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Rüstungsindustrie: Israels Geschäft mit dem Krieg

Aus Tel Aviv berichtet

Israelischer Soldat mit "Merkava"-Panzer: Zwangloses Verhältnis zur Waffe Zur Großansicht
AFP

Israelischer Soldat mit "Merkava"-Panzer: Zwangloses Verhältnis zur Waffe

Israel investiert wie kaum ein anderes Land in die Forschung - und nirgendwo sonst sind Wissenschaft, Armee, Rüstungsindustrie und Politik so eng miteinander verwoben. Das Ergebnis ist eine Hightech-Waffenschmiede, die alle Welt beliefert.

Viel ist es nicht, was von dem Hightech-Auto übrig ist. In der Halle von den Ausmaßen eines Flugzeughangars wirken seine Reste winzig. Keine Räder, kein Fahrgestell, nur noch die kantige Karosserie. Und auch die ist übel zugerichtet, in einer Seite klafft ein großes Loch mit Rändern aus zerfetztem Metall. "Panzerabwehrrakete", sagt Yoav Hirsh und lächelt. Ein Mensch hätte dieses Auto wohl nicht lebend verlassen. Doch am Steuer hat nie ein Mensch gesessen: "Guardium" braucht keinen Fahrer.

Hirsh, weißgraue Haare, kräftige Figur, entschlossener Blick, redet mit kaum verhülltem Stolz über seine Autos. Die Firma G-Nius, deren Geschäftsführer er ist, beliefert als eine der ersten weltweit eine Armee mit Kampfrobotern. Seit 2007 patrouilliert "Guardium" an der Grenze zum Gaza-Streifen. Er kann aus der Ferne gelenkt werden oder eigenständig einer vorgegebenen Route folgen, während seine Kameras und Sensoren die Umgebung erfassen.

G-Nius: Rollende Roboter für Israels Militär
Markus Becker

Waffenstation auf dem Dach eines Ford F350: Die Sensoren sind echt, das schwere Maschinengewehr ist eine Attrappe.

Markus Becker

Ford F350 mit Waffenstation: Bewaffnete Autos von G-Nius sollen schon einsatzbereit sein.

G-Nius

"Guardium" in Aktion: Der Roboter soll autonom an Israels Grenze zum Gaza-Streifen patrouillieren.

Markus Becker

"Guardium" (in einer Halle von G-Nius in Yokneam): Israels Armee hat ihre Roboter-Initiative bereits 2008 begonnen. Seitdem habe man den "Guardium" nach und nach in den militärischen Alltag eingeführt.

Markus Becker

Kontrollstation auf dem Firmengelände von G-Nius: Mitarbeiter steuern einen "Guardium" bei Versuchen.

G-Nius

Verschiedene "Guardium"-Versionen: In den kommenden Monaten soll Israels Armee die nächste Generation der Roboter bekommen.

G-Nius

"Avantguard": Er wurde ebenfalls von G-Nius entwickelt und ist nach Angaben der Firma bereits von der israelischen Armee erprobt und zertifiziert. Am Zweck der Maschine lässt der Hersteller keinen Zweifel: Es handele sich um ein "Unmanned Ground Combat Vehicle" (UGCV), ein unbemanntes Kampffahrzeug. Die Waffenstation auf dem Gefährt kann mit unterschiedlichem Gerät bestückt werden.

AFP

Israelischer "Merkava"-Panzer: Die Firma IAI - der G-Nius zur Hälfte gehört - stellt das Feuerleitsystem des Kampfpanzers her.

"'Guardium' hat mehr als 60.000 Stunden im Einsatz absolviert", sagt Hirsh, "und viele Leben gerettet". Das Ziel seien "Missionen ohne jedes Risiko für den Soldaten". Allerdings können die G-Nius-Autos nicht nur Leben retten, sondern auch vernichten, mit ferngesteuerten Waffenstationen, die auf dem Dach montiert werden. Hirsh lässt durchblicken, dass solche bewaffneten Fahrzeuge zwar noch nicht benutzt werden, aber bereits einsatzfähig sind. In einer weiteren Halle etwa steht ein Ford F350, ein handelsüblicher Pick-up-Truck, komplett mit Waffenstation. Die Kameras und Sensoren sind echt, das schwere Maschinengewehr ist eine Attrappe. "Wir sind schließlich eine zivile Firma", meint Hirsh.

