Von Axel Bojanowski
Hamburg - Ende November ist es wieder so weit: Zahlreiche Behälter mit hochradioaktivem Müll, alle so groß wie ein Kleinbus, sollen durch die Republik nach Gorleben gefahren werden. Dort landen sie in einer Halle, im Zwischenlager für Atommüll. Auch an elf anderen Orten wird das strahlende Erbe aus Atomkraftwerken geparkt. Denn ein Endlager, in dem der hochradioaktive Müll unter der Erde sicher verschlossen werden könnte, gibt es bisher nicht.
Eigentlich war der Salzstock in Gorleben als Endlager vorgesehen, doch seine Eignung konnte nie erwiesen werden. Nun geht die Suche von vorne los: Bund und Länder haben beschlossen, im ganzen Land nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall zu suchen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) erklärte an diesem Freitag nach einem Treffen mit Vertretern der 16 Bundesländer: "Es gibt eine weiße Landkarte - kein Tabu."
Doch welche Regionen kommen für das unterirdische Endlager tatsächlich in Frage?
Geologen erklären, dass die meisten Regionen in Deutschland nicht in Betracht kommen. Ausgeschlossen werden alle Gebiete, in denen die Erde in Bewegung geraten oder in denen Wasser oder Gase durchs Gestein sickern könnten. Vulkangebiete wie Eifel oder Vogtland eignen sich genauso wenig wie die Erdbebenregionen Schwäbische Alb oder Rheingraben. Auch die Alpen wurden gestrichen, weil das Gebirge in Bewegung ist. Zudem werden Flächen von der Planung ausgeschlossen, die keinen festen Grund bilden, also Sand, zerrütteter Fels oder Kalkstein.
Geeignet erscheinen den Experten Tongestein, Felsmassive und Salzstöcke. Die meisten Regionen liegen in Norddeutschland, doch Gebiete im Süden und Südosten rücken nun in den Blick der Endlagersuche (siehe auch die Karten in der Fotostrecke):
Die Endlagersuche in Deutschland tritt seit langem auf der Stelle: Bereits 1998 hatte die damals neue rot-grüne Bundesregierung beschlossen, die jahrzehntelangen Erkundungen im Salzbergwerk Gorleben auszusetzen und eine offene Suche zu beginnen. Zwei Jahre später beauftragte der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) ein 14-köpfiges Expertengremium, den "Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte" (AkEnd), ein Verfahren für die deutschlandweite Suche nach einem einzigen Endlager für sämtlichen Atommüll zu finden.
Der AkEnd erarbeitete ein präzises Suchkonzept, aus dem unter anderem die Schweiz Teile übernahm. Doch der Arbeitskreis wurde nach Abgabe seines Abschlussberichtes 2003 von der rot-grünen Regierung aufgelöst - seither ruhte die Endlagersuche endgültig. Mittlerweile fordern Experten bereits ein Paradox: Atom-Endlager auf Zeit. Um das strahlende Erbe rasch unter die Erde schaffen zu können, sei es besser, Kurzzeit-Endlager zu bauen, argumentieren sie.
Die Bundesregierung jedoch befürwortet weiterhin ein Endlager für die Ewigkeit. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) peilt nun an, 2020 zwei mögliche Standorte ausgewählt zu haben und sie dem Volk zur Wahl zu stellen. Das Endlager für Deutschland könnte dann in 30 Jahren zur Verfügung stehen.
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