400 Kilometer lang, 14 Meter hoch Japans Betonwall gegen Tsunamis

Die Sicht zum Meer ist versperrt, aber der Weg für Tsunamis auch: Japan hat eine gigantische Betonmauer zum Schutz vor Riesenwellen gebaut.

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Vor sieben Jahren rissen Tsunamis in Japan fast 20.000 Menschen in den Tod. Die riesigen Wellen, die von einem schweren Erdbeben im Pazifik losgetreten worden waren, zerstörten zudem das Atomkraftwerk in Fukushima, es kam zum Super-Gau.

Viele Gemeinden im Nordwesten Japans sind nun besser geschützt. Eine bis zu 14 Meter hohe Mauer soll auf einer Strecke von etwa 400 Kilometern Tsunamis abwehren.

Umgerechnet rund zehn Milliarden Euro soll das Bauwerk gekostet haben, dessen Anblick nicht alle überzeugt: "Das sieht aus wie eine Gefängnismauer", schimpfte ein Anwohner bereits während der Bauphase.

"Ohne Mauer wären wir verschwunden"

Auch in Fudai, einem 3000-Einwohner-Ort im Norden von Japans Hauptinsel Honshu, hatten manche geklagt: Dort steht seit Jahrzehnten eine Tsunami-Schutzmauer, bereits in den Siebzigerjahren schimpften Anwohner über hohe Kosten und die Verschandelung der Landschaft.

Dann kam der Tsunami am 11. März 2011 - und die Mauer rettete den Bewohnern von Fudai das Leben.

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Japans Mauer gegen Tsunamis: Barriere zum Meer

"Die Mauer war teuer", sagte der Algen-Fischer Satoshi Kaneko in einem Interview kurz nach der Katastrophe. "Aber ohne die Mauer wäre Fudai verschwunden." Der Tsunami habe zwar sein Geschäft zerstört, aber seiner Familie und seinem Haus sei nichts passiert.

Nützliche Bäume

Kritiker aber meinen, Notfallpläne seien wichtiger als Mauern: "Wir müssen die Wälle nicht erhöhen", sagte etwa Tsuneaki Iguchi, Ex-Bürgermeister einer Kleinstadt bei Sendai. "Wir müssen vielmehr sicherstellen, dass bei Gefahr alle evakuiert werden."

In seinem Ort hat Iguchi eine beschädigte Tsunami-Mauer nur reparieren, aber nicht erhöhen lassen. Zusätzlich ließ er Bäume in einem Streifen hinter der Mauer auf künstlich angelegte Hügel pflanzen.

Dass Bäume die Gewalt des Meeres lindern können, hatte sich auch 2011 gezeigt. So hielten Bäume losgerissene Boote auf, die mit der Flut in Siedlungen gespült wurden.

Auch Biologen hegen Bedenken gegen die Betonierung von Japans Küste. Die hohe Mauer bilde eine für Tiere und Pflanzen unüberwindliche Barriere. Der natürliche Wasserabfluss vom Land Richtung Ozean sei unterbrochen.