G-Nius ist ein Paradebeispiel dafür, wie in Israel Technologie entsteht. Die Firma sitzt im "High-Tech-Park" im nordisraelischen Yokneam, inmitten zahlreicher Technologiefirmen. Sie ist ein Joint Venture der Raumfahrt- und Elektronikfirma Elbit Systems und des staatlichen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Israel Aerospace Industries (IAI), und sie hat exzellente Verbindungen zum Militär.

Verkaufserfolg durch das Prädikat "kampferprobt"

Israel steht seit seiner Gründung im Konflikt mit seinen Nachbarn. Es fühlt sich bedroht, es ist klein und es verfügt über keine riesigen Armeen. "Innovative Militärtechnologien gelten für Israel deshalb als strategisch lebenswichtig", sagt Dan Peled, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Haifa. Das hat über die Jahrzehnte zu einer engen Verschränkung von Armee, ziviler Wissenschaft, Industrie und Politik geführt - und zu einem lukrativen Geschäft mit dem Krieg, der allein seit Anfang Juli fast 2000 Palästinenser und 67 Israelis das Leben gekostet hat.

Der britische Militärfachverlag "Jane's" führt Israel als sechstgrößten Waffenexporteur der Welt, das Land hat 2012 Kriegsgerät im Wert von 2,4 Milliarden Dollar ausgeführt. Das entspricht rund 300 Dollar pro Einwohner. Selbst die USA, in Summe bei weitem größter Waffenverkäufer der Welt, kommen auf nur etwa 90 Dollar pro Kopf. Die Tendenz ist stark steigend: Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri haben sich Israels Rüstungsexporte zwischen 2001 und 2012 mehr als verdoppelt.

Zum Geschäftserfolg tragen die seit Jahrzehnten andauernden Konflikte zwischen Israel und seinen Nachbarn durchaus bei - was Vertreter von Industrie, Militär und Wissenschaft überraschend freimütig einräumen. "Die im Gefecht erwiesene Leistung ist eines der besten Verkaufsargumente für israelische Militärtechnologie", sagt Wirtschaftsprofessor Peled. Das Prädikat "combat proven" beschert Gewehren, Drohnen und Raketen aus Israel überall auf dem Globus reißenden Absatz.

IWI: Israels Feuerwaffen-Schmiede
Markus Becker

Gil Wainman, Marketingdirektor des Waffenherstellers IWI: "Wir wachsen exponentiell."

Markus Becker

IWI-Sitzungsraum: Meetings zwischen Pistolen und Maschinengewehren.

IWI

Scharfschützengewehr "Dan": "Wir schicken unsere Söhne und Töchter zur Armee. Sie sollen nur das Beste vom Besten bekommen."

Getty Images

Israels ehemaliger Verteidungsminister Ehud Barak auf Besuch bei der Waffenindustrie (November 2010): Enge Verbindungen zwischen Armee, Politik, Forschung und Industrie.

Fragt ein Journalist einen Pressesprecher: "Dürfte ich Sie mit Gewehr im Anschlag fotografieren?" Ein Vertreter eines deutschen Rüstungskonzerns würde diese Frage wahrscheinlich für einen Witz halten, und zwar für einen schlechten. In Israel ist das anders. "Gerne doch", sagt Gil Wainman.

Lange suchen musste Wainman nicht: Der Sitzungsraum, in dem der Marketing-Direktor von Israel Weapon Industries (IWI) steht, gemahnt eher an eine Waffenkammer. Konferenztisch und Videoleinwand sind flankiert von Regalen voller Pistolen, Sturmgewehre, Maschinengewehre und Granatwerfer.

IWI beliefert die israelische Armee mit "Uzi"-Maschinenpistolen, "Tavor"-Sturmgewehren und "Negev"-Maschinengewehren. Zum Portfolio gehört auch die "Desert Eagle"-Pistole, die wegen ihrer monströsen Größe zwar kaum bei Militär und Sicherheitskräften, dafür umso öfter als Macho-Knarre in Actionfilmen und Ballerspielen vorkommt.

