Internes Papier Regierung erwägt strengere Vorschriften für AKW

Mehr Schutz gegen Erdbeben und Hochwasser, bessere Notstromversorgung: Die Bundesregierung sammelt Ideen für mehr Sicherheit an deutschen Atomkraftwerken. Das zeigt ein internes Papier, das die Sendung "Kontraste" veröffentlicht hat. Das Ende des Atomzeitalters drohe, fürchten AKW-Betreiber.

Atomkraftwerk Krümmel: Strenge Richtlinien
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Atomkraftwerk Krümmel: Strenge Richtlinien


Eine Ideensammlung aus dem Umweltministerium sieht eine drastische Verschärfung der Sicherheitsnormen für die 17 deutschen Atomkraftwerke vor. "Es ist noch nichts vereinbart, die Gespräche darüber, wie genau diese Sicherheitsüberprüfung aussehen soll, haben gerade erst begonnen", sagte die Sprecherin von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

Das ARD-Magazin "Kontraste" hatte berichtet, das Papier habe als eine Entscheidungsgrundlage für das dreimonatige Atom-Moratorium gedient. Die Hürden seien nach Angaben aus Betreiberkreisen so hoch, dass ein völliges Ende des deutschen Atomzeitalters eingeläutet werden könnte. Auch neuere Kernkraftwerke dürften angesichts der Nachbesserungen nicht mehr rentabel sein.

"Es sei richtig, dass man solche Vorschläge auf den Tisch bringe", sagte Röttgen nach Angaben von Teilnehmern eines Koalitionsgesprächs am Freitagmorgen zu dem Sicherheitskonzept aus seinem Ministerium. "Das Restrisiko muss nach Japan völlig neu bewertet werden", habe der Minister dazu gesagt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Das Papier habe Röttgen als Arbeitsgrundlage bewertet, die weiterentwickelt werden müsse.

Die Grünen trauen dem Vorhaben nicht

Gefordert werden laut "Kontraste" unter anderem hochwasser- und erdbebensichere Atomkraftwerke - die Meiler in Deutschland sind aber bereits in einem bestimmten Maße darauf ausgelegt. Doch Studien sähen Zweifel, dass deutsche AKW möglichen Starkbeben standhalten.

Alle Nachrüstungsmaßnahmen müssten den neuen Plänen zufolge zudem die Gefahren eines Stromausfalls besser abwenden. Auch Flugzeugabstürze dürften demnach keine Gefahr mehr darstellen. Notstromdieselaggregate, Rohrleitungen und Notstandssysteme müssten verbunkert werden. All diese Maßnahmen müssten "nach heutigem Stand von Wissenschaft und Technik" erfolgen und "unverzüglich" umgesetzt werden, heiße es in dem Papier.

Die Grünen trauen dem Vorhaben nicht: "In dem Papier steht beispielsweise drin, dass das neue und strengere kerntechnische Regelwerk sofort umgesetzt werden soll. Das könnte Minister Röttgen im Alleingang sofort machen, tut er aber nicht", heißt es in einer Stellungnahme der Partei. Das Papier sei "ein Versuch entschlossenes und strenges Handeln vorzutäuschen". Mittlerweile habe die Reaktorsicherheitskommission das Papier bereits vom Tisch gewischt, meinen die Grünen.

Schon in der Vergangenheit hatte es im Umweltministerium AKW-Nachrüstlisten mit Kosten von rund 50 Milliarden Euro gegeben, die dann aber aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht umgesetzt wurden.

boj/dpa/Reuters



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insgesamt 6 Beiträge
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lalito 18.03.2011
1. Die gesamte Riege ist eine Altlast
Nach einer Woche Fukushima braucht man nach der Vorgabe von 72 Stunden autarker Notstromversorgung eigentlich gar nicht mehr weiterlesen, oder?
tatsache2011 18.03.2011
2. Marktwirtschaft auch für Kernkraft anwenden
1)Kosten für Atommüll nach Verursacherprinzip auf Kernkraft belasten einschließlich Asse. 2)Haftpflichtversichrung wie bei KFZ 3)Ausschluss der Schäden durch Kernkraft in unsern privaten Versicherungen beseitigen. Prämien neu kalkulieren.
lalito 18.03.2011
3. Versicherung
Nach den offensichtlich bestehenden Risiken (Das Wort Rest ist in den Resten von Fukushima I verlustig gegangen) sollten AKW nun, auf einer für jedermann offenen und transparenten Basis kalkuliert, welrweit nicht, ohne eine umfassend Schäden abdeckende Haftpflichversicherung, betrieben werden dürfen. Ende im Gelände und das Papier direkt in die Tonne.
kjartan75 18.03.2011
4. Titellos glücklich!
Zitat von sysopMehr*Schutz gegen Erdbeben und Hochwasser, bessere Notstromversorgung: Die Bundesregierung sammelt Ideen für mehr Sicherheit an deutschen Atomkraftwerken. Das zeigt ein internes Papier, das die Sendung "Kontraste" veröffentlicht hat. Das Ende des Atomzeitalters drohe, fürchten AKW-Betreiber. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,751741,00.html
Dieses Dokument wird nicht durchkommen, dafür wird die Atomlobby schon sorgen.
lalito 18.03.2011
5. oder so
Zitat von kjartan75Dieses Dokument wird nicht durchkommen, dafür wird die Atomlobby schon sorgen.
Realität und Profit verträgt sich eben nicht immer. ;-((
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