Waffentest US-Hyperschall-Geschoss explodiert bei Start

Das US-Militär hat erneut ein Hyperschall-Geschoss getestet - und eine Panne erlebt. Der Flugkörper stürzte nur wenige Sekunden nach dem Abheben auf das Startgelände. Nur durch Glück wurde dort niemand verletzt.

AP / Scott Wight

Washington - Das US-Militär hat bei der Entwicklung von Hyperschall-Waffen einen Rückschlag erlitten. Ein Geschoss ist am Montag vier Sekunden nach dem Start auf dem kommerziellen Kodiak Launch Complex in Alaska explodiert, wie das US-Verteidigungsministerium erklärte. Man habe die Mission abgebrochen, um die öffentliche Sicherheit nicht zu gefährden. "Die Waffe explodierte beim Start und stürzte auf den Startkomplex zurück", sagte Pentagon-Sprecherin Maureen Schumann. Die "Washington Post" zitiert Schumann mit der Aussage, dass "glücklicherweise niemand verletzt wurde". Über den Umfang der Schäden an der Einrichtung machte das Pentagon keine Angaben.

Die sogenannte Advanced Hypersonic Weapon wurde von den Sandia National Laboratories und der US-Armee entwickelt und wird mit einer dreistufigen Feststoffrakete, dem "Strategic Target System" ("Stars"), gestartet. Die Waffe, die mindestens fünffache Schallgeschwindigkeit - also mehr als 6000 km/h - erreichen soll, könnte Teil des "Prompt Global Strike"-Programms werden. Es soll den USA ermöglichen, jedes Ziel der Welt innerhalb einer Stunde zu treffen.

Derartiges ist bisher nur mit Interkontinentalraketen möglich. Doch der Einsatz von Atomwaffen bei kleineren Konflikten ist ethisch und politisch praktisch undenkbar. Zwar können Interkontinentalraketen auch mit nicht-nuklearen Sprengköpfen bestückt werden, doch eine solche Nutzung hat die US-Regierung verworfen - aus Angst, dass andere Atommächte dies als nuklearen Erstschlag missverstehen könnten.

Zur Lösung des Dilemmas lässt die US-Regierung seit Jahren Hyperschall-Waffen entwickeln, die ihre Ziele ähnlich schnell erreichen sollen wie Interkontinentalraketen, ohne mit diesen verwechselt zu werden. Die Advanced Hypersonic Weapon ist eine von mehreren Waffen, die hierfür infrage kommen könnten. Sie wurde im November 2011 erstmals erfolgreich getestet; damals flog sie von Hawaii zum rund 4100 Kilometer entfernten Kwajalein-Atoll. Am Montag hätte sie von Alaska aus das Kwajalein-Atoll erreichen sollen, was einer Distanz von 6400 Kilometern entspricht.

Angst vor Wettrüsten

Kritiker sehen jedoch auch in der Entwicklung der Hyperschall-Waffen ein globales Sicherheitsrisiko. Zum einen gelten sie als destabilisierend, weil Raketenabwehrsysteme nichts gegen sie ausrichten können. Außerdem besteht die Gefahr eines Rüstungswettlaufs. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. So sollen sowohl Russland als auch Indien und China inzwischen an Hyperschall-Waffen forschen.

Peking etwa hat erst Anfang August zum zweiten Mal einen Hyperschall-Flugkörper getestet. Allerdings soll es auch hier eine Panne gegeben haben: Wie die "South China Morning Post" vergangene Woche berichtete, ist der Raketenträger mit dem Gleiter kurz nach dem Start in Nordwestchina auseinandergebrochen. Auch der erste Test mit dem Flugkörper "WU-14" soll schiefgegangen sein, wie die Zeitung unter Berufung auf zwei dem Militär nahestehende Quellen berichtete.

Experten glauben dennoch nicht, dass die USA nach dem jüngsten Fehlschlag die Forschung an Hyperschallwaffen aufgeben werden. "Das ist eine sehr wichtige Aufgabe, und die Technologie ist vielversprechend", sagte Riki Ellison, Gründer der Missile Defense Advocacy Alliance.

Anthony Cordesman vom Center for Strategic and International Studies, hält Hyperschall-Waffen für geeignet als Mittel gegen kleinere, weniger hoch entwickelte Staaten, die im Besitz von Raketen sind. Die USA seien nie davon ausgegangen, Hyperschall-Waffen gegen eine Macht wie China einzusetzen. "Aber für Länder wie Iran oder Nordkorea wären sie eine sehr bedeutende Abschreckung."

