US-Studie: Iran könnte in wenigen Wochen Material für Atombombe besitzen

Von Markus Becker

Iran könnte schon bald genug Material für eine Atombombe produzieren. Wie lange das Mullah-Regime dann noch für eine Waffe bräuchte, wisse niemand, warnt ein US-Institut. Deshalb müsse man Teheran davon abhalten, noch mehr Spaltmaterial zu gewinnen.

Urananreicherungsanlage in Natans: Warnung vor iranischer BombeZur Großansicht
REUTERS/ IRIB

Urananreicherungsanlage in Natans: Warnung vor iranischer Bombe

Wie lange dauert es noch, bis Iran genügend Uran für eine Atomwaffe besitzt? Nur noch wenige Monate, vielleicht sogar nur Wochen, glaubt die israelische Regierung - und bringt deshalb immer wieder einen präventiven Militärschlag ins Spiel. Andere Beteiligte, wie etwa die US-Regierung, sehen dagegen noch genügend Zeit für eine diplomatische Lösung.

Ein neuer Bericht eines einflussreichen US-Instituts legt nun nahe, dass tatsächlich noch Raum für Verhandlungen existiert - aber dass die Zeit knapp wird. Wie das Institute for Science and International Studies (Isis) in seinem Report schreibt, könnte Iran schon innerhalb der kommenden zwei bis vier Monate genügend waffenfähiges Uran zum Bau einer Atombombe produziert haben. Die drei Autoren verstehen darunter eine Menge von 25 Kilogramm Uran, das zu mindestens 90 Prozent angereichert ist.

Dieses Ergebnis scheint auf den ersten Blick jenen in die Hände zu spielen, die in düsteren Farben die Gefahr eines nuklear bewaffneten Irans an die Wand malen und harte Maßnahmen bis hin zu Angriffen auf Teherans Atomanlagen fordern. Doch die Isis-Experten betonen, dass der Weg zur iranischen Bombe noch weiter sein könnte, als es den Anschein hat.

Denn zum einen versuche der Bericht nur vorherzusagen, wann Iran das Spaltmaterial für eine Bombe besitzen könnte - nicht aber, wie lange anschließend der Bau einer funktionierenden Waffe dauere. In diesem Fall stünde das Land vor "neuen technischen Herausforderungen", heißt es in dem Report: "Iran würde viele weitere Monate brauchen, um eine nukleares Gerät zu bauen, das für einen unterirdischen Test taugen würde." Noch länger würde es dauern, einen Sprengkopf zu entwickeln und ihn so kompakt zu gestalten, dass er auf eine Rakete passt.

Rechnung mit vielen Unbekannten

Zum anderen basiert die Berechnung, an deren Ende die zwei bis vier Monate stehen, auf zahlreichen Annahmen, die zum Teil nur wenig gesichert sind - etwa wie effizient die iranischen Anlagen zur Uran-Anreicherung arbeiten, wie schnell der Vorrat an niedrig angereichertem Uran (LEU) wachsen wird und wie viel waffenfähiges Material die Iraner haben wollen. Wollte das Land so schnell wie möglich genug Stoff für eine Bombe zusammenhaben, müsste es einen Großteil seines LEU-Vorrats verbrauchen. Wollte es Material für mehrere Waffen produzieren, wäre mehr Zeit notwendig.

Zudem halten es die Isis-Experten offenbar für unmöglich, dass Iran die Weltgemeinschaft damit überraschen könnte, genügend Uran für eine Atomwaffe auf 90 Prozent anzureichern. Ein solcher sogenannter Breakout "könnte der Internationalen Atomenergiebehörde und den USA nicht entgehen", heißt es. Die notwendigen Vorbereitungen würden lange genug dauern, um ein solches Unterfangen für Teheran enorm riskant zu machen. "Ein Breakout Irans innerhalb des nächsten Jahres ist deshalb unwahrscheinlich", bilanziert Isis.

Das gelte allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Israel keinen Militärschlag gegen Iran unternehme. Die Isis-Autoren reihen sich damit in die lange Liste jener Experten ein, die glauben, dass eine solche Aktion die Iraner nur für kurze Zeit bremsen und das Regime danach umso entschlossener nach der Bombe streben würde.

