Grubenunglück in Thüringen Gewaltige Detonationswelle verbreitete tödliches Gas

Beim Grubenunglück in Thüringen mit drei Toten ist eine enorme Menge Kohlendioxid ausgetreten. Nun rätseln Experten: Hatten die Männer nicht mehr genug Zeit, ihre Schutzmasken aufzusetzen?

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Am Tag nach dem schweren Grubenunglück im thüringischen Unterbreizbach suchen Experten nach dem Grund für den Unfall. Feststeht, dass ein massiver Kohlendioxidaustritt für den Tod der drei Bergleute verantwortlich war. Aber warum ist es dazu gekommen?

Bis auf weiteres ruhe die Arbeit in der Kaligrube, sagt Michael Wudonig, Sprecher des Kali- und Steinsalzproduzenten K+S. "Die Frühschicht ist am Morgen nicht eingefahren und wurde freigestellt." Staatsanwaltschaft und Bergamt ermitteln vor Ort.

Am Dienstag gegen 13 Uhr hatte eine Routinesprengung im Kalibergwerk Unterbreizbach eine so außergewöhnlich große Menge an Kohlendioxid freigesetzt, dass eine Druckwelle kilometerweit durch die Grube rollte und mit ihrer Kraft auch die normalerweise CO2-freien Bereiche überrollte. "Eine solche Druckwelle hatten wir zuletzt in den fünfziger Jahren", sagte Wudonig.

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Explosion im Kalibergwerk: Tote Bergleute sollten die Sicherheit prüfen
Normalerweise werden in Unterbreizbach dreimal am Tag tonnenschwere Brocken Rohsalz in 900 Metern Tiefe aus dem Untergrund gesprengt. Immer zum Schichtwechsel, denn dann befindet sich kein Arbeiter in der Grube. Über Tage ist höchstens ein Grummeln zu vernehmen. Nach der Sprengung fährt ein Vorauskommando den Schacht hinunter. Die Männer überprüfen den Verlauf der Sprengung und testen den Kohlendioxidgehalt der Luft - genau das hatten die Männer, die sich am Dienstag in der Grube aufhielten, auch getan.

Schutzmasken zu spät eingesetzt

"Die Kontrolle ist wichtig, denn in der Region, in der das Bergwerk liegt, hat sich in Millionen von Jahren Kohlendioxid eingeschlossen", sagte Wudonig. Die Bergarbeiter halten sich in dieser Zeit in den kohlendioxidfreien Bereichen auf. Die gebe es unter Tage, weil das Kohlendioxid aufgrund seines Strömungsverhaltens nicht jede Stelle in der Grube erreicht.

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Thüringen: Drei Tote nach Gasexplosion in Kalibergwerk

Die Arbeiter tragen sogenannte Sauerstoffselbstretter bei sich. Die kleinen Geräte werden übergezogen, wenn der Sauerstoffgehalt in der Luft zu gering ist. "Wenn die Bergleute ein solches Gerät tragen, haben sie für 50 Minuten Atemluft und können entweder zum Wetterschacht laufen, wo es Frischluft gibt, oder in eine Schutzkammer", sagt Reinhard Schmidt, Honorarprofessor für Sicherheitstechnik im Bergbau an der TU Bergakademie Freiberg. Allerdings würden die Bergarbeiter die Masken nur im Ernstfall überziehen. "Einmal aktiviert muss man die Geräte auch benutzen, und eine Reaktivierung kostet viel Geld", sagte Schmidt.

Wo sich die sieben Männer aus dem Vortrupp zu dieser Zeit aufhielten, wird derzeit ermittelt. Feststehe, so K+S-Sprecher Wudonig, dass sie sich in 700 Metern Tiefe aufhielten und nach der Freisetzung des Gases eingeschlossen waren. Vier Männer konnten sich vor dem Gas in den Schutzraum retten und über Tage gelangen, für drei Bergleute im Alter von 24, 50 und 56 Jahren kam jede Hilfe zu spät. Auch oberhalb des Bergwerks war der Gasausbruch zu spüren.

Standorte der Kalibergwerke in Deutschland
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Standorte der Kalibergwerke in Deutschland

Bei der Gasexplosion in Unterbreizbach handelt es sich wahrscheinlich um das schwerste Grubenunglück seit 1989 in Deutschland. Die Region im Südwesten Thüringens nahe der Landesgrenze zu Hessen ist seit Jahrzehnten vom Kalibergbau geprägt.

Wie funktioniert der Kalibergbau?

  • Bei Temperaturen von 25-40 Grad Celsius und einer Tiefe von 400 bis 1.500 Metern wird Kali abgebaut. Jedes Bergwerk verfügt über mindestens zwei Schächte, die separat für den Transport von Bergleuten und Material und für die Förderung der Rohsalze genutzt werden.

  • Die Verkehrswege unter Tage erreichen eine Länge von 150 bis 180 km, was in Unterbreizbach dem Straßennetz von Münchens entspricht.

