Globale Zeitmessung Die Schaltsekunde darf weiterleben - vorerst

Die Rotationsgeschwindigkeit der Erde sinkt ganz langsam ab. Um die weltweite Zeitmessung trotzdem konstant zu halten, werden bisher sogenannte Schaltsekunden eingefügt. Die USA wollten das stoppen, doch einstweilen wird daraus nichts.

Atomuhr (in Braunschweig, Dezember 2009): Festhalten an der Schaltsekunde
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Atomuhr (in Braunschweig, Dezember 2009): Festhalten an der Schaltsekunde


Genf - Wie lang ist ein Tag? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Das liegt daran, dass die Umdrehungsgeschwindigkeit unseres Planeten allmählich sinkt. Ursache sind die Anziehungskräfte zwischen Erde, Mond und Sonne, die Ebbe und Flut hervorrufen.

Die ständige Reibung zwischen Wasser und Land raubt der Erde über die Jahrmillionen hinweg Energie, mit der sie sich um ihre eigene Achse dreht. Ein Tag dauert also tendenziell immer länger. Die vom Menschen gebauten Atomuhren ticken dagegen mit stoischer Gleichmäßigkeit. Mit dem daraus resultierenden Problem hat sich gerade eine Sitzung der Telecommunication Union (ITU) in Genf befasst.

In einer Zentrale in Paris wird die Zeit der Atomuhren bislang ständig mit der Erdzeit verglichen und notfalls korrigiert - mit Hilfe einer sogenannten Schaltsekunde. Die geht zurück auf eine internationale Vereinbarung von 1972. Seit dem Beschluss vor 40 Jahren und der Annahme der Koordinierten Weltzeit (UTC) wurden bislang 24 Schaltsekunden eingefügt, die letzte zum Jahreswechsel 2008/2009.

Doch zuletzt hatten sich mehrere Länder, darunter die USA und Frankreich, für die Abschaffung der Schaltsekunde stark gemacht. Sie führen vor allem an, dass weltweit Computer manuell nachgeregelt werden müssen. Das ist ein kostspieliges Unternehmen, das zudem fehleranfällig ist. Großbritannien, Kanada, Deutschland und China verteidigen die Schaltsekunde dagegen.

Nach einer Beratung bei der ITU ist nun klar: Die Schaltsekunde wird vorerst nicht abgeschafft. Im Jahr 2015 redet man wieder. Bis dahin sollen weitere Studien angefertigt werden.

Die "New York Times" zitiert den Wissenschaftler Kenneth Seidelmann von der University of Virginia, eigentlich ein Befürworter der Schaltsekunde. Die Verschiebung der Entscheidung habe ihn jedoch wütend gemacht. Eine Arbeitsgruppe habe die Frage bereits zehn Jahre lang erfolglos beraten, sagte Seidelmann. "Was sollen sie denn dann in den kommenden drei Jahren erreichen? In jedem Fall wird am 30. Juni dieses Jahres mal wieder eine Schaltsekunde eingefügt - weil die Erde eben trödelt.

chs/AFP



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