Andere Fachleute wie James Acton vom Carnegie Endowment for International Peace geben dagegen zu bedenken, dass das Pentagon niemals klar gesagt hat, wofür Hyperschall-Waffen gut sein sollen. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass diese Systeme innerhalb des nächsten Jahrzehnts einsatzbereit seien. Aber dass sowohl die USA als auch China diese Waffen testeten, sei ein klares Zeichen für einen drohenden Rüstungswettlauf.

mbe/Reuters

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
thkarlau 26.08.2014
1. Gut so!
Die Welt braucht keine neue Bedrohung, auch wenn sie aus der Ferne kommt. Der einzige nachvollziehbare, wahre Grund für den Bau solcher Waffen ist die Festigung der Weltherrschaft, die den USA immer mehr entgleitet. Was würden sie wohl sagen, wenn Russland oder China an solchen Experimenten arbeiten würde?
schmusel 26.08.2014
2.
Zitat von thkarlauDie Welt braucht keine neue Bedrohung, auch wenn sie aus der Ferne kommt. Der einzige nachvollziehbare, wahre Grund für den Bau solcher Waffen ist die Festigung der Weltherrschaft, die den USA immer mehr entgleitet. Was würden sie wohl sagen, wenn Russland oder China an solchen Experimenten arbeiten würde?
Tja, hättest du mal über die Überschrift hinaus gelesen, dann wüsstest du, dass China und Russland selbst an solchen Waffen arbeiten. Schon alleine deshalb ist es gut wenn die USA darin führend sind - denen traue ich trotz Spitzeleien immer noch mehr als den anderen beiden Imperialisten.
erwrom 26.08.2014
3. ich weiß nicht ob sie es schon wußten
aber genau die selben Forschungen werden auch in anderen ländern der welt getätigt zb in China forscht man an einem uboot was die strecke shanghai san Francisco in 100 Minuten schaft. ich bin auch kein Freund von Amerika aber es ist die beste Alternative
tucks42 26.08.2014
4. @#1
Haben Sie den Artikel zu ende gelesen? dort steht daß auch China solch einem Flugkörper arbeitet...
Septic 26.08.2014
5. Vorbereitung für den Konflikt mit China
Seit Nixxon der von der gelben Gefahr (yellow peril) sprach haben die Thinktanks in USA die Großmacht China als potentiellen Kriegsgegner auf der Gefahrenliste. Beim Project New American Century (PNAC) wurde der Nahe Osten und die Einnahme des Irak auch explizit als vorgeschobene Basis für den künftigen Militärkonflikt mit dem Reich der Mitte auserkohren. Sogar Clinton war davon überzeugt. Das ist also keine Republikanische Falkenfantasie, das glauben auch die Demokraten (sprechen aber öffentlich nur sehr ungern darüber). Der starke Fokus auf Langstreckenwaffen und Marine ist ebenfalls ein Ausfluss dieser Planung und Befürchtung. Chinas GDP wächst exponential und braucht immer mehr Ressourcen. Kleine Streits um Stahl und seltene Erden gab es bereits zwischen China und USA. Dazu kommt der Schuldenberg den USA bei China hat (1,3 Billionen Dollar). Würde es zum Krieg kommen wäre der kein Thema mehr. Auf der anderen Seite verhindert die Globalisierung welche man zu Nixxon Zeiten nicht kannte, dass man zu schnell agressiv wird. Man würde sich ja die eigenen Fabrikanlagen der US Unternehmen gefährden. Für den Frieden ist hier die Globalisierung ein guter Hemmschuh für Kriegsgelüste auf beiden Seiten. Wenn China aber ernste Ressourcenprobleme bekommt welche die Wirtschaft abschnüren, dann werden wir gerade in Afrika erste Stellvereterkriege zwischen China und USA sehen welche sich dann später ausweiten könnten. Im Weissen Haus ist man sich dieser Sache sehr bewußt und treibt solche Projekte wie "Stars" weiter an. China auf der anderen Seite rüstet aktuell auch gerade auf. Auf digitaler Ebene ist der Krieg bereits ausgebrochen. China und USA befinden sich seit paar Jahren in einem zähen Cyberwar mit massiven Attacken auf die Infrastruktur und Militärsicherheit auf beiden Seiten. Das Händeschütteln und Wirtschaftsverträge für die Öffentlichkeit verdecken nur mühsam diesen immer heißer werdenden Konflikt der in 10 Jahren evtl. gewaltsam werden könnte.
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