Interkontinentalrakete "Bulawa": Russland testet die Atom-Keule

Anti-Putin-Demos in Russlands Städten, parallel dazu Machtspiele auf hoher See: Das Verteidigungsministerium in Moskau feiert den erfolgreichen Test neuer Langstreckenraketen. Die von U-Booten abgeschossenen Flugkörper können Atombomben transportieren.

Atom-U-Boot "Juri Dolgoruki": Solche U-Boote können die "Bulawa"-Raketen abfeuern Zur Großansicht
REUTERS

Atom-U-Boot "Juri Dolgoruki": Solche U-Boote können die "Bulawa"-Raketen abfeuern

Moskau/Hamburg - Diesmal hat's geklappt: Russland hat am Freitag erfolgreich zwei neue Interkontinentalraketen getestet, die künftig den Kern der strategischen Atomwaffen bilden sollen. Laut dem russischen Verteidigungsministerium hat ein U-Boot in arktischen Gewässern die zwölf Meter langen "Bulawa"-Raketen abgefeuert.

Die Raketen hätten ihre Ziele auf der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten getroffen. Die Raketen trugen statt atomarer Sprengköpfe nur Attrappen.

Die "Bulawa"-Raketen (russisch für "Keule") hatten bei einigen früheren Tests versagt. So waren im Dezember 2009 "Bulawa"-Raketen im Flug explodiert. Daraufhin war in Teilen Norwegens ein gespenstisches Licht am Nachthimmel zu sehen - damals spekulierten einige Beobachter zunächst über Ufos.

Die für den Einsatz an Bord von U-Booten konzipierte "Bulawa" spielt eine zentrale Rolle bei der Modernisierung des russischen Atomwaffenarsenals. Die neue Rakete ist auf eine Reichweite von 8000 Kilometern ausgelegt und kann zehn Atomsprengköpfe tragen. Sie ist die für den See-Einsatz angepasste Version der neuen russischen Interkontinentalrakete vom Typ Topol-M und soll nach den Ankündigungen des russischen Militärs jedes Abwehrsystem überwinden können.

Unabhängig von dem Raketentest sind in Russland am Samstag Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten gegen Regierungschef Wladimir Putin und die mutmaßlich gefälschten Ergebnisse der Parlamentswahl vor drei Wochen. Es war die größte Demonstration in der Ära Putin.