  • Für die Kaligewinnung werden in das Salzgestein sieben Meter tiefe Sprenglöcher gebohrt und mit Sprengstoff gefüllt. Die anschließend gesprengten Salzbrocken werden von riesigen Schaufelladern zu den Brecheranlagen gefahren. Über Förderbänder gelangt das Rohsalz zum Schacht, wo es über Tage in die Fabrik transportiert wird.

Was ist eigentlich Kali?

  • Mit Kali wird Kaliumdüngemittel für den Einsatz in der Landwirtschaft bezeichnet. Kalium ist ein in der Natur vorkommendes Element, das synthetisch nicht herstellbar ist und das als eines der wichtigsten Nährstoffe (neben Stickstoff und Phosphat) unverzichtbar ist für das Pflanzenwachstum.

  • Kalium ist mit einem Massenanteil von 2,4 Prozent das siebthäufigste Element in der Erdhülle. Kalilagerstätten bestehen aus festen Kaliumsalzgesteinen, bei denen die Kaliumminerale Sylvin, Carnallit, Kainit und Langbeinit vorherrschen.
  • Alle größeren festen Kalilagerstätten der Welt sind marinen Ursprungs, die durch die Verdunstung von Meerwasser in nahezu allen geologischen Systemen der Erdgeschichte seit dem Kambrium vor rund 550 Millionen Jahren entstanden sind. Da während der verschiedenen erdgeschichtlichen Epochen in großen Teilen der Erde oftmals ein arides Klima mit starker Sonneneinstrahlung herrschte, verdunstete das salzhaltige Meerwasser der Binnenmeere. Als Folge stieg die Salzkonzentration des Wassers, die gelösten Salze kristallisierten aus und lagerten sich schließlich in der Reihenfolge ihrer Löslichkeit ab.
  • Die Entdeckung der ersten Kalilagerstätte der Welt geht auf das Jahr 1856 zurück als man bei Teufarbeiten zur Erschließung einer Steinsalzlagerstätte in Staßfurt (nahe Magdeburg in Sachsen-Anhalt) erstmalig auch auf kalihaltige Schichten stieß.
  • Die weltweit bekannten geologischen Kalivorkommen belaufen sich auf rund 210 Milliarden Tonnen Kaliumoxid. Nach heutiger Einschätzung sind davon bis zu 16 Milliarden Tonnen Kaliumoxid mit dem aktuellen Stand der Technik gewinnbar.
  • Mit gewinnbaren Vorräten von bis zu 0,8 Milliarden Tonnen sind die Kalivorkommen in Deutschland weltweit die viertgrößten.

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
spiritof81 02.10.2013
1.
Zitat von sysopK+SBeim Grubenunglück in Thüringen mit drei Toten ist eine enorme Menge Kohlendioxid ausgetreten. Nun rätseln Experten: Hatten die Männer nicht mehr genug Zeit, ihre Gasmasken aufzusetzen? http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/grubenunglueck-in-unterbreizbach-viel-kohlendioxid-ausgetreten-a-925710.html
Zunächt einmal Beileid den Angehörigen der Bergleute. Bin mal gespannt, wann (und ob) hier die ersten Kommentare kommen und diesen Vorfall mit CCS in Verbindung bringen
Lebostein 02.10.2013
2.
Warum versucht man eigentlich krampfhaft, irgendwo ein paar kg CO2 in die Erde zu pressen und dort zu speichern, wenn an anderer Stelle täglich Unmengen davon freigesetzt werden?
Crom 02.10.2013
3.
Zitat: "Eine solche Druckwelle hatten wir zuletzt in den 1950er Jahren". Da hat er wohl das große Grubenunglück von 1960 in Zwickau vergessen. Da war die Explosion so schwer, dass es noch tagelang gebrannt hat.
_christoporus_ 02.10.2013
4. CO2? Gasmasken?
Wenn es sich hier um CO2 und nicht um CO handelt, was nützen dann Gasmasken? Wo kein Sauerstoff ist, ist zum Atmen nichts mehr zu holen. Allenfalls könnten Sauerstoffmasken helfen. Oder ist SPON nicht richtig informiert?
augu1941 02.10.2013
5.
Zitat von _christoporus_Wenn es sich hier um CO2 und nicht um CO handelt, was nützen dann Gasmasken? Wo kein Sauerstoff ist, ist zum Atmen nichts mehr zu holen. Allenfalls könnten Sauerstoffmasken helfen. Oder ist SPON nicht richtig informiert?
Selbstretter versorger den Träger für ca. 1 Std mit dem nötigen Sauerstoff in der eingeatmeten Luft (wahrscheinlich wird CO2 aus der ausgeatmeten Luft gebunden u. O2 zugesetzt). Das im Salzgestein eingeschlossene CO2 stammt nicht aus CO2 Verpressung(gibt es dort überhaupt nicht) und auch nicht aus Endlaugenverpressung, sondern ist vulkanischen Ursprungs (als im Tertiär, 200 Millionen Jahre nach der Bildung der salzlagerstätten im Zechstein, Magma durch die Salzlagerstätte an die Erdoberfläche drang), deshalb auch das Basaltgestein in der Rhön.
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