Fessenheim Hendricks fordert Abschaltung von französischem AKW

Das französische AKW Fessenheim nahe der deutschen Grenze gilt als anfällig für Pannen. Umweltministerin Hendricks fordert von der französischen Regierung die Abschaltung.

Greenpeace-Protest am Atomkraftwerk Fessenheim: Schließung in Sicht
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Greenpeace-Protest am Atomkraftwerk Fessenheim: Schließung in Sicht


Hamburg - Die beiden Reaktoren des Atomkraftwerks Fessenheim wurden Ende der Siebzigerjahre in Betrieb genommen, sie sind die ältesten in Frankreich. In dem AKW hatte es in den vergangenen Jahren zahlreiche kleinere Pannen gegeben, Gefahr für Anwohner soll aber nicht bestanden haben.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) fordert von der französischen Regierung die schnellstmögliche Abschaltung des umstrittenen Atomkraftwerks nahe der deutschen Grenze. "Wie Sie wissen ist die Bevölkerung im grenznahen Bereich über die Sicherheit des Atomkraftwerks sehr besorgt", heißt es in einem Schreiben an die französische Energieministerin Ségolène Royal.

Die "Badische Zeitung" hatte zuerst über den Brief berichtet. Hendricks bat darum, die Sorgen zu berücksichtigen und "die Stilllegung des Kraftwerks zum frühestmöglichen Zeitpunkt vorzusehen".

Eigentlich wollte Frankreich sein elsässisches Atomkraftwerk Fessenheim schließen - den angestrebten Termin Ende 2016 hat Präsident François Hollande jedoch jüngst in Frage gestellt. Verfahren und Studien für die Schließung dieses ältesten Atomkraftwerks des Landes seien in Arbeit, sagte der Präsident am Montag im französischen Rundfunksender France Inter. Der genaue Zeitpunkt der Stilllegung der Meiler an der Grenze zu Deutschland bleibt also offen - Hollande wollte trotz Nachfrage kein konkretes Datum nennen.

Neues Energiegesetz

"Eine Anlage muss geschlossen werden", sagte er mit Blick auf das Regierungsziel, den Atomstrom in Frankreich zu verringern. Welche Anlage dies sein werde, sagte er aber nicht.

Hollande hatte die Stilllegung des umstrittenen Atomkraftwerks Fessenheim ursprünglich bis Ende 2016 angekündigt. In dem neuen Energiewende-Gesetz der sozialistischen Regierung in Paris ist die Stilllegung von Fessenheim jedoch nicht verankert. Kern des Gesetzes ist die Senkung des Anteils der Atomkraft an der Stromproduktion von derzeit 75 auf 50 Prozent im Jahr 2025.

Da vermutlich im Jahr 2017 der Europäische Druckwasserreaktor (EPR) im nordfranzösischen Flamanville in Betrieb gehen soll, müssen im Gegenzug andere Reaktoren stillgelegt werden. Umweltministerin Ségolène Royal hatte im Herbst gesagt, dies müssten nicht zwangsläufig die beiden Reaktoren in Fessenheim sein.

boj/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
shopper34 14.01.2015
1.
Hervorragendes Timing, Frau Hendrix. Gratulation! Die französische Regierung hat grade nix anderes zu tun .
tulu01 14.01.2015
2. klar@#1
die zuständigen für Umwelt und Energie werden wohl kaum gebraucht um Terroristen zu finden...
MtSchiara 14.01.2015
3. das Bessere ist der größte Feind des Guten
Solange Deutschland keine Technik anbieten kann, die umweltfreundlichen und billigen Grundlaststrom produziert, sollten sich hiesige Politiker damit zurückhalten, Forderungen an unsere Nachbarn zu stellen. Es war ein sehr großer politischer Fehler von Merkel und den Grünlingen, daß sich Deutschland aus Forschung und Entwicklung von Kernkraftwerken der vierten Generation verabschiedet hat. Somit werden wir auch auf absehbare Zeit in der Zukunft keine überzeugende Alternativtechnologie zur Erzeugung von Grundlaststrom und zur Lösung des Weltenergieproblems anbieten können.
karl-felix 14.01.2015
4. Ich
würde erst einmal die deutschen Atommeiler vom Netz nehmen. Es ist eine uralte menschliche Erfahrung : Wenn jeder vor seiner Haustüre fegt, wirds überall sauberer. Und die deutschen Atommeiler sind überflüssig wie ein Kropf, niemand braucht die. Also weg damit und dann sehen die Franzosen, wie man ohne Atomstrom triple A geratet wird. Mit anderen Worten : Mit gutem Beispiel vorangehen. Die Franzosen wissen selber , dass ihre momentane Energieversorgung eine Sackgasse ist.
com 14.01.2015
5.
Sollte Frankreich für den Fall eines Supergau vorsichtshalber eine Kaution in Deutschland hinterlegen?
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