lis/AFP/rtr

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1. Sinn?
bayrischcreme 24.12.2011
Zitat von sysopAnti-Putin-Demos in Russlands*Städten,*parallel dazu Machtspiele auf hoher*See: Das Verteidigungsministerium in Moskau feiert den erfolgreichen Test neuer Langstreckenraketen. Die von U-Booten abgeschossenen Flugkörper können Atombomben transportieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,805687,00.html
Ich verstehe den Sinn solcher Waffen nicht. Gegen schwache Gegner werden keine Atomwaffen benötigt. Da hat Russland genügend konventionelle Waffen. Gegen starke Gegner USA, China, Indien ... machen sie auch keinen Sinn, da bei einem größeren Atomkrieg die Welt sowieso im A... ist. Zur Abschreckung dürfte das bisherige Atomarsenal auf jeden Fall vollkommen ausreichen.
2. Raketentest
batmanmk 24.12.2011
Zitat von sysopAnti-Putin-Demos in Russlands*Städten,*parallel dazu Machtspiele auf hoher*See: Das Verteidigungsministerium in Moskau feiert den erfolgreichen Test neuer Langstreckenraketen. Die von U-Booten abgeschossenen Flugkörper können Atombomben transportieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,805687,00.html
"Unabhängig von dem Raketentest sind in Russland am Samstag Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen." Welche Art der Abhängikeit darf man sich denn hier vorstellen? Drohte Putin eine Atomrakete abzufeuern oder was soll hier dem unbedarften Leser vermittelt werden?
3. Sorgen
wernerthurner 24.12.2011
Wenn von den anderen Atommächten, allen voran den USA getestet wird, steht nichts in der Presse. Was soll der Leser sich jetzt denken? Vor allem weil gleichzeitig über Putin Proteste berichtet wird. Also ich mache mir mehr Sorgen über die Entwicklungen in Syrien und im Iran, weil da nach bisherigen USA Hegemonie Kriegs Muster der 3.Weltkrieg, allerdings nicht ausgelöst durch Russland oder China, provoziert werden könnte, bzw. ins Haus steht. Dem militärisch-industriellen-Bankenkomplex kann es nur Recht sein. Die Sache ist allerdings mit einigen Unwägbarkeiten und grossen Risiken behaftet.
4. Bulawa - Keule
Jonny_C 24.12.2011
Der Name passt wie die Faust aufs Auge. Damit hat Russland den anderen Atommächten bewiesen, dass sie auch noch mitspielen..... Nicht schön, aber eindrucksvoll. Frohes Fest !
5. ...
Zereus 24.12.2011
Zitat von bayrischcremeIch verstehe den Sinn solcher Waffen nicht. Gegen schwache Gegner werden keine Atomwaffen benötigt. Da hat Russland genügend konventionelle Waffen. Gegen starke Gegner USA, China, Indien ... machen sie auch keinen Sinn, da bei einem größeren Atomkrieg die Welt sowieso im A... ist. Zur Abschreckung dürfte das bisherige Atomarsenal auf jeden Fall vollkommen ausreichen.
Genau die Garantie, dass ein potentieller Angreifer in jedem Fall auch selbst vernichtet würde, steckt hinter der Erneuerung des russischen Atomarsenals. Denn die Garantie ist derzeit nicht mehr unbedingt gegeben. Die Russen haben die Sorge, dass sie wegen des Raketenabwehrschirms der NATO ihre Zweitschlagsfähigkeit einbüssen würden bzw. bereits verloren haben, also müssen sie etwas tun. Die Lösung ist in dem Fall, eine Interkontinentalrakete einzüführen, deren Mehrfachsprengköpfe in der Lage sind, von einer ballistischen in eine semiballistische Flugbahn überzugehen. Dadurch sind sie in der Wiedereintrittsphase kaum abzufangen, der Raketenschild der NATO nutzlos. Als Sahnehäubchen wird diese Rakete auf einem U-Boot stationiert, das in der Lage ist, diese Raketen in Vierersalven bei 15 Knoten Fahrt in 50+ Metern tiefe abzufeuern. Zweitschlagsfähigkeit wiederhergestellt, Russland fühlt sich wieder sicher und ist glücklich. Klingt pervers, ist es auch, aber so funktioniert Machpolitik unter Großmächten nunmal seit rund 60 Jahren ...
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Atom-Abrüstung: Die Verträge der USA und Russlands
Start I
In den Start-Abkommen haben Russland und die USA eine nukleare Abrüstung vereinbart. Die Abkürzung Start steht für Strategic Arms Reduction Treaty (Vertrag zur Verringerung der strategischen Nuklearwaffen).

Der Start-I-Vertrag wurde 1991 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion geschlossen. Nach der allseitigen Ratifizierung trat er im Dezember 1994 in Kraft. Die Vertragsparteien vereinbarten, die Bestände der weitreichenden Systeme (über 5000 Kilometer) um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent zu verringern - auf etwa 8500 amerikanische und rund 7000 sowjetische Sprengköpfe. Der Vertrag ist am 5. Dezember 2009 ausgelaufen.
Start II
Der Start-II-Vertrag wurde im Januar 1993 unterzeichnet. Das Abkommen sieht eine weitere Verringerung der Bestände und den völligen Verzicht auf bodengestützte Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen vor.

Ursprünglich verpflichteten sich die Seiten, die Gesamtzahl der Atomsprengköpfe an bodengestützten Interkontinentalraketen, U-Boot-Raketen sowie Langstreckenbombern bis Januar 2003 in zwei Stufen auf etwa ein Drittel zu reduzieren. Den USA verbleiben danach noch 3500 Sprengköpfe, Russland 3000. Russland ratifizierte den Vertrag erst im Jahr 2000. Im Streit um die US-Raketenabwehrpläne wurde er allerdings durch das Sort-Abkommen ersetzt.
Sort
2002 unterzeichneten der US-amerikanische Präsident George W. Bush und der russische Präsident Wladimir Putin einen Vertrag über die Verringerung der strategischen Atomwaffen. Nach dem bis 2012 gültigen Sort-Vertrag (Strategic Offensive Reductions Treaty) ist eine Begrenzung auf 1700 bis 2200 Sprengköpfe vorgesehen.
Start III
"Es ist der umfassendste Abrüstungsvertrag in nahezu zwei Jahrzehnten", sagt US-Präsident Barack Obama. Er unterschrieb gemeinsam mit Russlands Präsident Dmitrij Medwedew am 8. April 2010 in Prag eine Abmachung, die eine Absenkung der Zahl der nuklearen Sprengköpfe in den nächsten sieben Jahren um 30 Prozent vorsieht - von je 2200 auf je 1550. Die Zahl der Trägersysteme (Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Langstreckenraketen und Langstreckenbomber) wird dem Start-III-Vertrag zufolge auf je 800 halbiert. Das neue Abkommen soll zehn Jahre gelten.

