US-Studie: Iran könnte in wenigen Wochen Material für Atombombe besitzen
Iran könnte schon bald genug Material für eine Atombombe produzieren. Wie lange das Mullah-Regime dann noch für eine Waffe bräuchte, wisse niemand, warnt ein US-Institut. Deshalb müsse man Teheran davon abhalten, noch mehr Spaltmaterial zu gewinnen.
Wie lange dauert es noch, bis Iran genügend Uran für eine Atomwaffe besitzt? Nur noch wenige Monate, vielleicht sogar nur Wochen, glaubt die israelische Regierung - und bringt deshalb immer wieder einen präventiven Militärschlag ins Spiel. Andere Beteiligte, wie etwa die US-Regierung, sehen dagegen noch genügend Zeit für eine diplomatische Lösung.
Ein neuer Bericht eines einflussreichen US-Instituts legt nun nahe, dass tatsächlich noch Raum für Verhandlungen existiert - aber dass die Zeit knapp wird. Wie das Institute for Science and International Studies (Isis) in seinem Report schreibt, könnte Iran schon innerhalb der kommenden zwei bis vier Monate genügend waffenfähiges Uran zum Bau einer Atombombe produziert haben. Die drei Autoren verstehen darunter eine Menge von 25 Kilogramm Uran, das zu mindestens 90 Prozent angereichert ist.
Dieses Ergebnis scheint auf den ersten Blick jenen in die Hände zu spielen, die in düsteren Farben die Gefahr eines nuklear bewaffneten Irans an die Wand malen und harte Maßnahmen bis hin zu Angriffen auf Teherans Atomanlagen fordern. Doch die Isis-Experten betonen, dass der Weg zur iranischen Bombe noch weiter sein könnte, als es den Anschein hat.
Denn zum einen versuche der Bericht nur vorherzusagen, wann Iran das Spaltmaterial für eine Bombe besitzen könnte - nicht aber, wie lange anschließend der Bau einer funktionierenden Waffe dauere. In diesem Fall stünde das Land vor "neuen technischen Herausforderungen", heißt es in dem Report: "Iran würde viele weitere Monate brauchen, um eine nukleares Gerät zu bauen, das für einen unterirdischen Test taugen würde." Noch länger würde es dauern, einen Sprengkopf zu entwickeln und ihn so kompakt zu gestalten, dass er auf eine Rakete passt.
Rechnung mit vielen Unbekannten
Zum anderen basiert die Berechnung, an deren Ende die zwei bis vier Monate stehen, auf zahlreichen Annahmen, die zum Teil nur wenig gesichert sind - etwa wie effizient die iranischen Anlagen zur Uran-Anreicherung arbeiten, wie schnell der Vorrat an niedrig angereichertem Uran (LEU) wachsen wird und wie viel waffenfähiges Material die Iraner haben wollen. Wollte das Land so schnell wie möglich genug Stoff für eine Bombe zusammenhaben, müsste es einen Großteil seines LEU-Vorrats verbrauchen. Wollte es Material für mehrere Waffen produzieren, wäre mehr Zeit notwendig.
Zudem halten es die Isis-Experten offenbar für unmöglich, dass Iran die Weltgemeinschaft damit überraschen könnte, genügend Uran für eine Atomwaffe auf 90 Prozent anzureichern. Ein solcher sogenannter Breakout "könnte der Internationalen Atomenergiebehörde und den USA nicht entgehen", heißt es. Die notwendigen Vorbereitungen würden lange genug dauern, um ein solches Unterfangen für Teheran enorm riskant zu machen. "Ein Breakout Irans innerhalb des nächsten Jahres ist deshalb unwahrscheinlich", bilanziert Isis.
Das gelte allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Israel keinen Militärschlag gegen Iran unternehme. Die Isis-Autoren reihen sich damit in die lange Liste jener Experten ein, die glauben, dass eine solche Aktion die Iraner nur für kurze Zeit bremsen und das Regime danach umso entschlossener nach der Bombe streben würde.
Die beste Strategie, Iran von Atomwaffen abzuhalten, sei deshalb zu verhindern, dass das Land ausreichende Mengen nuklearen Materials bekomme. Denn auch wenn es technisch schwierig sei, einen Sprengkopf zu bauen: Ein solches Vorhaben sei wesentlich schwieriger zu entdecken als die Anreicherung von Uran. Sollte Iran also eines Tages genug Spaltmaterial besitzen, würde die Welt womöglich erst von der Existenz einer vollständigen Waffe erfahren, "wenn Iran sie unterirdisch zündet oder ihre Existenz auf andere Art bekanntgibt".
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Staats- und Regierungschef:
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Mehr auf der Themenseite

Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.


Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.
Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.
Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.
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