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Roboter-Boot durchquert erstmals den Atlantik

Zweieinhalb Monate brauchte das Mini-Schiff von Neufundland nach Irland. Zum ersten Mal hat damit ein Segelboot ohne Besatzung den Atlantik durchquert.

AP

Zwei Meter langes Segelboot "SB Met"

Dienstag, 04.09.2018   15:04 Uhr

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Den ganzen Sommer trieb das kleine Boot stetig über den unruhigen Atlantik Richtung Osten - bis es am 26. August die Küste Irlands erreichte. Ein historischer Tag. Es handelte sich um die erste Atlantikdurchquerung eines unbemannten Segelbootes. Zuvor hatte 2009 lediglich ein unbemannter, batteriebetriebener Tauchroboter eine vergleichbare Strecke durch den Atlantik gemeistert.

Die "SB Met", die von der norwegischen Firma Offshore Sensing AS gebaut wurde, brauchte laut vorläufigen Angaben zweieinhalb Monate von Neufundland nach Irland. Das Boot ist zwei Meter lang und wiegt 60 Kilo. Losgesegelt ist es in Neufundland im Rahmen der Microtransat Challenge für Roboter-Boote. Der Wettbewerb soll Forscher, Firmen und private Bastler dazu animieren, neue Technik zu entwickeln.

"Eine der härtesten Regionen"

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Langfristiges Ziel ist es, autonome Seeschiffe zu entwickeln - etwa Fähren oder Fracht- und Containerschiffe. Mit solchen Schiffen ließen sich auch die Kosten für Ozeanforschung in abgelegenen Gewässern reduzieren.

"Wir haben jetzt gezeigt, dass das grundsätzlich möglich ist", sagt David Peddie von Offshore Sensing. "Der Nordatlantik ist eine der härtesten Regionen, die man durchqueren kann."

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Im Rahmen der Microtransat Challenge segeln bis zu 2,40 Meter lange Boote entweder zwischen Europa und der Karibik oder zwischen Nordamerika und Irland. Dabei müssen sie regelmäßig ihre Standortkoordinaten übermitteln. In der Klasse der unbemannten Boote, in der die "SB Met" gestartet war, dürfen die Entwickler den Kurs aus der Ferne korrigieren, wenn etwas nicht passt.

Noch eine Stufe komplizierter wird es in der Klasse der autonomen Boote. Dort ist keinerlei Kommunikation zulässig. Hat das Boot einmal abgelegt, ist die Technik auf sich allein gestellt.

Mehr als 20 gescheiterte Versuche

Selbstfahrende Boote funktionieren ähnlich wie selbstfahrende Autos. Sensoren erkunden die Umgebung und übermitteln die Daten an einen Computer, der letztlich das Boot steuert. Leichtere Elektronik, bessere Solarpanele und 3D-Druck haben die Entwicklung solcher Schiffe in den vergangenen Jahren leichter gemacht.

Dennoch haben die Boote bis heute oft noch bei Stürmen mit heftigem Wind und hohen Wellen Probleme. Seit dem Start der Microtransat Challenge im Jahr 2010 gab es 20 Versuche von verschiedenen Teams, die Herausforderung zu meistern. Alle schlugen fehl. Die Boote verhedderten sich in Fischernetzen, wurden von anderen Schiffen eingesammelt oder gingen ganz verloren.

Abkürzung

Die größte Sorge sei es gewesen, dass die "MS Met" auf den letzten Metern noch von einem anderen Schiff eingesammelt wird, so Peddie.

Offshore Sensing hat 14 Exemplare des Segelbootes gebaut. Alle haben ein Deck in der Form eines Surfbrettes, das mit Solarpanelen bedeckt ist. Sie versorgen die Elektronik mit Strom. Das Segel hat die Form eines Trapezes und sitzt in Bug-Nähe.

Einsatz im Hurrikan-Gebiet

"Diese Boote können Aufgaben erledigen, die man mit einem herkömmlichen Schiff nicht hinbekommt", sagt Peddie. Besonders interessant seien sie für die Erforschung gefährlicher Regionen, in denen etwa Hurrikans wüten.

Mit Sensoren an Bord ließen sich etwa Wellen vermessen oder der Salz- und Sauerstoffgehalt bestimmen. Mit Echoloten könnte man Fischeier oder Larven aufspüren und mit Transmittern Daten von Equipment am Meeresboden abfragen. Es gibt auch die Idee, eine Flotte autonomer Boote auszusetzen, die den Seeboden nach Überresten des verlorenen Flugzeugs MH370 absuchen.

Offshore Sensing ist nicht die einzige Firma, die solche Boote entwickelt. Das US-Startup Saildrone arbeitet beispielsweise an einem sieben Meter langen Schiff, das zwölf Monate auf See bleiben kann, um dort Daten zu sammeln. Und die Firma Liquid Robotics, die inzwischen dem Flugzeugbauer Boeing gehört, hat einen Wellengleiter entwickelt, der Energie aus Wellen statt aus Wind gewinnt.

jme/AP

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