Mit diesen Produkten hat IWI enormen Erfolg. Als die Firma 2005 privatisiert wurde, hatte sie 70 Angestellte. "Jetzt sind es mehr als 500", sagt Wainman. "Wir wachsen exponentiell." Inzwischen nutze man jeden Quadratzentimeter des Grundstücks in Ramat Hasharon nördlich von Tel Aviv. "Und es kommen immer noch jeden Tag neue Maschinen dazu." Wie viele Sturmgewehre, Pistolen, Maschinengewehre und Granatwerfer IWI verkauft, mag Wainman nicht verraten. "Aber es sind Zehntausende pro Jahr", sagt er mit einem Lächeln. IWI gehöre zu den fünf größten Schusswaffenherstellern der Welt.

Waffenhersteller IWI: Schießgerät für alle Welt
Die Armee ist immer mit dabei. Sie bekomme eine neue Waffe direkt nach einer firmeninternen Versuchsphase und erprobe sie im Einsatz, erklärt Wainman. Die Erfahrungen aus dem Feld würden an die Techniker von IWI gemeldet und helfen, die Waffe zu verbessern. "Wir haben in Israel eine riesige Erfahrung", betont Wainman. "Echte Gefechtserfahrung. Die nutzen wir in der Entwicklung."

Der Stolz auf das Ergebnis wird spürbar, wenn man mit Wainman durch die IWI-Fertigungshallen streift. "Ich liebe den Geruch von Öl und den Klang der Maschinen", sagt er. Auf den ersten Blick sieht es in dem Werk nicht anders aus als bei einem deutschen Autoteilehersteller: Drehbänke und CNC-Fräsen, Pinnwände voller Konstruktionszeichnungen und überall große Kisten voller Metallteile.

Mitten in der Halle stehen glänzende Stahlstangen in Reih und Glied. Sie werden später der Länge nach durchbohrt, die Bohrung wird mit einem Zug versehen. Diese Nuten geben den Kugeln, wenn sie mit rund 900 Metern pro Sekunde durch den Lauf rasen, einen Drall, sodass sie ohne zu taumeln ihr Ziel treffen. Und das wird in den allermeisten Fällen ein Mensch sein, dessen Knochen und Organe das Geschoss zerschmettern wird.

Ob das Wissen um diese Tatsache die tägliche Arbeit beeinflusse? Wainman versteht das als rein technische Frage. "Unsere Arbeiter durchlaufen ein Screening durch den Inlandsgeheimdienst", sagt er. "Außerdem ist die Arbeit bei IWI für sie in erster Linie Leidenschaft und erst in zweiter Linie Arbeit."

90 Prozent der IWI-Schusswaffen werden exportiert

Der zwanglose Umgang mit allem Militärischen wird in Israel keineswegs als problematisch gesehen. Zwar ruft die enge Verbindung zwischen Militär und Industrie zuweilen Kritiker auf den Plan, wie etwa den israelischen Journalisten und Regisseur Yotam Feldman. Sein Film "The Lab" hat vergangenes Jahr für einigen Wirbel gesorgt. Die provokante These: Gaza und die Westbank seien Israels Waffenlabore, die Palästinenser die Versuchskaninchen, und der Krieg sei von einer Belastung zum hochprofitablen Geschäft mutiert.

Doch die große Mehrheit der Bürger sieht in der Entwicklung neuer Waffen eine schlichte Notwendigkeit, um ihre Sicherheit und die Existenz ihres Staats zu sichern. Vertreter der Rüstungsindustrie stellen ihre überlegene Technologie gar als friedensfördernd dar: Präzise Waffen würden Kollateralschäden vermeiden, das Abwehrsystem "Iron Dome" eine mildere Reaktion auf die Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen ermöglichen. Von Milde aber kann im aktuellen Konflikt keine Rede sein: Der Großteil der fast 2000 Palästinenser, die seit Anfang Juli durch israelische Angriffe umgekommen sind, waren Zivilisten. Die Vereinten Nationen sprechen von Kriegsverbrechen, selbst die USA distanzieren sich von Israel.

"Wir schicken unsere Söhne und Töchter zur Armee", sagt IWI-Sprecher Wainman. "Sie sollen nur das Beste vom Besten bekommen." Allerdings bekommen nicht nur Israels Söhne und Töchter das Beste vom Besten. Im Gegenteil: Die Versorgung von Israels Armee macht inzwischen nur noch einen kleinen Teil des Geschäfts der Rüstungsindustrie des Landes aus. IWI etwa exportiert laut Wainman 90 Prozent seiner Produkte. Bei anderen großen Rüstungsunternehmen ist das nicht anders: Exportquoten von 75 Prozent und mehr sind die Regel.

