Ungewöhnliche Harmonie Glocke spielt Jazz-Akkord

Üblicherweise erklingen Glocken in Moll- oder Durterzakkorden. Nun haben Forscher einem Exemplar einen neuen, etwa schrägen Klang verpasst.

Klangmessung der Glocken
Uli Benz/TUM /dpa

Klangmessung der Glocken


Mit Computersimulationen haben Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) den Klang von Glocken erforscht - und dabei eine Jazz-Glocke kreiert. Die virtuellen Modelle erlaubten neue Glocken-Designs, die auch ungewöhnliche Harmonien erzeugen - beispielsweise einen jazzigen A9-Akkord.

"Wenn eine Glocke angeschlagen wird, erklingt immer ein Akkord", erklärt Masterstudent Felix Thomann. Ziel war es nun, eine Glocke zu entwickeln, die anders klingt als die üblichen Moll- oder Durterzglocken. "Wir haben einen Klang als Zielvorgabe definiert, den es in der klassischen Wahrnehmung an einer Glocke nicht gibt", ergänzt Lennart Moheit vom Lehrstuhl für Akustik mobiler Systeme.

Nur wenn die Gussform exakt die richtigen Abmessungen hat, erklingt die Glocke sauber in den gewünschten musikalischen Intervallen.

Fertigung der etwa 20 Kilogramm schweren Glocke aus Zinnbronze
Uli Benz/TUM /dpa

Fertigung der etwa 20 Kilogramm schweren Glocke aus Zinnbronze

Das Team um Moheit ging der Frage nach, wie für Glocken untypische Akkorde mit der optimierten Formgebung realisiert werden können. Um den Klang zu simulieren, zerlegten die Wissenschaftler mithilfe von Computerprogrammen die Glocke in viele kleine, virtuelle Würfel.

Klang einem Produkt zuordnen

Versetzt man dieses dreidimensionale Raster in Schwingung, bewegen sich die Knotenpunkte des Rasters, an denen sich die Ecken der Würfel berühren. So können die Forscher die Schwingungen darstellen, mit denen sich die Glocke messbar und temporär verformt und die letztlich für den Klang verantwortlich sind. Verändert man die Form, ändert sich auch der Klang.

Die am Rechner geplante, in der Realität etwa 30 Zentimeter hohe Jazz-Glocke wurde schließlich am Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen im Sandgießverfahren bei ungefähr 1170 Grad Celsius gegossen.

Nun wollen die Forscher untersuchen, wie Menschen reagieren, wenn sie den ungewöhnlichen Klang hören. Ziel der Forschung ist es letztlich, für unterschiedliche Gegenstände oder Geräte den am besten passenden Sound zu finden, der von den Kunden angenommen wird.

jme/dpa

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