Experten schätzen allerdings, dass sowohl die USA als auch Russland längst über eine geringere Anzahl von funktionsfähigen Atomwaffen und Trägersystemen verfügen, sie demnach gar nicht abrüsten müssen. Außerdem werden strategische Bomber im neuen Start-Vertrag als eine Atomwaffe gezählt. Im alten Abkommen galten sie als zehn Waffen.

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Gipfel in Washington: Die Arsenale der Atommächte

Atom-Abrüstung: Die Verträge der USA und Russlands
Start I
In den Start-Abkommen haben Russland und die USA eine nukleare Abrüstung vereinbart. Die Abkürzung Start steht für Strategic Arms Reduction Treaty (Vertrag zur Verringerung der strategischen Nuklearwaffen).

Der Start-I-Vertrag wurde 1991 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion geschlossen. Nach der allseitigen Ratifizierung trat er im Dezember 1994 in Kraft. Die Vertragsparteien vereinbarten, die Bestände der weitreichenden Systeme (über 5000 Kilometer) um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent zu verringern - auf etwa 8500 amerikanische und rund 7000 sowjetische Sprengköpfe. Der Vertrag ist am 5. Dezember 2009 ausgelaufen.
Start II
Der Start-II-Vertrag wurde im Januar 1993 unterzeichnet. Das Abkommen sieht eine weitere Verringerung der Bestände und den völligen Verzicht auf bodengestützte Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen vor.

Ursprünglich verpflichteten sich die Seiten, die Gesamtzahl der Atomsprengköpfe an bodengestützten Interkontinentalraketen, U-Boot-Raketen sowie Langstreckenbombern bis Januar 2003 in zwei Stufen auf etwa ein Drittel zu reduzieren. Den USA verbleiben danach noch 3500 Sprengköpfe, Russland 3000. Russland ratifizierte den Vertrag erst im Jahr 2000. Im Streit um die US-Raketenabwehrpläne wurde er allerdings durch das Sort-Abkommen ersetzt.
Sort
2002 unterzeichneten der US-amerikanische Präsident George W. Bush und der russische Präsident Wladimir Putin einen Vertrag über die Verringerung der strategischen Atomwaffen. Nach dem bis 2012 gültigen Sort-Vertrag (Strategic Offensive Reductions Treaty) ist eine Begrenzung auf 1700 bis 2200 Sprengköpfe vorgesehen.
Start III
"Es ist der umfassendste Abrüstungsvertrag in nahezu zwei Jahrzehnten", sagt US-Präsident Barack Obama. Er unterschrieb gemeinsam mit Russlands Präsident Dmitrij Medwedew am 8. April 2010 in Prag eine Abmachung, die eine Absenkung der Zahl der nuklearen Sprengköpfe in den nächsten sieben Jahren um 30 Prozent vorsieht - von je 2200 auf je 1550. Die Zahl der Trägersysteme (Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Langstreckenraketen und Langstreckenbomber) wird dem Start-III-Vertrag zufolge auf je 800 halbiert. Das neue Abkommen soll zehn Jahre gelten.

Experten schätzen allerdings, dass sowohl die USA als auch Russland längst über eine geringere Anzahl von funktionsfähigen Atomwaffen und Trägersystemen verfügen, sie demnach gar nicht abrüsten müssen. Außerdem werden strategische Bomber im neuen Start-Vertrag als eine Atomwaffe gezählt. Im alten Abkommen galten sie als zehn Waffen.