Ausgeführt werden dabei längst nicht nur Schusswaffen, sondern auch komplexe Waffensysteme wie etwa Drohnen. Die USA mögen als Heimatland der fliegenden Späher und Killer wahrgenommen werden. Doch Israel hat laut "Jane's" schon 2013 mehr unbemannte Flugsysteme verkauft als die Vereinigten Staaten - und wird 2014 voraussichtlich sogar mehr als doppelt so viele exportieren wie die USA.

Drohnen: Israels Exportschlager

Die Montagewerkstatt des Rüstungskonzerns IAI wirkt wie eine Baustelle für überdimensionale Modellflugzeuge. Überall stehen "Harop"-Drohnen in unterschiedlichen Stufen der Fertigstellung: Einige geöffnet und mit nur einem Teil ihrer Elektronik, andere transportfertig im Startkanister. In einem Nebenraum hängen neun "Harops", noch leere Hüllen, wie Fledermäuse von der Decke.

In ihrem Kopf trägt die ferngesteuerte "Harop" 23 Kilogramm Sprengstoff. Hat ihr Pilot ein Ziel ausgemacht, steuert er die Drohne im Sturzflug darauf zu - "mit 400 km/h", sagt ein IAI-Mitarbeiter. Bei der israelischen Armee ist die "Harop" seit Jahren im Einsatz, Indien denkt über eine Beschaffung nach, auch die Bundeswehr war zeitweise interessiert - so sehr, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall 2011 Tests durchführte. Im Februar 2013 wurde das "Wabep"-Projekt ("Wirkmittel zur abstandsfähigen Bekämpfung von Einzel- und Punktzielen") nach Angaben des Verteidigungsministeriums storniert. Über potenzielle andere "Harop"-Käufer schweigt sich IAI aus.

Ein Großteil der israelischen Drohnen geht nach Asien: Indien gilt als einer der größten Wachstumsmärkte für israelische Rüstungsgüter. Auch nach China würde Israels Rüstungsindustrie gern mehr liefern, doch bisher hat die US-Regierung diverse Deals mit potenziell militärisch nutzbarer Technologie verhindert. Auch in Afrika sind israelische Rüstungsfirmen nach Sipri-Angaben aktiv. Großaufträge könnten demnächst aus Deutschland kommen: Die "Heron" aus dem Hause IAI gilt neben der amerikanischen "Reaper" als Top-Kandidatin für die künftige Kampfdrohne der Bundeswehr. Auch ein Aufklärungsflugzeug vom Typ Bombardier Global 5000, ausgerüstet mit IAI-Sensoren, versucht die Firma den Deutschen zu verkaufen - als Ersatz für die gescheiterte "Euro Hawk"-Spähdrohne.

Fliegene Späher, stürzende Killer: Israels Drohnen
Markus Becker

"Harop"-Drohnen in der Montagehalle beim Rüstungskonzern IAI: Das unbemannte Flugzeug wird seit Jahren von Israels Armee benutzt.

Markus Becker

Montagehalle: "Harop"-Drohnen in unterschiedlichen Graden der Fertigstellung

IAI

"Harop"-Drohne: Der Start erfolgt per Rakete, danach kann das unbemannte Flugzeug mit seinem Propellerantrieb stundenlang weiterfliegen und sich im Kamikaze-Stil auf sein Ziel stürzen.

Markus Becker

Tödliches Geschoss: In ihrem Kopf trägt eine "Harop" 23 Kilogramm Sprengstoff.

Markus Becker

"Harop"-Fertigung: Israel ist inzwischen zum weltgrößten Exporteur militärischer Drohnen avanciert. 2013 hat das Land die USA überholt.

IAI

"Harop" im Startkanister: Die Drohne wurde bereits an Indien verkauft, auch Deutschland war zeitweise interessiert.

picture alliance / dpa

"Heron"-Drohne von IAI: Sie wird bereits seit Jahren von der Bundeswehr eingesetzt - und könnte dort demnächst auch bewaffnet fliegen.