boj



insgesamt 13 Beiträge
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Emil Peisker 13.03.2018
1. Potenzen...
Die Mauer ist tausend mal länge als in der Headline angekündigt. Statt 400m sind es 400.000m! Ist es tatsächlich so, dass niemand einen Blick auf die Überschriften wirft?
Minster 13.03.2018
2.
Beim letzten Absatz bin ich stutzig. Ist es das übliche Blabla der Biologen oder basiert das auf Forschungsergebnisse am Damm von Fudai? Herr Iguchi vergisst, dass es auch extrem auf die jeweilige Lage ankommt wo ein Tsunami wie auftreffen kann und wohin sich seine Wucht entfalten wird. Während es für seinen Ort vielleicht noch ausgereicht hat (hat es das wirklich?), so kann es anderorts viel zu lange dauern bis alle Bewohner evakuiert wurden. z.B. waren die stabilen Hochhäuser, wohin man Evakuiert wurde, die besten Schutzzonen, oder eben die natürlichen Berge in der Umgebung - während alles andere herum zerstört wird. Bäume halten vielleicht Schiffe auf - aber eben nicht das Wasser und den Kleinkram, womit Menschen eben doch sterben.
m.ramsch 14.03.2018
3. Bitte nicht Schwarz/Weiß denken
Ich fürchte, Sie machen es sich zu einfach und sitzen deshalb einem großem Irrtum auf: Naturschutz und Fortschritt sind keine Gegner und schließen sich nicht gegenseitig aus! Im Gegenteil: Fortschritt ohne Verstand, ohne zu verstehen, was man eigentlich verändert oder welchen Preis man zahlt, kann in die Katastrophe führen. Veränderung alleine ist gar nichts wert, wenn sie nicht zu einer tatsächlichen Verbesserung des Lebens für alle führt – nur dann ist es auch wirklich Fortschritt! Das _braucht_ dann aber Verstand, Weitsicht und Einsicht (also: verantwortungsvolle Wissenschaft!). Und dazu gehört selbstverständlich auch zu verstehen (und zu berücksichtigen!), wie wir die Natur und Umwelt beeinflussen, die unser Zuhause und die Grundlage unseres Lebens ist. Als moderner Städter in einer westlichen Wohlstandsgesellschaft nimmt man leider kaum mehr die – eigentlich sehr direkte – Verbindung zwischen dem eigenen Leben und einer funktionierenden Natur im Gleichgewicht wahr. Es ist ein bisschen vergleichbar, wie wenn Sie mit dem Motorrad eine Alpentour fahren und Spaß am schnellen Fahren haben. Wenn Sie _zu_ schnell und _zu_ riskant fahren, bauen Sie einen Unfall und kommen weder ans Ziel noch haben Sie Spaß. Das heißt aber eben nicht, dass Sie gar nicht fahren dürfen. Nur halt eben einen Ticken langsamer, so dass Sie die Sache noch beherrschen und eben nicht aus der Kurve fliegen und in den Gegenverkehr driften. Wenn Ihnen einer sagt: „Fahr diese nächste unübersichtliche Kurve nicht so schnell an, weil da Kies auf der Straße liegt“, dann wäre es klug, eben angepasst etwas langsamer zu fahren. Und es wäre auch klug, die Straßenverhältnisse zu kennen und zu wissen, wo die Grenzen von Motorrad und die eigenen sind – und danach zu handeln! Sie aber klingen so, als wenn Ihre Antwort nur wäre: „Du Spaßbremse, soll ich vielleicht stehen bleiben, oder was? Da komme ich ja nie vorwärts! Und bisher war ja der Teer immer griffig ...“ Dabei geht es aber eben gar nicht um „alles oder nichts“ bzw. „volles Tempo vs. stehen bleiben“, sondern einfach nur um das richtige Maß.
Plasmabruzzler 14.03.2018
4. Konkrete Gefahr?
Welche konkrete Gefahr geht denn momentan (oder auch in den 70igern) von was aus, dass man sich entschloss, solch eine Mauer zu bauen? Okay, die Mauer hat zwar den Tsunami vor ein paar Jahren erträglicher gemacht, aber gibt es momentan Zeichen, dass sich so etwas wiederholt? Streng genommen müsste man die ganze Ostküste der USA und Kanada mit solch einer Mauer versehen (statt an der Grenze zu Mexiko), falls mal auf La Palma oder El Hierro ein kräftiger Erdrutsch passiert. Da gibt es nämlich konkrete Gefahren, die von den kanarischen Inseln ausgehen.
schwerpunkt 14.03.2018
5.
Zitat von PlasmabruzzlerWelche konkrete Gefahr geht denn momentan (oder auch in den 70igern) von was aus, dass man sich entschloss, solch eine Mauer zu bauen? Okay, die Mauer hat zwar den Tsunami vor ein paar Jahren erträglicher gemacht, aber gibt es momentan Zeichen, dass sich so etwas wiederholt? Streng genommen müsste man die ganze Ostküste der USA und Kanada mit solch einer Mauer versehen (statt an der Grenze zu Mexiko), falls mal auf La Palma oder El Hierro ein kräftiger Erdrutsch passiert. Da gibt es nämlich konkrete Gefahren, die von den kanarischen Inseln ausgehen.
Es ist eine Frage der Eintrittswahrscheinlichkeit und dem zu erwartenden Schaden. Japan hat an den entsprechenden Abschnitten in historischer Zeit mehrere Tsunamis erlebt (immerhin hat der Begriff "Tsunami" seinen Ursprung im Japanischen), während der Erdrutsch ein eher theoretisches Szenario ist, welches einen großen Schaden anrichten kann. Multipliziert mit der Eintrittswahrscheinlichkeit ist das Risiko wiederum recht moderat, die entsprechenden Maßnahmen zur Risikominimierung aber extrem teuer. Zumal ein Tsunami an der amerikanischen Ostküste lediglich EIN Szenario von mehreren wäre, wenn der Hang abrutscht. Dagegen ist der Ausbruch des Yellowstone praktisch eine sichere Sache, auch wenn das Risiko hier ebenfalls gering ist, da er aktuell mit gleichbleibender Wahrscheinlichkeit zwischen "jetzt" und "in ein paar hunderttausend Jahren" ausbricht (wirksame Maßnahmen sind in dem Fall gar nicht zu treffen) .. also mit sehr geringer jährlicher Wahrscheinlichkeit. Dass die japanische Küste innerhalb der Lebenszeit eines Bewohners von einer großen Tsunami-Welle getroffen wird, ist dagegen erheblich. Der zu erwartende Schaden sicher geringer als beim Ausbruch des Yellowstone oder beim Hangabrutsch von La Palma. Insgesamt ist das Risiko (Eintrittswahrscheinlichkeit x Schaden) in Japan beträchtlich viel höher. Was sich in der Erfahrung dort widerspiegelt.
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