European XFEL Elbphilharmonie grüßt Röntgenlaser

Deutschlands teuerstes Experiment geht im September offiziell in Betrieb. Vor dem Start veranstalteten Hamburg und Schleswig-Holstein eine Lasershow.

DPA

Wie eröffnet eine Stadt eine wichtige und sehr teure Forschungsanlage, die tief unter der Erde liegt und von der nicht allzu viel an der Oberfläche zu sehen ist? Sie verbündet sich mit einem Kulturprojekt, das ebenfalls wichtig ist und auch viel Geld gekostet hat. Schließlich sieht Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) die neue Röntgenlaseranlage European XFEL ja auch als "Elbphilharmonie der Forschung".

Am Montagabend schickte das Konzerthaus einen "Lasergruß" über Hamburgs Dächer zum Endpunkt der 3,4 Kilometer langen, unterirdischen Laseranlage nach Schenefeld. Am 1. September nimmt der Röntgenlaser offiziell den Betrieb auf.

Größtenteils unteririsch

Der XFEL ist eng mit dem Deutschen Elektronen-Synchrotron (Desy) in Bahrenfeld verbunden, wo seit den Sechzigern mit Teilchenbeschleunigern gearbeitet wird. Acht Jahre wurde an der Anlage gebaut, die Kosten belaufen sich auf 1,22 Milliarden Euro.

Der größte Teil der Einrichtung befindet sich in unterirdischen Tunneln, in denen die Röntgenblitze in einem technisch komplexen Verfahren erzeugt und für Experimente genutzt werden. Überirdisch gibt es insgesamt drei separate Betriebsgelände, das größte befindet sich in Schenefeld in Schleswig-Holstein. Dort liegt auch der Forschungscampus, auf dem Spezialisten aus aller Welt mit dem Röntgenlaser arbeiten sollen.

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European XFEL: Lasergruß vor dem Start

Im XFEL sollen die hellsten Röntgenblitze der Welt erzeugt werden, bis zu 27.000 pro Sekunde. Die Leuchtstärke soll milliardenfach über dem liegen, was vergleichbare Anlagen bislang leisten. Forscher wollen mithilfe der ultrakurzen Röntgenblitze dreidimensionale Aufnahmen in atomarer Auflösung anfertigen. Dabei sollen zum Beispiel Details von Viren und Zellen sichtbar werden. Auch das Filmen chemischer Reaktionen soll möglich sein.

Darüber hinaus lassen sich die Strahlen auch bündeln und dazu nutzen, Materie in extremste Druck- und Temperaturzustände zu versetzen. Damit lassen sich etwa Vorgänge im Inneren von Planeten simulieren.

Elf europäische Länder sind am XFEL beteiligt. Größte Geldgeber sind Deutschland mit 58 und Russland mit 27 Prozent. Die übrigen Länder sind mit jeweils 1 bis 3 Prozent der Kosten dabei.

wbr/dpa/AFP



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