Dass Israel so gut in der Herstellung von militärischer Hochtechnologie ist, hat seine Gründe. "Angesichts seiner mäßigen Ressourcen überrascht es, dass Israel Waffensystem entwickelt, die auf dem neuesten Stand der Technik oder gar die ersten ihrer Art sind", heißt es in einer Studie der australischen University of New South Wales. Israel investiere gern in riskante Forschungsprojekte - und entwickle so "radikal innovative Rüstungsfähigkeiten".

Hinzu kommt die enorme gesellschaftliche Rolle des Militärs. "Fast jeder Wissenschaftler, Ingenieur oder Technologie-Entwickler hat militärische Erfahrung, oftmals im Gefecht", sagt Wirtschaftsprofessor Peled. Und wer nicht selbst Wehr- oder Reservedienst geleistet habe, kenne dies meist durch enge Freunde oder Familienmitglieder. "Diese Vertrautheit mit militärischen Notwendigkeiten und dem, was Forschung und Technologie bieten können, gibt es in keinem anderen Land."

Und zu bieten hat Israel in Sachen Forschung und Technologie einiges. Die Schweizer Wirtschaftshochschule IMD führt Israel in seinem "Globalen Jahrbuch der Wettbewerbsfähigkeit" seit Jahren als innovativstes Land der Welt. 4,4 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts investiert Israel in Forschung und Entwicklung - globaler Bestwert. Auch in Sachen Bildung, Grundlagenforschung, bei der Entwicklung und Anwendung von Technologie, der Cyber-Sicherheit und der Informationstechnologie sieht IMD Israel auf Rang eins in der Welt.

Auf Rang eins liegt das Land allerdings auch in einer weniger rühmlichen Rangliste: dem globalen Militarisierungsindex des Bonn International Center for Conversion (BICC). Das spiegelt sich auch in der Wissenschaft wieder. 30 Prozent aller Forschung und Entwicklung in Israel ist militärisch, schätzte Michael Brzoska, Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, in einem Papier von 2007. In Deutschland seien es zwei Prozent.

"Wir sprechen die Sprache des Militärs"

Avner Benzaken: "Wir kennen die Bedürfnisse des Militärs" Zur Großansicht
Markus Becker

Avner Benzaken: "Wir kennen die Bedürfnisse des Militärs"

Wie die Kooperation zwischen Forschung, Industrie und Militär in der israelischen Praxis funktioniert, weiß kaum jemand besser als Avner Benzaken, Chef der Logistik- und Ausrüstungsabteilung der IDF. Auf seinem Schreibtisch in einer Kaserne bei Tel Aviv steht ein kleiner Zen-Sandkasten. Im schneeweißen Sand liegen winzige Steine und eine hölzerne Mini-Harke. Davor ein Schild: "Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind." Der Satz, er soll von Albert Einstein stammen, könnte auch einem nahöstlichen Friedensaktivisten eingefallen sein.

Benzaken greift nach einer kleine Holzpyramide, die aus ineinandergeschobenen Teilen besteht, und nimmt sie auseinander. "Versuchen Sie mal, sie wieder zusammenzubasteln", fordert er seinen Besucher fröhlich lächelnd auf. Die Pyramide ist eines dieser Geduldspiele, die einen in den Wahnsinn treiben können: Man weiß, dass die Lösung im Grunde einfach ist und zum Greifen nahe liegt. Doch man ist so sehr in herkömmlichen Denkmustern gefangen, dass man nicht darauf kommt. Der Nahost-Konflikt, versinnbildlicht durch ein Holzspielzeug.

Benzakens berufliches Denken aber kreist nicht um die Lösung des kriegerischen Dauerkonflikts. Zu seinem Job gehört es, die kämpfende Truppe noch effektiver zu machen. Und dafür findet er in Israel einzigartige Bedingungen vor.

"Wenn ich ein neu entwickeltes Produkt im Feld testen möchte, brauche ich nur fünf oder zehn Kilometer von meiner Basis wegzugehen", sagt Benzaken. "Ich bekomme sofort Rückmeldung. Das macht den Entwicklungsprozess schneller und viel effizienter." Seine Einheit bestehe zu großen Teilen aus Akademikern, die zugleich Offiziere seien. "Wir kennen die Bedürfnisse des Militärs. Und wir wissen, wie man sie in die Sprache der Technologie übersetzt."

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Reichweiten der Hamas-Raketen Zur Großansicht
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Reichweiten der Hamas-Raketen


Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 8,358 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt:
Reuven Rivlin

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

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