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Importe aus Japan: Russischer Zoll beschlagnahmt radioaktive Autos

Die ersten radioaktiven Importe aus Japan sind aufgetaucht: Im Hafen von Wladiwostok hat der russische Zoll Gebrauchtwagen beschlagnahmt - und fürchtet jetzt eine größere Welle belasteter Autos.

Gebrauchtwagen am Hafen von Sendai: Radioaktiv kontaminiert Zur Großansicht
DPA

Gebrauchtwagen am Hafen von Sendai: Radioaktiv kontaminiert

Wladiwostok - Der russische Zoll hat im Hafen von Wladiwostok 49 Gebrauchtwagen aus Japan wegen überhöhter radioaktiver Strahlung beschlagnahmt. Die Strahlung der Fahrzeuge sei sechsmal so hoch wie normal, sagte der Leiter der zuständigen Abteilung der regionalen Zollbehörde, Roman Famin, am Donnerstag. Die Autos trafen demnach vor zehn Tagen in dem Hafen im Osten Russlands ein.

Die Hafenbehörde fürchtet nun, dass ihr bald die Abstellplätze für weiter eintreffende radioaktiv kontaminierte Autos ausgehen könnten. Die zentrale Regierungsbehörde für Verbraucherschutz habe noch keine Entscheidung darüber getroffen, was mit den Fahrzeugen passieren solle, sagte Famin. "Wenn die Entscheidung nicht fällt, wird der Hafen voller radioaktiver Autos sein."

Im Hafen von Wladiwostok treffen täglich etwa 300 Fahrzeuge aus dem Ausland ein. Der Handel mit Gebrauchtwagen, insbesondere aus Japan, ist für die Region um Wladiwostok ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Allerdings waren die Zölle vor einiger Zeit per Gesetz erhöht worden, um die russischen Autobauer in der Wirtschaftskrise vorübergehend zu unterstützen.

Derweil verschärfen Südkorea und die USA die Einfuhrbeschränkungen von Lebensmitteln aus bestimmten Gebieten in Japan. Dies berichten die Nachrichtenagenturen Jiji Press und Kyodo am Donnerstag unter Berufung auf Regierungsbehörden. Für Südkorea seien insgesamt 13 japanische Präfekturen von dem Importverbot sämtlicher Lebensmittel betroffen. Das Land reagiere damit auf die Erhöhung der Gefahr nach dem Atomunfall in Fukushima auf die höchste Stufe 7.

In den USA dürfen Kontrolleure ab sofort Gemüse, Obst, Milch und Milchprodukte aus den Bezirken Fukushima, Ibaraki, Tochigi, Gunma, Chiba und Saitama in Häfen und andere Handelsorten festhalten. Nur nachgewiesen unbelastete Waren dürfen in das Land eingeführt werden, berichtete Kyodo.

Unterdessen hob Japan am Donnerstag das seit dem 21. März im eigenen Land gültige Handelsverbot für das Blattgemüse Kakina aus der Präfektur Tochigi auf. Tochigi grenzt südwestlich an die Präfektur Fukushima. Die radioaktive Belastung liege "stabil unterhalb des Grenzwertes", zitiert Kyodo den Regierungssprecher Yukio Edano.

cib/AFP/dpa

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1. Au weia,
warzenmeissel 14.04.2011
Zitat von sysopDie ersten radioaktiven Importe aus Japan sind aufgetaucht: Im Hafen von Wladiwostok hat der russische Zoll Gebrauchtwagen*beschlagnahmt - und fürchtet jetzt eine größere Welle belasteter Autos. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,757023,00.html
überall "German Angst." So'n bisschen Radioaktivität ist doch gesund, haben uns die Grossmann-Jünger immer wieder verraten.
2. Wird ja alles kontrolliert und kann nienicht pasieren.
amgitsnops 14.04.2011
Zitat von sysopDie ersten radioaktiven Importe aus Japan sind aufgetaucht: Im Hafen von Wladiwostok hat der russische Zoll Gebrauchtwagen*beschlagnahmt - und fürchtet jetzt eine größere Welle belasteter Autos. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,757023,00.html
Verstrahlte Dinge umgehend auf Kosten der Transporteure zurückschicken, basta. Das Problem regelt sich dann schnellstens. Verstrahlte Autos ... wenn das der Michel wüsste. Geigerzähler drauf beim Autokauf, und nicht nur da. Bitter, daß die Lacher über "german Angst" auch jetzt wieder auf den Boden fallen. Japan schafft sich ab, der nächste Akt.
3. Die
warzenmeissel 14.04.2011
Züge wurde ins Emsland gefahren, standen dort lange versteckt auf den Gleisen einer Privatbahn herum, die gut daran verdiente. Schließlich wurde in Lingen eine spezielle Ionentauschanlage gebaut und 5000 Tonnen darin mehr oder weniger entseucht. Bis zu etwa 100 Becquerel pro Kilogramm blieben übrig. Die Molke entdete als Viehfutter.
4. zusammenfassung
agnitia 14.04.2011
aus der sicht eines laien, der mal wieder nix blickt: einerseits: - die gemessene und veröffentlichte strahlung ist eigentlich nicht mehr der rede wert, siehe www.grs.de http://fukushima.grs.de/sites/default/files/Messwerte%20ODL%20Fukushima%20Daiichi_GESAMT_110414-1230_0.pdf - tokio ist nicht im geringsten gefährdet (oder gab es in den letzten tagen warnungen, die ich verpasst habe?) alles easy andererseits - INES 7 ist jetzt offiziell ausgerufen - warum? strahlung ist doch nicht "so schlimm" - kontaminierte Waren, bspw Autos werden zurückgeschickt - warum? standen die direkt neben den reaktoren oder wie? wie passt das zusammen? nachdem ich nun weiß, ab wann die einheit sievert gefährlich wird, ab wann wird bequerell gefährlich? was bedeutet diese grafik für das meer - wenn schon china unruhig wird?? http://fukushima.grs.de/sites/default/files/Daten%20Seewasser_J131_20110414-0930_0.pdf und was sagt die usa dazu - die westküste ist ja auch nicht unbedingt weit weg? also ich blick echt nicht mehr durch... danke im voraus um aufklärung.
5. zusammenfassung
agnitia 14.04.2011
aus der sicht eines laien, der mal wieder nix blickt: einerseits: - die gemessene und veröffentlichte strahlung ist eigentlich nicht mehr der rede wert, siehe www.grs.de http://fukushima.grs.de/sites/default/files/Messwerte%20ODL%20Fukushima%20Daiichi_GESAMT_110414-1230_0.pdf - tokio ist angeblich nicht im geringsten gefährdet (oder gab es in den letzten tagen warnungen, die ich verpasst habe?) alles easy andererseits - INES 7 ist jetzt offiziell ausgerufen - warum? strahlung ist doch nicht "so schlimm" - kontaminierte Waren, bspw Autos werden zurückgeschickt - warum? standen die direkt neben den reaktoren oder wie? wie passt das zusammen? nachdem ich nun weiß, ab wann die einheit sievert gefährlich wird, ab wann wird bequerell gefährlich? was bedeutet diese grafik für das meer - wenn schon china unruhig wird?? http://fukushima.grs.de/sites/default/files/Daten%20Seewasser_J131_20110414-0930_0.pdf und was sagt die usa dazu - die westküste ist ja auch nicht unbedingt weit weg? also ich blick echt nicht mehr durch... danke im voraus um aufklärung.
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Fotostrecke
Fukushima: Dauereinsatz auf der Atomruine

Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.

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