Größere Fluggeräte sollten folgen.

Beim sogenannten Spice-Projekt ("Stratospheric Particle Injection for Climate Engineering") wollten die Forscher eine Technologie erproben, um feine Schwebeteilchen in der Atmosphäre zu verteilen. Das ist eines der Rezepte, mit dem manche Wissenschaftler aktiv ins Weltklima eingreifen wollen. Geo- oder Climate Engineering heißt das Ganze. Doch nun sind die nicht unumstrittenen Pläne zu den Akten gelegt worden - vor allem wegen eines Patents.

Spice-Chefwissenschaftler Matt Watson, ein Geophysiker von der Bristol University, erklärte, alle Partner hätten sich geeinigt, auf den Start des Testballons zu verzichten. Neben seiner Hochschule hatten auch die Universitäten in Cambridge und Oxford an dem Projekt mitgearbeitet.

Einer der Gründe für das Aus war ein Patentantrag. Dieser sei eingereicht worden, bevor das Projekt zur Förderung bei der britischen Forschungsförderung angemeldet wurde, so Watson. Die anderen Beteiligten hätten allerdings erst nach einem Jahr Projektlaufzeit davon gehört. Die möglichen Interessenkonflikte hätten vielen Mitarbeitern, so auch ihm, gehörige Bauchschmerzen bereitet, erklärte Watson.

Die Idee mit dem Ballon klang einigermaßen simpel: Schwebeteilchen sollten dafür sorgen, dass in der Atmosphäre mehr einströmendes Sonnenlicht zurück ins All reflektiert wird. Dadurch würde sich die Erde weniger aufheizen, auch wenn Treibhausgasemissionen weiter steigen. Manche Vulkansausbrüche wirken ähnlich kühlend.

Die Technik des Geo-Engineering gilt als umstritten. Kritiker monieren, dass die Auswirkungen solcher Eingriffe nicht zu kontrollieren wären. Auch das war wohl ein Grund für das Ende des Spice-Projekts. Der Start war bereits um mehrere Monate verschoben worden, um mehr Gespräche mit der Bevölkerung des Gebiets um den Startplatz zu führen.

chs

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
schwarzes_lamm 16.05.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSEin Heliumballon, der Wasser in der Atmosphäre versprüht - das war der Plan für das Spice-Projekt. Britische Forscher wollten damit Wege entwickeln, unseren Planeten zu kühlen. Doch wegen Bedenken bleibt das Flugobjekt nun doch am Boden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,833562,00.html
Wegen Schwachsinnigkeit blieb das Teil am Boden und soll da auch bleiben.
giveusmcneal! 16.05.2012
2.
na wenn der artikel nicht mal wieder chemtrailanhaenger auf den plan ruft. hat da jetzt einer der projektteilnehmer den patentantrag gestellt oder jemand anders? ich wuerde ja vermuten dass die idee selbst schon in irgendeiner zeichentrickserie vorkam. echt merkwuerdig was man alles patentieren kann ...
waterfork 17.05.2012
3. Wasser versprüht?
Ist wohl nicht ganz richtig... http://www.heise.de/tr/artikel/Ein-Katheter-fuer-die-Stratosphaere-1344288.html
liquimoly 17.05.2012
4. Sulfide in die Athmosphäre ...
Entgegen der spektakulären Patent-Begründung hat sich wohl glücklicherweise noch jemand an seinen Mittelstufen-Unterricht erinnert und vor der Reaktion von H2S mit H20 zu schwefliger Säure gewarnt. Abgesehen konnte man auch, wenn schon ein Schlauch, der dem Druck standhält, direkt einen Aufzug zu einem geostationären Satelliten bauen.
talackova 19.05.2012
5. soso
Zitat von liquimolyEntgegen der spektakulären Patent-Begründung hat sich wohl glücklicherweise noch jemand an seinen Mittelstufen-Unterricht erinnert und vor der Reaktion von H2S mit H20 zu schwefliger Säure gewarnt. Abgesehen konnte man auch, wenn schon ein Schlauch, der dem Druck standhält, direkt einen Aufzug zu einem geostationären Satelliten bauen.
Ein 36000km langes Seil im Schwerefeld der Erde? Kennen Sie die Belastungen? Sience Fiction.... Die Grundlagenversuche zur Wirkung von Schwefelwasserstoff in der Stratosphäre sind wichtig und werden durchgeführt werden.
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