Die beste Strategie, Iran von Atomwaffen abzuhalten, sei deshalb zu verhindern, dass das Land ausreichende Mengen nuklearen Materials bekomme. Denn auch wenn es technisch schwierig sei, einen Sprengkopf zu bauen: Ein solches Vorhaben sei wesentlich schwieriger zu entdecken als die Anreicherung von Uran. Sollte Iran also eines Tages genug Spaltmaterial besitzen, würde die Welt womöglich erst von der Existenz einer vollständigen Waffe erfahren, "wenn Iran sie unterirdisch zündet oder ihre Existenz auf andere Art bekanntgibt".

Dem Autor auf Twitter folgen:

mbe

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 202 Beiträge
tottibln36 09.10.2012
Ich meine die sagen bestimmt die wahrheit
Ich meine die sagen bestimmt die wahrheit
gerechtigkeit11 09.10.2012
Wer glaubt das denn wirklich noch? Das wird uns jetzt schon seit Jahren erzählt. Ich als junger erwachsener weiß schon fast mein ganzes Leben lang, dass der.Iran in ein paar Wochen, aber spätestens Monaten, eine Atombombe haben [...]
Wer glaubt das denn wirklich noch? Das wird uns jetzt schon seit Jahren erzählt. Ich als junger erwachsener weiß schon fast mein ganzes Leben lang, dass der.Iran in ein paar Wochen, aber spätestens Monaten, eine Atombombe haben wird. Ich finde es nur traurig dass viele das über Jahre hören und immer noch glauben, aber ich bin ein verschwörungstheoretiker...
spon-409-8l1r 09.10.2012
Hallo Gott, ich wollte Dich mal kurz fragen, wie Du das mit der Atombombe siehstdie Deine Jünger in der Welt entweder schon besitzen oder gerne haben möchten? Was sagst Du? ich kann dich so schlecht hören...
Hallo Gott, ich wollte Dich mal kurz fragen, wie Du das mit der Atombombe siehstdie Deine Jünger in der Welt entweder schon besitzen oder gerne haben möchten? Was sagst Du? ich kann dich so schlecht hören...
freigeist1964 09.10.2012
Na SUPER! Dann wird jetzt ganz schnell noch der dritte Weltkrieg losgetreten und dann gibt es endlich mal wieder andere NACHRICHTEN als Griechenland und die Eurokrise! *sarkasmus aus*
Zitat von sysopIran könnte schon bald genug Material für eine Atombombe produzieren. Wie lange das Mullah-Regime dann noch für eine Waffe bräuchte, wisse niemand, warnt ein US-Institut. Deshalb müsse man Teheran davon abhalten, noch mehr Spaltmaterial zu gewinnen. Isis-Studie: Iran könnte binnen Wochen Material für Atombombe besitzen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/isis-studie-iran-koennte-binnen-wochen-material-fuer-atombombe-besitzen-a-860391.html)
Na SUPER! Dann wird jetzt ganz schnell noch der dritte Weltkrieg losgetreten und dann gibt es endlich mal wieder andere NACHRICHTEN als Griechenland und die Eurokrise! *sarkasmus aus*
DerKritische 09.10.2012
Da wird m.E. ganz schön was aufgebauscht. Was soll das denn erst werden, wenn sich der Westen über das vorhandene spaltbare Material beschwert dass zum Bau von Atomwaffen geeignet ist, und sich in den Händen von Russland [...]
Zitat von sysopIran könnte schon bald genug Material für eine Atombombe produzieren. Wie lange das Mullah-Regime dann noch für eine Waffe bräuchte, wisse niemand, warnt ein US-Institut. Deshalb müsse man Teheran davon abhalten, noch mehr Spaltmaterial zu gewinnen. Isis-Studie: Iran könnte binnen Wochen Material für Atombombe besitzen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/isis-studie-iran-koennte-binnen-wochen-material-fuer-atombombe-besitzen-a-860391.html)
Da wird m.E. ganz schön was aufgebauscht. Was soll das denn erst werden, wenn sich der Westen über das vorhandene spaltbare Material beschwert dass zum Bau von Atomwaffen geeignet ist, und sich in den Händen von Russland und China befindet? Niemand würde sich da Freschheiten rausnehmen, ist man doch auch selbst kein Kostverächter in dieser Hinsicht.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Technik
alles zum Thema Israel-Iran-Konflikt

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Dienstag, 09.10.2012 – 18:53 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 202 Kommentare

Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Mahmud Ahmadinedschad

Mehr auf der Themenseite


Irans Atomprogramm
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.


Uran und Atomwaffen
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.




TOP



TOP